„Music Lab III“: Zauber von Klang, Text und Licht

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
14318541.jpg
Ein außergewöhnliches Konzert gab das Sinfonieorchester Aachen in der Aula der RWTH: Im ersten Teil glich es einem Poetry Slam. Das Publikum stimmte über vorgetragene Texte ab. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Music Lab III“: Zum dritten Mal begab sich das Sinfonieorchester Aachen in die hochwissenschaftlichen Gefilde der RWTH. Diesmal trat die Philosophische Fakultät aus ihrem Schattendasein heraus. Und dass sich unter dem Dekanat der Architektur nicht nur Häuserbauer tummeln, sondern auch Lehrstühle für Plastik und Bildnerische Gestaltung, dürfte selbst noch den ein oder anderen Alt-Aachener überraschen.

Was die Studenten der betroffenen Abteilungen mit den Aachener Sinfonikern in der voll besetzten Aula zauberten, das begeisterte das junge Publikum nicht nur durch die abwechslungsreiche Vielfalt und die musikalische Qualität, sondern auch durch die fantasievolle Kreativität der Ergebnisse. Der experimentelle Charakter solcher Projekte bringt natürlich Risiken mit sich, auf die sich alle Beteiligten jedoch wagemutig einließen.

„Formen und Farben“, so das Motto des langen Abends, spielten bei den Beiträgen der Philosophen im ersten Teil nur eine untergeordnete Rolle. Unter der musikalischen Leitung von Mathis Groß mangelte es zwar nicht an klanglichen Farben. Seinen Pfiff erhielt der Teil durch die Verknüpfung der Musik mit fünf selbst verfassten Texten von Mitgliedern des ChaosLeseClubs, über die das Publikum in Form eines Poetry Slams abstimmen konnte.

Die fünf Autoren sprachen ihre Texte überwiegend zu Live-Musiken. Und zwar sehr unterschiedlich, was die Verbindung mit Stimmung, Klang und Rhythmus angeht. Keine leichte Aufgabe. So klafften das hektische Sprechtempo des Rezitators und die getragenen Klänge von Samuel Barbers berühmtem Adagio recht asynchron auseinander. Besser traf Oscar Malinowski, der Sieger des Wettbewerbs, Ton, Tempo und Rhythmus zu einem Ausschnitt aus Strawinskys „Feuervogel“.

Das Auge kam nach der Pause zu seinem Recht. 220 Studenten des Lehrstuhls für Plastik kreierten fünf Schwarzlichtperformances zu den „Five Klee Pictures“ von Peter Maxwell Davies, also fünf kurzen Orchesterskizzen zu ausgesuchten Bildern von Paul Klee. Entstanden sind abstrakte, eng mit der Musik, aber auch mit den Bildern verknüpfte Filmsequenzen, die jeweils Flächen, Farben oder Lichteffekte auf unterschiedliche Weise reflektieren. Ergänzt durch ab-strakte Tanzeinlagen von Marika Meoli, unter anderem in einem aufwendig fantasievollen „Feuervogel“-Kostüm.

Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, der den zweiten Teil des Abends leitete, beschloss das offizielle Programm mit dem minimalistisch angehauchten Orchesterstück „Network“ von Kevin Puts, zu dem Thomas H. Schmitz sowie Carolin Lange und Anja Neuefeind vom Lehrstuhl für Bildnerische Gestaltung live optische Impulse der Schwingungsverläufe und der Bewegungen zweier Musiker zu einer überraschenden Kreation formten. Große Begeisterung für einen Abend voller Entdeckungen. Weiter geht es mit „Music Lab IV“ am 29. Juni im Leibniz-Institut für Interaktive Materialien.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert