Neue Ausstellung im Ludwig Forum: Trümmerreste einer Stadtseele

Von: eho
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Fotos von Architekturen aus Ch
Fotos von Architekturen aus China hat sie unterlegt mit Szenenbildern aus Fritz Langs Film von 1926, „Metropolis”, - bis zum 20. Januar 2013 zu sehen in der Ausstellung „Die Stadt, die es nicht gibt” im Aachener Ludwig Forum: die französische Künstlerin Maya Schweizer. Foto: Eckhard Hoog

Aachen. „Die Stadt, die es nicht gibt” - poetisch klingt der etwas rätselhaft wirkende Titel, den Brigitte Franzen ihrer neuen Ausstellung im Aachener Ludwig Forum gegeben hat.

Sie vereint dabei die Blicke von 20 Fotografen und Videokünstlern auf Orte, Räume und Architekturen auf der ganzen Welt, die überwiegend eines gemeinsam haben: Sie verdanken ihre spezifische Existenz und Erscheinung gravierenden gesellschaftlichen, sozialen oder historischen Umbruchsprozessen, mitunter von globaler Dimension.

Bestes Beispiel für die künstlerische Annäherung an das Phänomen: Maya Schweizer. Die gebürtige, 36-jährige Französin bereist, ausgerüstet mit Film- und Fotokamera, die Kontinente und findet dabei mit sicherem Gespür und dank präziser Beobachtung immer wieder Orte, die brennpunktartig historisch-gesellschaftliche Widersprüche in sich bergen.

2011 verbringt sie in der slowakischen Hauptstadt Bratislava ein paar Tage im Rahmen eines Stipendiums der Robert-Bosch-Stiftung und des Goethe-Instituts. Der wohl hässlichste Platz der ganzen Stadt, Rybné námestie (Fischplatz), am Ufer der Donau gelegen, übersät von Graffiti und abgerissenen Plakaten, wird für Maya Schweizer für drei Tage zum hochinteressanten Arbeitsplatz.

Platzbeherrschend: ein fünf Meter hoher Bronzekoloss aus Metallresten mit zerbrochenem Davidstern - ein 1997 errichtetes Holocaust-Denkmal des slowakischen Künstlers Milan Lukác zum Andenken an 70.000 deportierte und ermordete slowakische Juden. In der Nähe: eine Mauer mit den eingravierten Umrissen einer Synagoge, die an dieser Stelle bis 1969 gestanden hat und dem Neubau einer Donaubrücke zum Opfer fiel.

Eigentlich sollte die Synagoge, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, einmal ein jüdisches Museum werden. Doch die antijüdisch gesonnene kommunistische Regierung sorgte für den Abriss - und des umgebenden Altstadtviertels gleich mit. Dafür wurde die Brücke, im unteren Teil ein Ausbund an Hässlichkeit, 2001 zum „Bauwerk des Jahrhunderts” erklärt.

Das eigentümliche Architekturensemble vervollständigt der gotische St.-Martins-Dom - eine eingerüstete Dauerbaustelle, denn die jahrhundertealte Kathe-drale verkraftet die Vibrationen des Lkw-Verkehrs auf der Rampe der nahe gelegenen Brücke nicht mehr. Allesamt Trümmerreste einer an den Mächten zerbrochenen Stadtseele...

Mit Klängen unterlegt

In ruhigen Schwenks hat Maya Schweizer die Details abgefilmt, die Bilder mit Klangkompositionen unterlegt und in Kooperation mit dem Ludwig Forum eine subtile Videoarbeit produziert, die jetzt in der „Stadt, die es nicht gibt” - richtigerweise, „die es so eigentlich nicht geben dürfte”, zu sehen ist.

Maya Schweizer, die in Aix-en-Provence, Leipzig und Berlin studierte, und unter anderem im Pariser Centre Pompidou ausgestellt hat, lebt mit ihrem Mann, dem preisgekrönten Filmemacher Clemens von Wedemeyer, in Berlin. Beide präsentieren jetzt im Ludwig Forum auch ihre raumfüllende Installation aus Fotos, Dias, Film und Videos „Metropolis - Bericht über China”.

Ihre Aufnahmen von monströsen Architekturen in chinesischen Megastädten konfrontieren sie mit Szenen aus Fritz Langs Film „Me-tropolis” (1926) und montieren sie zum Teil auch übereinander - die politische Speerspitze der Botschaft ist nicht schwer zu verstehen: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Vision Fritz Langs von einer futuristischen Großstadt erscheint wie eine Vorwegnahme der Lebensbedingungen im heutigen System Chinas.

Die Eröffnung ist am Freitag um 20 Uhr

„Die Stadt, die es nicht gibt”, Ausstellung im Aachener Ludwig Forum, Jülicher Straße.

Eröffnung: Freitag um 20 Uhr.

Dauer: bis 20. Januar 2013

Geöffnet: Di., Mi., Fr. 12-18 Uhr, Do. 12-20 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.

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