Musik mit Gefühl und Botschaft: Reinhard Mey verzaubert Publikum

Von: Bernd Büttgens
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Bunt gesinnt im schwarzen Hemd
Bunt gesinnt im schwarzen Hemd: ein Mann, eine Gitarre, eine Stimme - Reinhard Mey. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. So sagen das die jungen Leute heute, wenn sie dem oder der Liebsten etwas Schönes per SMS mitteilen wollen: „I <3 U”. Das Kleiner als-Zeichen und die 3 ergeben auf dem Display ein Herz, das für die Liebe steht, das I heißt Ich, das U heißt You, also Dich - fertig ist die feurige Botschaft.

Reinhard Mey erzählt das mit einem Lächeln, dem das Lachen des Publikums folgt, nachdem er gerade in seinem reichhaltigen Fundus gekramt und das stürmische „Herbstgewitter über den Dächern” hervorgekramt hat: „Heute ist das Leidenschaft auf engstem Raum, ich beneide die jungen Leute darum. Wir mussten damals noch solch ellenlange Lieder schreiben, um der Liebsten zu gefallen.”

Sein Publikum ist ihm dankbar dafür. Und doch, ein bisschen ist der Liedermacher, den nicht wenige als den ungekrönten König des Genres bezeichnen, aus der Zeit gefallen. Dass er gerade deswegen unbedingt unter Artenschutz gestellt werden sollte, diese Forderung würden seine Fans, die ihn am Sonntagabend im ausverkauften Aachener Eurogress frenetisch bejubelten, direkt unterschreiben.

Wie ein guter Freund, der nach drei Jahren wieder heimkehrt, wird Mey in Aachen begrüßt, wo im Tonstudio von Manfred Leuchter seit vielen Jahren das fein ziselierte Wort- und Musikwerk des Liedermachers auf die jeweils aktuelle CD gebracht wird. Da vorne steht, jugendlich wie eh und je, im schwarzen Seidenhemd, in Jeans und so bunt gesinnt, ein alter Freund. „45 Jahre habe ich geübt, damit ich hier heute Abend singen kann”, schmeichelt er sich in die Herzen der Fans.

Man könnte sagen, nichts Neues von Mey, das Konzert, wie man es kennt: ein Mann, eine Gitarre, eine Stimme, fulminante Texte und gefühlvoll gezupfte Begleitmusik. Aber das wäre freilich zu kurz gesprungen, weil Reinhard Mey immer noch so viel zu sagen hat. Er macht das mit seinen wortgewaltigen Liedern, die die Zuhörer abholen und auf die Kostbarkeiten des Alltags, das charmant Menschliche, die Marotten, die Ärgernisse, aber auch auf die viel zu oft verborgenen Schätze des zärtlichen, des höflichen, des liebevollen Miteinanders hinweisen. Ab und an lässt man sich gerne daran erinnern, dass man die Welt auch aus einer anderen Perspektive betrachten kann.

Der politische Mey tritt - abgesehen vom zornigen Appell „Sei wachsam” und der „Eisenbahnballade” - hinter dem humorvollen, vor allem aber hinter dem melancholischen, in den Tiefen seiner Seele und der Erinnerung stöbernden Chansonnier zurück. So ist das aktuelle Album „Mairegen” angelegt, egal ob der Titelsong oder „Drachenblut”, egal ob „Antje” oder die Ode an das gute alte „Butterbrot”. So ist Reinhard Mey auch unterwegs, wenn er ins Repertoire greift, vom „Bunten Hund” singt, der lieben, guten Fee in Dankbarkeit für alles, was nicht geklappt hat, ein Ständchen bringt oder sich wünscht, dass es noch einmal „Viertel vor Sieben” wäre.

Sein Publikum hört ihn mit aufrichtiger Begeisterung, hört ihm zu, feiert ihn - den Mutmacher, den Freiheitskämpfer. Mey hat seinen Fans etwas zu sagen, weil er aufmerksam beobachtet und analysiert und als Liebhaber der Sprache seine Gedanken traumwandlerisch sicher und virtuos zu formulieren weiß. In eine SMS passen seine Botschaften nicht.

Am Ende - Höhepunkt jedes Aachen-Konzerts - kommt Manfred Leuchter mit seinem Akkordeon zur Zugabe auf die Bühne. „Gute Nacht, Freunde!”

62 Konzerte in drei Monaten

Der Berliner Liedermacher Reinhard Mey (68) hat seit seinem Debüt „Ich wollte wie Orpheus singen” (1967) mehr als 500 Songs veröffentlicht. Das letzte Werk erschien 2010 unter dem Titel „Mairegen”.

Derzeit ist Mey wieder auf Tournee. 62 Konzerte stehen von September bis November auf dem Programm. In diesen Tagen steht der Dauerläufer Mey jeden Abend in einer anderen Stadt auf der Bühne.

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