Musikalisches Puzzle mit Opern-Flair in St. Michael

Von: Pedro Obiera
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In der Aachener Kirche St. Michael erklang Leoncavallos rekonstruiertes Requiem. Foto: A. Herrmann

Aachen. Mit großer Spannung erwartete das Publikum in der voll besetzten Kirche St. Michael die Uraufführung einer rekonstruierten Fassung des „Requiems“ von Ruggiero Leoncavallo, die den Schöpfer des „Bajazzo“ von einer unbekannten Seite zeigen sollte.

Dass Jósef Ács der aufwändigen Aufführung entgegenfieberte, ist verständlich. Er vervollständigte die rudimentären Quellen zu einem stattlichen, 50-minütigen Gesamtkunstwerk für großen Chor, Orchester und drei Solisten. Ob das Werk tatsächlich die Anerkennung als „bedeutendstes italienisches Requiem nach Verdi“ finden wird, wie Ács hofft, wird sich zeigen.

Auf jeden Fall hat er viel Einfühlungsvermögen und handwerkliches Geschick bei der Zusammensetzung des musikalischen Puzzles bewiesen. Da außer dem Introitus, dem Kyrie, dem Benedictus und einer Seite des „Dies Irae“ keine originale Note vorliegt, machte sich Ács in den späten, weitgehend unbekannten Opern Leoncavallos auf die Suche nach geeigneten Passagen. Dass das Ergebnis vielfach opernhaft wirkt und starke Kontraste zu den eher schlicht gehaltenen Originalteilen aufwirft, verwundert nicht.

Ein Eindruck, der durch die Interpretation von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah noch unterstrichen wird. Das Theater Aachen scheute keine Mühen für eine würdige Uraufführung. Mit dem Einsatz des Opernchors und des Sinfonischen Chors, des Sinfonieorchesters sowie dreier Solisten aus dem Opernensemble hat man getan, was möglich war. Abdullah unterstrich die dramatischen Impulse und entfaltete ein üppiges Klangbild, das allerdings auf Kosten der Piano-Kultur ging. Die Solisten hatten teilweise Mühe, sich gegen das dominante Orchester durchzusetzen und der Chor steigerte sich in dynamische Extreme, ohne sie durch zartere Kontrapunkte auszugleichen.

Am wenigstens beeindruckt von der übermächtigen Klangkulisse zeigte sich der überaus präsente und doch sehr fein phrasierende Bariton Hrólfur Saemundsson, während der an sich wohlklingende Tenor von Louis Kim bisweilen in Bedrängnis geriet. Irina Popova hatte mit ihrem durchsetzungsstarken Sopran zwar keine Probleme, sich Gehör zu verschaffen, ließ es aber an Subtilität vermissen. Begeisterter Beifall für alle Mitwirkenden.

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