Noch ein Werk der Fälscherbande enttarnt

Von: dpa
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Das angebliche Gemälde „Die Katze in Berglandschaft” im Sprengel Museum in Hannover des Expressionisten Heinrich Campendonk (1889-1957) ist als Fälschung entlarvt worden. Verantwortlich soll dieselbe Fälscherbande sein, die sich zurzeit in einem spektakulären Prozess in Köln verantworten muss. Die Fritz-Behrens-Stiftung hatte das Gemälde erst im Juni vergangenen Jahres für eine Million Euro erstanden und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Foto: Sprengel Museum Hannover

Köln/Hannover. Ein Gemälde des Expressionisten Heinrich Campendonk (1889-1957) im Sprengel-Museum in Hannover ist als Fälschung entlarvt worden. „Ein bedauerlicher Verlust”, sagte Museumsdirektor Ulrich Krempel am Freitag und bestätigte damit einen Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers”.

Verantwortlich soll dieselbe Fälscherbande sein, die sich zurzeit in einem spektakulären Prozess in Köln verantworten muss. Dem Betrügerquartett werden bereits andere Campendonk-Fälschungen angelastet.

Die Fritz-Behrens-Stiftung aus Hannover hatte „Die Katze in Berglandschaft” erst im Juni vergangenen Jahres von der Münchener Galerie Thomas für eine Million Euro erstanden und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Sie will den Kauf nun rückabwickeln.

Galerie-Inhaber Raimund Thomas erklärte sich am Freitag im Gespräch mit der dpa bereit, das Bild zum Verkaufspreis zurückzunehmen. Am Ende werde er wohl der Hauptgeschädigte sein, sagte er, denn der New Yorker Galerist, von dem er wiederum das Bild gekauft habe, lebe nicht mehr. Thomas sagte, es habe zum Zeitpunkt des Verkaufs keinerlei Hinweise auf die Fälschergruppe und ihre besondere Methode gegeben. Campendonks Werk umfasse immerhin 1280 Arbeiten.

Auch Museumsdirektor Krempel betonte, es habe nicht den geringsten Anlass gegeben, an der Echtheit zu zweifeln. Das Bild sei seit 1989 im Werkverzeichnis Campendonks aufgeführt. „Der Sohn des Künstlers hat das Bild noch gesehen.”

Eine chemische Laboranalyse habe nun aber eindeutig ergeben, dass es unmöglich von Campendonk stammen könne. Krempel bestritt, dass man auf die Fälschung hereingefallen sei, nachdem die Bande bereits aufgeflogen war. „Es war praktisch zeitgleich.” Als das Bild der Öffentlichkeit präsentiert wurde, habe man gerade den ersten Zeitungsartikel dazu lesen können.

Das in Köln vor Gericht stehende Betrügerquartett soll die gesamte Kunstwelt einschließlich der namhaftesten Experten und großen Auktionshäuser viele Jahre lang übers Ohr gehauen haben. Die angeblichen Meisterwerke wurden nach Erkenntnissen der Kölner Staatsanwaltschaft bis zum Holzwurmloch gefälscht. Dafür soll der „künstlerisch versierte” Wolfgang B. verantwortlich gewesen sein. Sollte auch die Hannoveraner Fälschung auf ihn zurückgehen, wäre dies wohl eines seiner „Frühwerke”, da es schon seit den 80er Jahren dokumentiert ist. Mit B. angeklagt sind seine Frau, seine Schwester und der mutmaßliche Cheflogistiker der Fälschertruppe, Otto S.

Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, nahezu 50 Werke von Avantgarde-Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts wie Max Ernst und Max Pechstein gefälscht zu haben. Damit sollen sie fast 16 Millionen Euro kassiert und sich einen luxuriösen Lebensstil geleistet haben.

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