Musikkritiker Alfred Beaujean wird 95 Jahre alt

Von: Sabine Rother
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Alfred Beaujean feiert am Freitag seinen 95. Geburtstag. Mit großem Interesse verfolgt er bis heute die Musikszene. Foto: Stephan Rauh

Aachen. „Nein, einfach mal nach Maastricht wandern wie früher, das geht nicht mehr“, sagt Alfred Beaujean. „Aber vier Stunden lang durch den Wald, das ist auch schön.“ Auf der Terrasse fliegen die Amseln ungestört die Vogeltränke an. Der Garten ist für ihn und Ehefrau Agnes, mit der ihn 70 Ehejahre – die „Gnadenhochzeit“ – verbinden, eine Oase. Am Freitag feiert Alfred Beaujean 95. Geburtstag.

Seit 1962 schreibt er Opern- und Konzertkritiken für unsere Zeitung – mit Leidenschaft und spitzer Feder. „Ich habe zugesagt, als ich wusste, dass ich wirklich schreiben kann, was ich denke“, lächelt er rückblickend. Musikalisch ist für ihn spannend, was sein analytisches Zuhören fordert – zum Beispiel die Werke der Moderne.

„Ich finde gern heraus, wie jemand etwas strukturiert, was er damit erreichen will, ob er ein Blender ist oder etwas kann“, sagt Beaujean. Er wollte einmal Kirchenmusik studieren, aber dann kam der Krieg. Heimgekehrt ging er zur Bauverwaltung der Stadt Aachen. Klassische Musik begeistert ihn, seit er denken kann. „Ich habe mich in der Nazi-Zeit einmal zu Hause im Bad eingeschlossen, um heimlich ein von Toscanini in London dirigiertes Brahms-Konzert zu hören“, erinnert er sich. Rundfunkbeiträge interessieren ihn noch immer mehr als das Fernsehprogramm.

Selbst als Stadtamtmann verzichtete er nicht auf die kritische Auseinandersetzung mit Werken und deren Aufführungspraxis. In-spiration fand Beaujean in der Natur, speziell bei Touren im Hochgebirge. „Die Viertausender haben mich fasziniert, Mont Blanc, Monte Rosa oder der Dom in der Schweiz, großartig.“ Konzerte und Opern, die er besucht hat, kann er kaum zählen, fünf Mal war der einstige Aachener Domsingschüler in Bayreuth, rund 60 Mal in der Kölner Philharmonie, mehrfach in Salzburg.

Aachens Generalmusikdirektoren hat er aufmerksam begleitet. Mit Gabriel Chmura, der 1974 Deutschlands jüngster GMD in Aachen wurde, pflegt er herzlichen Kontakt. Tausende Schallplatten und CDs sind im Keller ordentlich aufgereiht. Mit einigen Großen der Musikszene verband ihn Freundschaft – so etwa mit Dirigent Günter Wand. Als er dessen Bruckner-Aufnahme rezensiert hatte, rief Wand ihn an und betonte: „Ich bedanke mich nicht für das Lob, sondern weil Sie mich verstanden haben“, ein Ritterschlag für den Kritiker.

Was er sich für Aachen wünscht? „Endlich einen Konzertsaal!“ Und am Freitag wird gefeiert. Die vier Söhne mit ihren Familien reisen an, darunter fünf Enkel und ein Urenkel. „Und der zweite kommt demnächst“, freut er sich.

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