Natur im Museum: Grüner Mooshügel verwirrt in Düsseldorf

Von: dpa
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Düsseldorf. Natur kommt ins Museum: Einen meterhohen und mit grünem Moos bewachsenen künstlichen Hügel hat der slowakische Konzeptkünstler Roman Ondák in der Dépendance der NRW-Kunstsammlung (K21) in Düsseldorf aufgeschüttet.

Auf dem Haufen thront einsam eine Bonsai-Korkeiche. Die Installation vor den hohen Fenstern des ehemaligen Ständehauses mit Blick auf den Kaiserteich bringt die gewohnten Perspektiven durcheinander. Der Betrachter fragt sich: Ist er drinnen oder draußen? Ist der grüne Hügel nah oder fern? Von Samstag bis zum 28. Mai ist der Mooshügel als Teil einer Installations-Trilogie Ondáks zu sehen - und zu riechen.

Der 45-jährige Ondák, Teilnehmer der Biennale in Venedig 2009, wurde durch seine subtilen Eingriffe in Alltagssituationen bekannt. Einmal organisierte er eine Warteschlange vor dem Kölner Kunstverein. Bei einer anderen Ondák-Aktion lernte ein Kleinkind in einer Galerie an der Hand seiner Mutter laufen. Ondák verwirrte auch damit, dass er Steckdosen und Lichtschalter zehn Zentimeter vor Wände baute. Der Mooshügel in Düsseldorf habe übrigens noch einen „Bruder” in Mexiko, verriet Ondák am Freitag.

Die interventionistische Kunst mit vergänglichen Aktionen habe eine reiche Tradition im Osteuropa vor der Wende, sagte Kurator Julian Heynen am Freitag. In den 60er Jahren seien kurze Aktionen im privaten Bereich oder auf der Straße, die die Künstler mit der Kamera festhielten, Ausdruck der im Sozialismus nichtkonformen Kunstauffassung gewesen.

In einem zweiten Raum der Düsseldorfer Schau mit dem Titel „Within Reach of Hand or Eye” (In Reichweite von Hand oder Auge) spielt Ondák mit Realität und Fiktion. Für eine Aktion, die er 2008 in Mittelamerika initiierte, hatte er Anwohner zu einem Steinewerfen am Panama-Kanal aufgerufen. Ein Archiv aus Videos, Zeichnungen, Landkarten und vermeintlich an Ondák nach Bratislava geschickte Postkarten aus Panama erinnern an die Aktion. Allerdings wird man bei den Adressen auf den Postkarten - „Panamská 9, Bratislava” - misstrauisch.

„Er pendelt zwischen Dokumentation und Fiktion”, erklärte Heynen. Die Autorschaft der Werke bleibe bei Ondák oft unklar. Noch absurder wird es im dritten Raum, wo das Baumaterial eines Satteldachs gelagert ist, das Ondák vergangenes Jahr in Originalgröße, aber mit dem First nach unten in einer Galerie in Italien aufgebaut hatte.

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