Musikalische Gestaltungskraft: Eliades Ochoa auf Wilhelmstein

Von: Sabine Rother
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Wo die Leidenschaft brennt: Eliades Ochoa bei seinem Auftritt auf Burg Wilhelmstein. Foto: Stephan Rauh

Würselen. Timba, Salsa Cubana, Son, Leidenschaft, Liebe, Sehnsucht, kubanische Lebensfreude, gepaart mit Melancholie: Mit Eliades Ochoa steht Weltmusik-Geschichte auf der Bühne der Burg Wilhelmstein. Ochoa, Jahrgang 1946, gehört zu den jüngsten Akteuren des Buena Vista Social Clubs.

Ganz in Schwarz betritt er die Bühne, natürlich mit Cowboyhut, seinem Markenzeichen. Seine Gitarre ist eine Spezialanfertigung aus der traditionellen „Tres“ und einer modernen Akustik-Gitarre. Meist hält er sie auf Herzhöhe, dort, wo die Leidenschaft brennt.

Mit den ersten Takten wird bereits klar, dass dieser Musiker keine Show braucht. Er beginnt mit „Lagrimas Negras“, dann sein Lied an den Mond, „A La Luna Yo Me Voy”. Zu Anfang kommt die Musik etwas metallisch-laut aus den Lautsprechern. Mit der Zeit passen sich Sänger und Ensemble jedoch an, Ochoa wird dominanter und ausdrucksstärker in seinen Interpretationen. Er improvisiert, spielt mit den Motiven, lenkt sie in die unterschiedlichsten Höhen und Tiefen, um dann wieder zum vielfach schlicht klingenden Ursprung zurückzukehren. Das ist musikalische Gestaltungskraft vom Feinsten.

Und zwischendurch wird geplaudert. Wer allerdings kein Spanisch versteht, kann nur ahnen, was er mein: Dass er sich im Gemäuer der deutschen Burgruine gut fühlt, dass er dem Buena Vista Social Club dankbar ist – und dass Musik sein Leben bedeutet. „Chan Chan”, das Liebeslied mit den markanten Einstiegstakten, kennen die meisten im Publikum, „El Cuarto de Tula”, den frechen Song über eine gewisse Dame Tula, die leichtfertig eine Kerze hat brennen lassen, interpretiert Ochoa mit hintergründigem Humor.

Mit seinem Sohn Eglis (Maracas, Güiro), dem aufmerksamen Bassisten Fino Lazaro Rivero, dem virtuosen Pianisten Geovamis Alcantara und Jorge Maturell an den Bongos und Congas hat er erfahrene, stimmkräftige und intuitive Musiker an seiner Seite.

90 Minuten ohne Pause dauert das Konzert, das Publikum ist längst aufgestanden, man tanzt vor der Bühne. „Daumen hoch” bei Eliades Ochoa, er dankt dem Publikum, seiner „Familia”, mit dem gefühlvollen und für Kubaner zugleich politischen Lied: „Guantanamera”. Der Text entstammt einem Gedichtzyklus’ des Nationalhelden José Martí.

Das ist ein Bekenntnis zur Heimat – und großartige, sonnendurchglühte Musik.

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