Musiktheater: „Gold!“ im Mörgens berührt Jung und Alt

Von: Sarah Sillius
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Glitschige Umarmung: Jacob (Patricio Arroyo) rettet einem Fisch (Javier Ojeda Hernandez) das Leben. Foto: Marie-Luise Manthei
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An ihrem Herzen nagt das Böse: Flora (Suzanne Jerosme, l.) und Miles (Eva Marie Gemeinhardt).

Aachen. Mit den Armen eine hastige Welle formen und einem schillernden Fisch beim Tanzen zusehen: Bei der Premiere von „Gold!“ wurden die kleinen und großen Zuschauer im Mörgens selbst Teil der Geschichte. In dem Stück von Leonard Evers reisen sie zu einem geheimnisvollen Platz am Meer, an dem Musik, Theater und Tanz eins werden.

Die Geschichte basiert auf dem Grimm’schen Märchen vom Fischer und seiner Frau, aber ist aus der Sicht des kleinen Jacob erzählt. Der Junge (Patricio Arroyo) lebt mit seiner Mutter (Marie Sophie Richter) in bitterer Armut. Die beiden haben nichts außer sich und dem Meer.

Eines Tages rettet Jacob einem Fisch (Javier Ojeda Hernandez) das Leben – und hat dafür einen Wunsch frei. Er entscheidet sich für etwas, das er besonders dringend braucht: ein Paar Schuhe. Doch schnell steigert sich seine Mutter in ihre Sehnsucht nach mehr Wohlstand hinein. Ihre Forderungen an den Fisch werden immer größer – und Jacob lässt sich von ihrer Gier anstecken. Aber machen Wohlstand und Besitz wirklich glücklich? Oder sind es ganz andere Reichtümer, die das Leben bereichern?

Regisseurin Ulla Theißen und der musikalische Leiter Mathis Groß überlassen dem jungen Pu-blikum mit ihrer poetischen Inszenierung viel Raum für die eigene Vorstellungskraft. Aber nicht nur der Fisch wirkt täuschend echt, wenn er mit ruckartigen Bewegungen durch eine blaue Gardine hüpft. Das Bühnenbild ist schlicht, und dennoch lassen sich die angedeuteten Orte mit etwas Fantasie gut nachempfinden: Wenn Jacob mit einem lauten „Autsch!“ über den Boden stakst, ist ein mit spitzen Muscheln bedeckter Meeresstrand zu erahnen. Und wenn er bei bunt-flirrendem Licht mit einem Lollipop auf dem Boden sitzt, dann ist es so, als sei er mitten in einem Vergnügungspark verloren gegangen.

Phillip Stirenberg und Tong Jiang sorgen mit viel Percussion für die passende Atmosphäre. Die Zuschauer können hören und zusehen, wie sie mit Marimbafon, Vibrafon, Glocken, Holzkisten, Trommeln oder Donnerblechen eine fröhliche Stimmung oder eine bedrohliche Kulisse erzeugen. Zwischendurch steigen die Musiker als Statisten in die Handlung ein: mal mit einer Enten-Maske, mal mit einer Weltkugel auf dem Kopf (Bühne und Kostüme: Jamil Sumiri).

Die Inszenierung kommt so mit vier Personen aus. Sopranistin Marie Sophie Richter leiht nicht nur der Mutter ihre Stimme. Als Erzählerin nimmt sie zwischen den Zuschauern Platz und animiert sie dazu, das Meeresgeräusch mitzugestalten. Die rund einstündige Produktion bleibt so immer in Bewegung und in enger Interaktion mit dem Publikum, das sich mit Jacob auf die Suche nach dem Glück begibt. Viel Applaus für dieses liebevoll erzählte Märchen, das Jung und Alt gleichermaßen berührt.

Weitere Aufführungen von „Gold!“ sind im Mörgens des Aachener Theaters, Hubertusstraße 2-8, für alle ab sieben Jahren zu erleben: am 16. Juni, 11 und 18 Uhr, am 23. und 24. Juni, 11 Uhr, und am 4. Juli, 17 Uhr. Im Herbst soll es weitere Vorstellungen geben.

Karten gibt es beim Kundenservice des Medienhauses Zeitungsverlag Aachen.

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