Musikalische Glanzstunden der Oper in Lüttich

Von: Pedro Obiera
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Stimmungsvolles Bühnenbild: Puccinis erster Opern-Welterfolg „Manon Lescaut“ hatte jetzt eine begeistert aufgenommene Premiere an der Oper Lüttich. Foto: Lorraine Wauters – Opéra Royal de Wallonie

Lüttich. Die Saisoneröffnung der Lütticher Oper mit Giacomo Puccinis erstem Welterfolg „Manon Lescaut“ steht ganz im Zeichen der neuen Musikchefin Speranza Scappucci. Die temperamentvolle Römerin hat schon im Frühjahr mit einer eindrucksvollen Produktion von Verdis Rarität „Jérusalem“ bewiesen, wie gut sie sich im italienischen Fach auskennt und wie souverän sie ihre Vorstellungen umsetzen kann.

Auch wenn sie sich nicht auf die italienische Oper festnageln lassen möchte, kommt sie mit ihrer Mentalität und ihrer Erfahrung den Vorstellungen des Lütticher Intendanten Stefano Mazzonis di Pralafera besonders glücklich entgegen. Dessen Herz schlägt voll und ganz für die Oper seines Heimatlandes und wenn er auch als Regisseur nicht mehr als konventionelle Hausmannskost einfahren kann, zeigt er für die Besetzung der anspruchsvollen Stücke stets ein glückliches Händchen.

Dramatische Impulse

Das ist auch in der neuen Manon-Produktion nicht anders. Zunächst Speranza Scappucci: Sie hält die Fäden auch in den komplexesten Ensemble- und Chorszenen fest in der Hand, setzt in den etwas langatmigen Genreszenen der ersten beiden Akte auf straffe Tempi und lässt in den emotionsstarken Szenen dramatische Impulse wie lyrischen Schmelz gleichermaßen zu ihrem Recht kommen.

Den für sentimentale Entgleisungen anfälligen Schlussakt dirigiert sie sensibel und mit feiner Leuchtkraft. Dass sie, selten genug im Opernalltag, Rücksicht auf die Sänger nimmt, die sich erfreulich frei entfalten können, rundet den hervorragenden Gesamteindruck ab.

Beste Voraussetzungen auch für die zweite Produktion unter Leitung der jungen Dirigentin mit Bizets „Carmen“ im kommenden Frühjahr.

Über die Inszenierung des Hausherrn ist nicht viel zu sagen. Stefano Mazzonis di Pralafera kennt das Stück und liebt es auch. Das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den von Puccini und seinen Librettisten alles andere als eindimensional gezeichneten Figuren arbeitet er detailgenau aus und hält sich strikt an die szenischen Vorgaben. Das alles präsentiert sich in ebenso werkadäquaten, in der Handlungszeit des 18. Jahrhunderts belassenen Dekorationen von Jean-Guy Lecat.

Umso mehr Bedeutung kommt den Sängern zu. Und da vermag Anna Pirozzi in der Titelrolle über weite Strecken mit schwerelos zarten und gleichwohl substanzreichen Tönen und edlen Gesanglinien zu verwöhnen, auch wenn sich ihre Stimme in den Höhen verhärtet. Der Tenor von Marcello Giordani verfügt über den nötigen metallischen Glanz.

Er bewältigt damit selbst die unbequemsten Spitzentöne, wenn auch nicht ohne Anstrengung. Stimmlich blasser wirken Ionut Pascu als Lescaut und Marcel Vanaud als Geronte. Vorzüglich gelingt der kleine, aber feine Auftritt des Nachwuchstalents Alexis Yerna als „Musico“. Eine musikalisch hochwertige und szenisch gediegene Produktion, die das Premierenpublikum mit Begeisterung goutierte.

Die nächsten Aufführungen im Opernhaus Lüttich: am 22., 24., 28. und 30. September.

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