Neue Kunstmesse: Schätzchen für das kleine Budget

Von: Eckhard Hoog
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In Hamburg startet am Donnerstag die zweite Ausgabe der „Affordable Art Fair“, der Messe für erschwingliche Kunst. In Maastricht gibt es ab 2014, vom 2. bis zum 6. April, einen Ableger. Foto: dpa

Maastricht/Hamburg. 106 Millionen Euro für ein Kunstwerk à la Francis Bacon – davon können Normalsterbliche nicht einmal träumen. Und auch die alljährliche Tefaf in Maastricht kann die Wünsche von Kunstfreunden mit durchschnittlichem Portemonnaie kaum erfüllen – Preziosen, Gemälde oder Skulpturen im vierstelligen Preisbereich sucht man hier mit der Lupe.

Doch ab 2014, unmittelbar im Anschluss an die bedeutendste Kunstmesse der Welt, kommt in Maastricht auch der Liebhaber mit eher bescheidenem Budget zum Zuge: auf der „Affordable Art Fair“ (AAF), einer Messe für erschwingliche Kunst.

Kein einziges Objekt wird mehr als 5000 Euro kosten, wenn die AAF vom 2. bis zum 6. April, gut anderthalb Wochen nach der Tefaf, ihre Pforten öffnet – allerdings nicht im teuer zu mietenden Kongresszentrum Mecc, sondern in der „Zimmerfabrik“. Das historische Fabrikgebäude wurde 1905 erbaut, gehörte zu dem Komplex der ehemaligen Keramikfabrik Sphinx und steht seit 1996 unter Denkmalschutz.

Das Kunstmessen-Modell für die schmalere Börse ist eine Erfolgsgeschichte des Londoner Galeristen Will Ramsay. Der gebürtige Schotte eröffnete 1996 an der Themse „Will‘s Art Warehouse“ und bot hier zumeist Werke von jungen, unbekannten Künstlern für kleine Preise an. Die Resonanz war derart groß, dass er mit befreundeten Galeristen 1999 die erste Affordable Art Fair in London aus der Taufe hob, die auf Anhieb 10.000 Besucher fand. Mittlerweile hat sich die Zahl der jährlich stattfindenden Messe auf 22.000 gesteigert, inzwischen gibt es zwölf internationale Ableger zwischen New York, Singapur, Brüssel und Mexiko-Stadt.

Am Donnerstag beginnt die nach 2012 zweite Ausgabe der Affordable Art Fair in Hamburg, in den Messehallen. Beim ersten Mal kamen bereits 13 500 Kunstfreunde. Bis Sonntag präsentieren 70 Galerien „erschwingliche“ Werke, unter anderem auch von so namhaften Künstlern wie Jonathan Meese, Otto Piene, Heinz Mack, Günther Uecker und Barbara McQueen.

Bis zu 5000 Euro

Die entscheidende Spielregel: Alle Angebote kosten zwischen 100 und 5000 Euro. Kunst zu demokratisieren und Schwellenängste abzubauen – das sind die erklärten Ziele. Messedirektor Oliver Lähndorf: „Die unglaubliche Resonanz hat uns überwältigt und bewiesen, dass unser Konzept ‚Kunst für alle‘ bei den Leuten ankommt. Wir sind überzeugt, dass sich die Hamburger Kunstszene in den nächsten Jahren massiv entwickeln wird.“ Weltweit verzeichnet die Affordable Art Fair bis jetzt gut eine Million Besucher.

Auch junge Künstler profitieren von dem Konzept: Sieben aufstrebende hansestädtische Kreative zeigen ihre Kunstwerke in einer eigens für sie eingerichteten Ausstellung, der Emerging Artist Exhibition, in den Hamburger Messehallen vor.

In Maastricht wird Sebastiaan van Kuijk, der Direktor der niederländischen Niederlassung der Affordable Art Fair, federführend sein, die bislang nur einen Ableger der Messe in den Niederlanden, in Amsterdam, betreibt. Er setzt auf ein internationales Käuferpublikum im Dreiländereck. In Amsterdam fand gerade die achte Ausgabe der Messe statt – 15.000 Besucher kamen. Die Veranstalter kümmern sich rege um die Interessen und Vorlieben der Kunstfreunde und befragen sie intensiv nach ihrem Käuferverhalten.

Die Galerien – eingeladen wurden bereits auch einige unter anderem aus Maastricht – profitieren gleichfalls vom Konzept der AFF – während sie ansonsten allenfalls bei Vernissagen Werke verkaufen, können sie in der Zimmerfabrik ihre Objekte über einen längeren Zeitraum anbieten und so auch neues Publikum gewinnen.

Und dann gibt es da in der Tat „Schnäppchen“, die selbst mit Namen der ansonsten unbezahlbaren Heroen der Szene verbunden sind: Eine Galerie aus Laren in der Nähe von Hilversum bot letztes Jahr auf der Affordable Art Fair in Amsterdam eine Grafik des britischen Künstlers Damien Hirst an. Preis: 2950 Euro. Hirst verkauft sonst eingelegte Haie – ab acht Millionen Dollar aufwärts.

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