Neubau der Oper wird und wird nicht fertig

Von: Constanze Schmidt und Madeleine Gullert
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Ab auf die andere Rheinseite: Weil die neue Kölner Oper nicht rechtzeitig im November fertig wurde, musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Das ist nun das Staatenhaus in Köln-Deutz. Den Namen erhielt das Haus nach einer internationalen Presseausstellung mit vielen teilnehmenden Staaten, die hier 1928 stattgefunden hatte. Foto: dpa
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Wer weiß, wie lange hier noch eine Baustelle ist? Oper und Schauspielhaus in der Kölner Innenstadt werden saniert, dabei gibt es Probleme. Foto: dpa

Köln. Daran werden sich die Kölner Opernfreunde gewöhnen müssen: weite Wege, eine Bühne ohne Orchestergraben und die Atmosphäre eines Provisoriums. Das Staatenhaus in Köln-Deutz, in den 1920er Jahren als Messehalle in einer ungewöhnlichen Halbrund-Architektur errichtet, wird nicht nur eine kurze Zwischenlösung für die Kölner Oper werden.

Die Oper wird derzeit saniert, wegen massiver Probleme bei den Bauarbeiten wurde sie aber nicht rechtzeitig zum November 2015 fertig. Die Premiere im neuen Haus: abgesagt. Und nun drohen neue Probleme. Das Ausweichquartier im Staatenhaus sollte ursprünglich nur zwei Jahre, bis 2017 genutzt werden. Einiges spricht im Moment dafür, dass es bis Mitte 2018 der Hauptspielort der Kölner Oper sein wird. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte dieses Datum genannt. Die Zeitung bezog sich dabei auf den Terminplan-Entwurf eines externen Projektsteuerers.

Dem widerspricht die Stadt Köln. „Es gibt noch keinen festen neuen Zeitplan“, sagte Stadtsprecherin Inge Schürmann. Man errechne zurzeit, wie es an der Opernbaustelle weitergehen wird. Die Stadt hatte vergangene Woche dem bisherigen Planungsunternehmen gekündigt. Das Ingenieurbüro war für die Planung der technischen Anlagen zuständig. Das Unternehmen sei verantwortlich für den abgesagten Eröffnungstermin, hieß es seitens der Stadt.

„Diese Arbeiten müssen wir jetzt erst noch neu ausschreiben.“ Ende Dezember könne man mehr über die kommenden Planungen sagen. Dass die Arbeiten auf der Baustelle länger dauern werden, steht aber fest.

Eigentlich wollte das Haus mit Hector Berlioz‘ monumentaler Künstleroper „Benvenuto Cellini“ unter der Leitung des neuen Generalmusikdirektors François-Xavier Roth triumphal in das sanierte Stammhaus am Offenbachplatz einziehen.

Dass daraus nichts würde, war im Juli für alle Beteiligten eine böse Überraschung. Denn Opernintendantin Birgit Meyer hatte die Verträge mit der bisherigen Ersatzspielstätte, dem Musical-Dome am Hauptbahnhof, bereits gekündigt. Nun sah sie sich mit der Tatsache konfrontiert, ohne Spielstätte in die längst geplante Spielzeit starten zu müssen.

Nach einigem Gezerre entschieden die Verantwortlichen, das Staatenhaus, das inzwischen von der Stadt bereits an einen Musical-Veranstalter verpachtet worden war, wieder zurückzumieten. Einige Parteien im Kölner Stadtrat bevorzugten das Coloneum als Ausweichspielstätte. Dort gebe es eine bessere Technik und mehr Plätze als im Staatenhaus.

Womit man im Staatenhaus nun die nächsten Jahre im Kölner Opernbetrieb zu rechnen hat, zeigte die Premiere von „Benvenuto Cellini“ in exemplarischer Weise: Das Staatenhaus bietet große, atmosphärisch reizvolle Räume, die aber alles andere als im Herzen der Stadt liegen – vom Bahnhof Deutz dauert der stramme Fußmarsch nahezu 15 Minuten und führt durch ungemütlich dunkle Straßen und einsame Unterführungen. In den geräumigen Hallen gibt es keinen Schnürboden, Kulissen müssen von der Seite hereingeschoben werden.

Orchestergraben fehlt

Auch ein Orchestergraben fehlt, der günstigste Spielort für den Klangkörper muss jeweils erst gefunden werden. Bei „Benvenuto Cellini“ ist das Gürzenich-Orchester weit hinter der ebenerdigen Spielfläche platziert, noch dazu teils verdeckt von Säulen. „Selbstverständlich ist die Anpassung der Produktion kompliziert, auch für das Orchester, für das wir eine geeignete Position finden mussten“, sagte Roth. „Es ist nicht so komfortabel wie bei einem Orchestergraben im Theater, aber wir sind jetzt gut im Raum positioniert. Ich habe auch einen guten Kontakt zu den Sängern.“

Zwar müssen einige Vorstellungen gestrichen werden, dennoch: Das Opernprogramm in der Stadt läuft. Anders sieht es jedoch beim Tanz aus. Eine eigene Compagnie hat Köln lange nicht mehr, aber stets holten die Bühnen renommierte Tanzgastspiele aus aller Welt in die Stadt. Zuletzt wurden die eben im Musical Dome gezeigt. Dort stimmen die für Tänzer notwendigen technischen und räumlichen Bedingungen.

„Für den Tanz gibt es kein Auswechquartier“, sagte Schürmann. Aus diesem Grund entfällt die „Nussknacker“-Aufführung des Ballet du Grad Théâtre de Genève in der Weihnachtszeit komplett. Für die anderen beiden großen Tanzgastspiele – das Nederlands Dans Theater 1 kommt im Juni 2016, das Ballet de Monte Carlo im Juli 2016 – muss die Kölner Oper ins Asyl, und zwar ins Forum Leverkusen.

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