Neuer „Rhythmus” für die Bilder: Kunstsammlung NRW öffnet wieder

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
Letzte Aktualisierung:
kunstsammlungnrw
Noch versperrt ein Bauzaun am Donnerstag den Blick auf die umgebaute Kunstsammlung in Düsseldorf. Nach zwei Jahren Umbau und Erweiterung öffnet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am 10. Juli wieder ihre Türen. Der renommierten „Nationalgalerie” des Bundeslandes am Düsseldorfer Grabbeplatz steht jetzt mit über 5000 Quadratmetern eine fast verdoppelte Ausstellungsfläche zur Verfügung, teilte Museumsdirektorin Ackermann mit. Foto: Martin Gerten dpa/lnw

Düsseldorf. Buchstäblich bis zur letzten Minute ist am Düsseldorfer Grabbeplatz unter Hochdruck gemauert, gebaggert, gestrichen, gewienert und aufgebaut worden. Nach zwei Jahren Umbau und Renovierung wird die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, international renommierte Staatsgalerie des Bundeslandes, am Donnerstag der Presse präsentiert und am Samstag feierlich wiedereröffnet.

Für den scheidenden NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) ist der Festakt der wohl letzte große Auftritt in der Öffentlichkeit. Die Kunstsammlung mit Spitzenwerken von Kandinsky bis Rauschenberg, von Beckmann bis Beuys, verfügt jetzt nicht nur über einen Erweiterungsbau, durch den die Ausstellungsfläche auf rund 5000 Quadratmeter fast verdoppelt wurde.

Das „K20”, wie die Düsseldorfer das Haupthaus mit seiner geschwungenen schwarzen Granitfassade nennen, hat unter der neuen Direktorin Marion Ackermann auch ein neues Ausstellungskonzept bekommen.

Ackermann (45) setzt die puristische Präsentation vertrauter Werke in behutsamen Kontrast mit flüchtigen, fast beiläufig wirkenden Installationen zeitgenössischer Künstler. Für bauliche Homogenität sorgt, dass der Erweiterungsbau wieder vom Kopenhagener Architekturbüro Dissing & Weitling konzipiert wurde, das auch bereits das 1986 eröffnete Haupthaus entwarf.

Die seit September amtierende Direktorin will eine enge Beziehung zwischen Kunst und Publikum herstellen, auch „stärker an der Öffnung des Museums nach außen” arbeiten.

Dafür hat sie den großen Sälen mit dem Bestand der Sammlung einen „Rhythmus” verliehen, in dem die Bilder in faszinierende historische und ästhetische Beziehungen zueinander treten. Der Besucher flaniert nicht mehr bloß von Bild zu Bild, sondern soll „ein enges und physisches Verhältnis” zu den Werken bekommen.

Im Zentrum der fast 40 Millionen Euro teuren Modernisierung steht der Erweiterungsbau aus einem unteren, fast 1100 Quadratmeter großen Saal mit 6,50 Metern Deckenhöhe und einem oberen 4,60 Meter hohen Saal. Auf sichtbehindernde Stützpfeiler wurde komplett verzichtet. Licht, Sicherheit und Klimatechnik wurden auf den modernsten Stand gebracht, um weiterhin internationale Leihgaben zeigen zu können.

Zur Wiedereröffnung präsentiert der Künstler Michael Sailstorfer eine spektakuläre Deckeninstallation aus 900 Lkw-Reifenschläuchen. Im oberen Saal lässt der belgische Künstler Kris Martin einen riesigen begehbaren Heißluftballon aufblasen. Vorteil des neugewonnenen Platzes im Museum: Der Besitz der Sammlung muss bei großen Wechselausstellungen nicht mehr teils im Depot verschwinden.

Internationale Stars wie Olafur Eliasson oder die Britin Sarah Morris konnte Ackermann für Künstlerprojekte gewinnen. Eliasson lässt sonnengelb beleuchtete Nebelschwaden aus einem Lichtschacht nach oben wabern.

Morris hat die Nordwand des angrenzenden Paul-Klee-Platzes mit bunten Keramikfliesen gestaltet. Das Café im ersten Stock ist von der Theke bis zum Kaffeegeschirr komplett von dem Niederländer Joep van Lieshout gestaltet worden.

Während die neuen Räume Ungewohntes bieten, kann der Besucher im renovierten „Altbau” die vertrauten Werke der klassischen Moderne wieder entdecken. Beim Rundgang in Mäanderform eröffnen sich neue Perspektiven: „Man hat immer wieder Durchblick und tritt nicht in ein enges Kabinett”, erklärt die Museumschefin.

Eröffnet sich etwa aus der Ferne der Blick auf Picassos „Zwei sitzende Frauen” (1920), scheinbar allein an der Wand hängend, gruppiert sich das Meisterwerk beim Nähertreten zu Menschendarstellungen von Léger.

Werkgruppen einzelner Künstler, etwa Kandinsky, hat Ackermann bei ihrer Hängung auseinandergezogen. „Ich habe bewusst versucht, mich von früher zu lösen”, sagt sie. „Aber bestimmte Nachbarschaften fügen sich einfach” - etwa die des späten Kandinskys zu den Gitterbildern Mondrians.

„Ich wollte einerseits bewahren, andererseits aber auch neue Energie hinzufügen”, beschreibt Ackermann ihr Konzept. Auch einige als „schwierig” geltende Werke des Expressionisten Franz Marc oder ein plastisches Werk der Amerikanerin Lee Bontecou von 1959 wurden aus dem Depot wieder ans Tageslicht geholt.

Kaum wiedereröffnet, steht im September bereits mit der großen Beuys-Schau „Parallelprozess” bereits die erste Bewährungsprobe für das neue Haus an: Schon in drei Wochen beginnen die Aufbauarbeiten für die Retrospektive des Weltstars mit dem markanten Filzhut (bis 16.1.2011).
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert