NAK: Nur ja keine l’art pour l’art

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
Klare Vorstellungen: Die neue
Klare Vorstellungen: Die neue Direktorin des Neuen Aachener Kunstvereins (NAK), Dorothea Jendricke, gibt mit ihrem ersten Projekt heute ihr Debüt im Ausstellungshaus im Aachener Stadtpark. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Jung, dynamisch, gut ausgebildet”: So beschreibt Werner Dohmen, Vorsitzender des Neuen Aachener Kunstvereins (NAK), die Qualitäten der neuen NAK-Direktorin Dorothea Jendricke. Am Samstag gibt die gebürtige Thüringerin mit dem ersten Projekt ihr Debüt im Ausstellungshaus an der Passstraße, mitten im Aachener Stadtpark.

„Es war schwer, den Weizen vom Weizen zu trennen”, sagt Dohmen - froh, die „Richtige” aus jenem hochqualifizierten Kreis von rund 100 Personen ausgewählt zu haben, der sich nach dem Wechsel von Melanie Bono als stellvertretende Museumsdirektorin nach Münster um den offensichtlich hochbegehrten Posten beworben hatte. Auch ein Beweis dafür, dass der NAK als eine der ersten Adressen für zeitgenössische Kunst in Deutschland gilt.

Aus den Einzelgesprächen mit den verbliebenen letzten acht Bewerbern ging die Kuratorin, die zuletzt am Portikus in Frankfurt gearbeitet hat, schließlich als „Siegerin” hervor. Dohmen: „Sie ist polyglott, weltoffen, kann auf Menschen zugehen und ist vernetzt.” Und sehr sympathisch. Ihr Studium in Kunstgeschichte, Zeitgeschichte und Philosophie schloss sie 2003 an der Humboldt-Universität in Berlin ab.

Als Gastkuratorin setzte sie bislang Akzente unter anderem in Berlin, Malmö und New York. Was sie vor allem auch gereizt hat, nach Aachen zu gehen, ist die Lage der Stadt mitten im Herzen von Europa. Das traditionelle jährliche NAK-Projekt, im Rahmen seiner „Eurovision” künstlerische Positionen aus der euregionalen Nachbarschaft vorzustellen, dürfte damit bei ihr in besten Händen zu liegen, meint Werner Dohmen.

Als ihre „Monsteraufgabe” betrachtet Dorothea Jendricke, „wohlgesonnene, sympathische Sponsoren” zu finden und neue Mitglieder zu werben - bei einem jährlichen Gesamtbudget von 250.000 Euro und dem darin enthaltenen städtischen Zuschuss von 40.000 Euro ein wichtiges zentrales Aufgabengebiet für die junge Kunsthistorikerin.

Erste Akzente setzt Dorothea Jendricke, die ihr Augenmerk weniger auf l’art pour l’art denn auf gesellschaftliche Prozesse legen will, mit ihrem Gastkurator, dem sie die Aufgabe der ersten Ausstellung unter neuer Leitung übertragen hat: dem gebürtigen Waliser, in Glasgow und Oslo arbeitenden Kurator, Musiker und Autor Will Bradley. Kunst und sozialer Wandel, Kunst und Technologie - das sind die Themen, um die seine Präsentationen kreisen.

Eingeladen hat er zur Gruppenausstellung „Fragments of Machines” sechs Künstler aus Glasgow, Berlin, New York und Paris, die sich mit Malerei, Skulptur-, Textil- und Videoarbeiten den Beziehungen zwischen bestimmten Technologien und Lebensformen widmen: Tauba Auerbach, Claire Fontaine, Travis Meinolf, Craig Mulholland, Lillian Schwartz und Hayley Tompkins.

Besonders interessant dürfte dabei die Begegnung mit den Werken von Lillian Schwartz (Jahrgang 1927) sein, der amerikanischen Pionierin der Computerkunst. Erstmals in Deutschland wird dabei ihr zukunftsweisender computeranimierter 16-mm-Film „Googolplex” von 1972 gezeigt - afrikanische Stammesgesänge und pulsierende stroboskopische Bilder, ein außergewöhnlicher Kontrast.

Den Samstagabend prägt das Event. Nach der Eröffnung der Ausstellung „Fragments of Machines” um 20 Uhr im Haus an der Passstraße 29 steigt ab 23 Uhr eine Party mit dem Titel „Body Xerox”, bei der Fotokopierer als Discolichter eingesetzt werden. Die Ausstellung selbst ist bis zum 25. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr. Infos: 0241/503255.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert