„Nina Hagen – Fürchtet Euch nicht!“: Uraufführung im Mörgens Theater

Von: Sabine Rother
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Lagebesprechung auf pinkfarbenem Teppich: Regisseurin Antje Prust (rechts) mit Lara Beckmann, Benedikt Voellmy und Elke Borkenstein (v.l.) bei den Proben zu „Nina Hagen – Fürchtet Euch nicht!“ Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Mir ist heiß! Ich bin so heiß!“ Elke Borkenstein kiekst, Lara Beckmann stöhnt, Benedikt Voellmy atmet tief aus, der Rhythmus hämmert und treibt die drei über die pinkfarbene Auslegeware. Mikros baumeln von einem viereckigen kargen Gestell, die Akteure greifen, lassen fallen, tauschen: Sie alle sind eine Facette Nina Hagens – irgendwie und irgendwo angesiedelt im turbulenten Leben der deutschen „Godmother of Punk“.

„Nina Hagen – Fürchtet Euch nicht!“ ist der Titel der Uraufführung im Mörgens des Aachener Theaters. Regisseurin Antje Prust nähert sich in ihrer Arbeit der Künstlerin, dem Menschen, dem Phänomen Nina Hagen widmen. Mit viel Musik

Es kommt niemand an der am 11. März 1955 in Ost-Berlin geborenen Catharina (Nina) Hagen vorbei – ob man sie nun schätzt, bewundert und anerkennt oder ob man davor zurückschreckt, dass sie herausschreit, was sie denkt und fühlt. Hagen ist eine zutiefst musikalische Persönlichkeit, die schrill als Bürgerschreck daherkommt und sich unverblümt zu brisanten Themen äußert – ob Umweltzerstörung, Politik oder Sex.

„Wir möchten zeigen, dass sie eine starke Frau ist, talentiert und mutig“, sagt Antje Prust, die sich zusammen mit Malcolm Kemp, dem musikalischen Leiter der Produktion, durch unendliche Stunden Musik gearbeitet hat. Nina allein, Nina mit der Band, immer vorn, unverblümt, laut, hemmungslos. Nach und nach bildeten sich Schwerpunkte, die herausarbeiten werden wollten. Ganz wichtig: Nina Hagens Spiritualität, ihr tiefer, fast kindlicher Glaube, den sie öffentlich gelebt hat.

Antje Rust will klare Aussagen. Sie arbeiten daran, keine Nina-Hagen-Imitationen zu schaffen, sondern die „Stimmen“ der Ausnahmekünstlerin aus dem Wust des Materials zu filtern. Was alle Beteiligten feststellen: Der extrovertierte Stil, die Wortgewalt einer Nina Hagen ist extrem kräftezehrend, fordert höchste Konzentration und körperlichen Einsatz. „Ich hatte sehr schnell das Gefühl, diese Frau wäre für mich eine gute Freundin, eine Persönlichkeit mit Humor, die mir imponiert und die mir zeigt, was möglich ist“, meint Lara Beckmann. Was steckt hinter der schillernden Persönlichkeit mit heftigem Make-up und auffälligem Outfit? „Eine Nina, für die es keine Tabus gibt, die eine Freiheit lebt, die bis heute noch längst nicht selbstverständlich ist“, betont Elke Borkenstein.

Nina Hagen mit Band. Musik-Profi Malcolm Kemp ist fasziniert. „Diese Band hat gut funktioniert, Nina Hagen hat den Ton unter Männern angegeben, das war ungewöhnlich, damit hat sie als Frau provoziert.“ Und so soll der Abend gegenwärtige Fragen stellen. Wie wird „Frau“ überhaupt in der Gesellschaft wahrgenommen? Sind die Dinge, die Hagen in ihren Songs angeprangert hat, nicht immer noch aktuell?

Im Titelzusatz „Fürchtet Euch nicht!“ schwingt Hagens religiöses Bewusstsein mit. „Es soll ein mystischer Abend werden“, betont die Regisseurin, die erfahren hat: „Wenn man sie nah an sich heran lässt, beginnt man, über die Dinge nachzudenken, die uns umgeben, und über sich selbst.“

Und wie wird das dann alles zu einem Theaterstück? „Themenbasierte Improvisation“ wird auf dem pinkfarbenen Teppich zu erleben sein – singend, schreiend und mit den zahlreichen Stimmen der Nina Hagen.

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