NAK zeigt kritische Kunst von Josephine Meckseper

Von: Eckhard Hoog
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Ihre kapitalismuskritischen Werke zeigt sie bis zum 25. Mai im Neuen Aachener Kunstverein: die Wahl-New-Yorkerin Josephine Meckseper, in den bedeutendsten Museen der Welt zu Hause. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nicht unbedingt eine Kunstvereins-typische Ausstellung präsentiert jetzt der Neue Aachener Kunstverein (NAK) mit einer Auswahl von Arbeiten der in New York lebenden deutschen Künstlerin Josephine Meckseper – was in diesem Fall alles andere als ein Nachteil ist.

Aufgewachsen in Worpswede als Spross einer alteingesessenen Künstlerfamilie, ausgebildet an der Hochschule der Künste in Berlin und am California Institute of the Arts in Valencia, Kalifornien, finden sich die Werke der 49-Jährigen nach Teilnahmen an zahlreichen internationalen Biennalen längst in den Sammlungen der bedeutendsten amerikanischen Museen. Eine Berühmtheit also, die „den ganz eigenen Charakter“ des NAK-Domizils im Aachener Stadtpark sehr schätzt, wie sie sagt.

Ein schnell zusammengeschnittenes Stakkato aus amerikanischen Auto-Werbespots rauscht über den Bildschirm eines Fernsehers. Akustisch knallhart befeuert werden die Bilder mit einem ohrenbetäubenden Trommelschlag und dem Gesang des Elektro-Musikers Boyd Rice. Sein Text: die Sportpalast-Rede von Joseph Goebbels, auf Englisch. Nebenan wirken aufgestellte Autoreifen vor einer Spiegelwand wie Zielscheiben, die nur darauf zu warten scheinen, dass man darauf schießt.

Josephine Meckseper treibt in ihrer Installation die Aggressivität der amerikanischen Werbewelt auf die Spitze. „Gewalt wird in den USA glorifiziert, keine Fernsehserie kommt ohne aus“, erzählt die Künstlerin. Ihre frappierende Feststellung: „Mit dem Beginn des Irak-Krieges ist auch die Werbung noch aggressiver geworden.“

Josephine Meckseper entlarvt in kritischer Absicht die Ästhetik der kapitalistischen Waren- und Werbewelt, die – zumal in den USA – ungeniert und propagandistisch militärische Symbole verwendet und auf eine weitgehend manipulierte, unkritische Gesellschaft trifft. Leni Riefenstahl lässt grüßen, wenn ein heldisch posierender, muskulöser Jüngling zum verheißungsvollen Kauf von „Athletic String“-Unterhosen verführt.

Die hohle Ästhetik hat die Zeiten überdauert, nur unter anderen Vorzeichen. Und die Kunst selbst lässt sich auf vielfältige Weise in dieser Warenwelt instrumentalisieren – ihre Objekte hängen wie billige, austauschbare Klamotten symbolisch auf Kleiderständern. In Vitrinen und Installationen stellt Josephine Meckseper mit viel Sinn für beißende Ironie die Verkäuflichkeit als Grundmoment eines Gesellschaftsprinzips aus.

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