Musical „Bodyguard“: Eine strahlende Diva auf Nebelwolken

Von: Susanne Schramm
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Großer Erfolg: Patricia Meeden, bekannt durch die Casting-Show „The Voice of Germany“, steht in der Rolle der Rachel Marron im Mittelpunkt bei der Deutschlandpremiere des Musicals „Bodyguard“ im Kölner Musical Dome. Foto: Thomas Brill.

Köln. Am Ende steigt Rachel (Patricia Meeden) gen Himmel auf. Umwogt von Nebelwolken wird sie auf einem Podest empor gefahren. Schlank, stolz und wunderschön, gekleidet in einem Traum aus Pailletten, Spitzen und unzähligen Swarowski-Glitzersteinchen singt sie „I will always love you.“

Die letzte Szene des Musicals „Bodyguard“ ist in mehrfacher Hinsicht ein Triumph. Für Meeden, die durch die Casting-Show „The Voice of Germany“ bekannt wurde, erfüllt sich ein Mädchentraum („Seit ich Whitney Houston zum ersten Mal gehört habe, wollte ich Sängerin werden.“).

Für die Produzenten der deutschen Fassung des Musicals „Bodyguard“ zeigt sich, dass sie alles richtig gemacht haben. Und für die Zuschauer im Musical Dome schließt sich ein Kreis. Der 1992 im Kino, mit dem gleichnamigen Film mit Whitney Houston und Kevin Costner begann, und nun, 23 Jahre später, in Gerührtheit, Entzücken und Jubel kulminiert.

Niemals langweilig

Knapp zweieinhalb Stunden (mit Pause) dauert es, die Geschichte der Soul-Diva Rachel Marron und ihres Leibwächters Frank Farmer (Jürgen Fischer), denen trotz ihrer großen Liebe kein Happy End beschieden ist, von der Leinwand auf die Bühne zu transponieren. Und keine Sekunde ist langweilig.

Die großartige Hommage an Whitney Houston (1963-2012) mit 16 ihrer Hits überzeugt mit tollen Showszenen und Momenten, in denen man nach dem Taschentuch tastet. Dramaturgisch spannend: die Einspielungen des Stalkers (Tom Viehöfer), der eine mörderische Obsession für die gefeierte Sängerin entwickelt.

Aufgrund dieser Bedrohung wird der Bodyguard überhaupt erst engagiert. Auf den Auftrag reagiert er ähnlich widerwillig wie sein Schützling. Wie sich beide bekriegen, um dann einander doch näher zu kommen – unter anderem in einer Karaoke-Bar, wo Frank eine hinreißend grottige Version von „I will always love you“ zum Besten gibt, das hat Verve, Komik und ganz viel Charme.

Meeden absolviert ihre Hauptrolle, tänzerisch, gesanglich und darstellerisch, mit Bravour. Ihre Rachel versteht es, zu changieren. Eben noch der Weltstar mit 25 Millionen verkauften Tonträgern, zwölf Nummer Eins-Hits und sechs Grammys, dann ein verängstigtes Mädchen mit einem zehnjährigen Sohn.

Fischer erinnert an Daniel Craig

Im Schauspieler Jürgen Fischer, der an Daniel Craig erinnert, hat sie einen wunderbaren Partner. Harte Schale, weicher Kern. Und so männlich! Besonderer Publikumsliebling: Lamin T. als Rachels Sohn Fletcher, der in dieser Rolle nicht nur lieb gucken und frech sein darf, sondern auch tanzen und singen. Allerdings wird Fletcher insgesamt von sieben alternierenden Nachwuchstalenten verkörpert. Die dafür aber allesamt eine besondere Ausbildung durchlaufen haben. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass die anderen Jungstars schlechter sind.

Starke Konkurrenz für Meeden: Tertia Botha als Rachels Schwester Nicki. Ihr „Saving all my Love“ ist phänomenal.

Alexander Dinelarias, der Schreiber der Bühnenfassung, die zwei Jahre im Londoner Westend Furore machte, ehe sie in England auf Tour ging, um nun ihre Deutschlandpremiere in Köln zu erleben, hat die Rolle der Nicki erweitert. Sie darf jetzt nicht nur singen, sondern gerät auch in einen starken emotionalen Konflikt mit der Schwester. Beide lieben den gleichen Mann. Durch den Stalker wird daraus eine Vierer-Verkettung, die auch szenisch sehr wirkungsvoll umgesetzt wird.

Insgesamt ist der Stoff der Neuzeit angepasst worden: Anfang der 1990er, als der Mix aus Krimi, Lovestory und Musikfilm in den Kinos lief, waren weder Handys noch E-Mails gebräuchlich. Ein fantastisches Ensemble, ein aufwendiges Bühnenbild, sieben hervorragende Bandmusiker, die LED-Video- und Lightshow und Standing Ovations beim Finale lassen nur den einen Schluss zu: Hingehen, schwelgen und mitsingen.

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