Neujahrskonzert: Ansteckende Spiellaune und umwerfende Energie

Von: Pedro Obiera
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Sie sorgten zusammen mit dem Sinfonieorchester Aachen für ein umwerfend jazziges Neujahrskonzert: (von links) GMD Kazem Abdullah, Soetkin Elbers, Chris Lysack, Andreas Laux, Samuel Reissen, Stefan Michalke und Uwe Böttcher. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Neujahrskonzerte mit ausschließlich amerikanischer Färbung gehören zwar nicht zu den liebgewonnenen Traditionen unseres Musiklebens. Wenn man die Swing- und Blues-durchtränkten, noch dazu glänzend instrumentierten Klänge von George Gershwin, Duke Ellington & Co. jedoch mit solch authentischer Hingabe umsetzen kann wie Generalmusikdirektor Kazem Abdullah in seinem letzten Neujahrskonzert, dann kocht der Eurogress.

Als das Aachener Sinfonieorchester die Ohrwürmer aus Gershwin Ouvertüre zum Musical „Girl Crazy“ mit Verve und ansteckender Spiellaune anstimmte, war endgültig jede Erinnerung an die sonst bei solchen Anlässen übliche Walzerseligkeit gebannt.

Nach einem eher nachdenklichen Intermezzo mit der Ballettmusik zu „Three Black Kings“ des todkranken Duke Ellington mit Andreas Laux am Solosaxophon steigerte sich die Stimmung von Stück zu Stück, zumal zwei Überraschungsgäste auftraten, die das Aachener Publikum in anderem Gewande kennt. So die eigentlich auf Barock spezialisierte Sopranistin Soetkin Elbers, die nicht nur auf der Opernbühne in „Anatevka“ und „Orpheus und Eurydike“ eine gute Figur macht, sondern auch als Jazz-Sängerin mit Mikro und hautengem schwarzem Glitzerkleid.

Mit Hits von Duke Ellington, Gershwin und Fats Waller, unterstützt von ihrer dreiköpfigen Combo mit Stefan Michalke am Klavier, Uwe Böttcher am Bass und Samuel Reissen am Schlagzeug und dem Aachener Sinfonieorchester, bescherte sie noch vor der Pause erste Höhepunkte. Beeindruckend war die stimmliche Wandlungsfähigkeit und das idiomatische Einfühlungsvermögen der jungen Belgierin, die sich auf diesem Terrain ebenso wohlfühlt wie der zweite Gast, der Tenor Chris Lysack, der mittlerweile in Bremen engagiert ist, wo er demnächst als „Parsifal“ debütieren wird. Weniger bekannt sind Lysacks Fähigkeiten als voll ausgebildeter Konzertpianist.

Den schwierigen Klavierpart in Gershwins „Rhapsody in Blue“ bewältigte er mit umwerfender Energie, die Abdullah mit gleicher Münze erwiderte. Gershwins Meisterwerk erklang als wuchtiges Kraftpaket, dem sich noch die Sinfonische Suite aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“ anschloss. Nicht minder impulsiv, nicht weniger opulent und orchestral ebenso brillant. Das Publikum geriet schier aus dem Häuschen. Ein Neujahrskonzert, bei dem alles stimmte.

Das Konzert wurde am Montag in der Stadthalle Alsdorf wiederholt, allerdings ohne Mitwirkung von Chris Lysack.

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