NAK: Fiktiven Maler „Johannes” aufgebahrt

Von: Eckhard Hoog
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Ein Video der belgischen Küns
Ein Video der belgischen Künstler Jos De Gruyter und Harald Thys zeigt im NAK Ausschnitte aus dem Leben des fiktiven Malers Johannes - hier beobachtet von NAK-Mitarbeiterin Stephanie Seidel. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Maler Johannes, geboren 1947, gestorben 2010, liegt aufgebahrt im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) - wie Schneewittchen, in einem gläsernen Sarg. Wachzuküssen ist er leider nicht: Die Knochen machen einen ziemlich kantigen, metallischen Eindruck.

Dafür erzählt aber im ersten Obergeschoss das 20-minütige Video „Das Loch” der beiden belgischen Künstler Jos De Gruyter und Harald Thys einiges aus dem Leben des Verblichenen.

In Monologen und Dialogen computeranimierter Stimmen kommt heraus, dass Johannes sehr gläubig war und sein Kumpel Fritz ein Freund schneller Flitzer, der auf heißen Reifen stand - das alles zu Bildern und Szenen, in denen Johannes und Fritz nur als lebensgroße Puppen vorkommen.

Die neue Ausstellung, die die beiden Belgier zum ersten Mal in Deutschland präsentiert, bringt nach Meinung von NAK-Direktorin Dorothea Jendricke und ihrer Assistentin Stephanie Seidel auch die Sicht des Belgiers auf den deutschen Nachbarn zum Tragen, dem manches „Ding” in seiner Konsumwelt möglicherweise zum vergötterten Fetisch geworden ist. Beim Auto und seinen hochwichtigen Teilen mag das kaum zu bestreiten sein. Es kommen auch andere Beispiele vor . . .

Und so wird die Zelebrierung des Videos im teppichbedeckten Raum, der eine Art von Mausoleum geworden ist, zu einer skurril-homorvoll-gruseligen Gedenkfeier für den rein fiktiv ehemals existierenden Johannes. Am Ende läuten hinter Kirchenfenstern die Totenglocken.

Parallel zeigt die Kestnergesellschaft in Hannover die gleichfalls fiktive Farbtheorie des Johannes - Gott hab ihn selig!

Eröffnung (Passstraße 29): Samstag, 21. Mai, um 20 Uhr. Bis 18. Juni. Geöffnet: Di.-So. 14-18 Uhr.

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