Nicht verschlafen: Hauke Berheides „Kleiner Häwelmann“

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Die Aachener Sinfoniker in Nachthemden bieten einen gewöhnungsbedürftigen Anblick. Zum Glück agierten die Musiker im vierten Familienkonzert nicht wie tönende Schlaftabletten, auch wenn der Schlaf in Theodor Storms feinsinniger Erzählung „Der kleine Häwelmann“ eine zentrale Rolle spielt und der Duisburger Komponist Hauke Berheide mit ruhigen bis narkotisierenden Klängen nicht geizt.

Die vielen Kinder im voll besetzten Theater verfolgten die Abenteuer des kleinen Häwelmanns (niederdeutsch: Nervensäge) mit großem Vergnügen, obwohl der Komponist voll ins Reservoir der zeitgenössischen Stilmittel griff und keinerlei kindliche oder angeblich kindliche Klischees bediente.

Gleichwohl konnten die Kinder trotz der ungewohnten, „fürs Auge und Ohr“ konzipierten und entsprechend plastischen Musikkulisse bis zum glücklichen Ausgang mit dem zappeligen Bürschchen mitfiebern.

Das bestens bekannte Theater Kontra-Punkt, das das Stück vor zwei Jahren in Düsseldorf aus der Taufe gehoben hat, sorgte dafür, dass es auch optisch spannend zuging. Die Handlung: Der unternehmungslustige Häwelmann kann es in seinem Bettchen nicht aushalten und lässt sich vom Mond in den Himmel entführen.

Als der Knabe immer noch nicht zufrieden ist, schaltet der Mond die Himmelslichter aus und Häwelmännchen muss warten, bis die Sonne Licht spendet. Die Sonne stößt ihn ins Meer, wo er von den Kindern gerettet werden muss.

Den Häwelmann stellen abwechselnd Annette Bieker und eine Puppe dar, die vor dem mit großartigen Projektionen illustrierten Bühnenhintergrund durchs Firmament schweben kann. Überhaupt hat man sich mit den Projektionen besonders viel Mühe gegeben. Wie auch mit der an sich schlichten Rolle des Erzählers.

Alexander Steindorf in einem märchenwürdigen Fantasiekostüm rezitiert nicht nur pointiert, er trägt auch mit Gongs, Schellen und allerlei Instrumentarium zur unterschwellig unheimlichen Stimmung des Stücks bei. Opernhafte Passagen von leider nur mäßiger Textverständlichkeit sieht Berheide für die Rolle der Mutter vor, die Angela Froemer ebenso kompetent gestaltet wie Christoph Breidler sein Amt am Pult des engagierten Aachener Sinfonieorchesters versieht. Begeisterter Beifall für ein zauberhaftes musikalisches Märchen.

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