Aachen - Musikalisch auf dem Gipfel

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Musikalisch auf dem Gipfel

Von: Alfred Beaujean
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Grandios: Pianist Lars Vogt un
Grandios: Pianist Lars Vogt und das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Marcus R. Bosch beim 8. Sinfoniekonzert. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Wenn ich in dieser Partitur lese, glaube ich das Bedürfnis zu haben, mir anschließend die Hände zu waschen.” Das sagte Mendelssohn über die Symphonie Fantastique von Hector Berlioz. Er stand mit diesem Urteil nicht alleine, war es doch noch im späten 19. Jahrhundert gelegentlich üblich, das dämonische Hexensabbath-Finale zu streichen, da man glaubte, es dem braven Bürger-Publikum nicht zumuten zu können.

Die Zeiten haben sich geändert, der symphonische Geniestreich des 26-jährigen Berlioz ist längst Repertoire, ein Muss für alle ehrgeizigen Dirigenten, also auch für Marcus R. Bosch, der die erfolgreiche Spielzeit 2009/2010 damit beschloss, einem Werk, das nur drei Jahre nach Beethovens Tod die Musik revolutionierte.

Mag es nach dem Schock der Turangalila-Symphonie Messiaens heute relativ harmlos erscheinen, so hat es doch nichts von seiner hypnotischen Sprengkraft verloren. Erstaunlich, dass es innerhalb er städtischen Abonnementskonzerte seit Jahrzehnten nicht mehr erklungen ist, genau seit 1983, als der Chmura-Nachfolger Yoram David sich mit seiner Aufführung. den Aachener Chefposten sicherte.

Aus dem Vollen geschöpft

Auch da haben sich die Zeiten geändert: Das Sinfonieorchester Aachen ist qualitativ um einiges gewachsen. Bosch kann heute spieltechnisch aus dem Vollen schöpfen und ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen.

Was die Leistung des großbesetzten Orchesters angeht, so war die Aufführung fulminant in ihrer Spannungsdichte, ihrem Ausreizen der raffinierten Klangmixturen. ihrer Klangpräsenz. Dass der Szene auf dem Lande gelegentlich ein wenig die Luft ausging, dass dem Hexensabbath bei aller Detailraffinesse der mitreißenden Dämonie entbehrte, mindert den Rang des Ganzen nicht. Der Beifall war enthusiastisch.

Lars Vogt, der Solist des Abends, hatte quasi ein Heimspiel. Er ist nicht der Typ des Tastendonnerers, das zeigte bereits seine Darstellung von Liszts h-Moll-Sonate im Krönungssaal. Auch Beethovens letztes Klavierkonzert in Es-Dur geht er nicht von der Seite des „Heroischen” an. Bei allem zupackenden Impetus, an dem es dort, wo es sein muss, nicht mangelt, legt er seine Bewältigung dieses pianistischen Mount Everest auf größtmögliche Differenzierung des Klanglichen und Dynamischen hin an, eine klassisch-beherrschte, dabei großzügige Beethoven-Darstellung, die dennoch ihre schönsten Momente in den herrlich ausgesungenen lyrischen Passagen fand.

Dementsprechend die Zugabe: ein wunderschön-poetisch hingezauberter Brahms-Walzer. Boschs Orchester-Assistenz ließ im ersten Satz mit den herausgellenden Trompeten zu wünschen übrig. Umso schöner seine einfühlsame Begleitung des Mittelsatzes. Ein schöner Saison-Abschluss.
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