Mozarts Ausflug an die Uni

Von: Pedro Obiera
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Mozarts „Zauberflöte” an der Kölner Oper: Pamina (Mojca Erdmann) in Gewissensnöten. Kann sie Tamino töten, wie es ihre Mutter von ihr fordert? Foto: Matthias Baus

Köln. Nach der vitalen „Entführung aus dem Serail” im „Klein- Istanbul” Köln-Mülheims folgte jetzt „Die Zauberflöte” in der Aula der ehrwürdigen Kölner Universität. Die originellen Schauplätze der Kölner Oper, ursprünglich als Provisorien während der Sanierung des Opernquartiers vorgesehen, entwickeln sich zu einem Erfolgsmodell.

So gegensätzlich die Spielorte, so unterschiedlich die Stücke und Inszenierungen.

Der aufklärerische Geist der „Zauberflöte” ist in der Alma Mater gut aufgehoben. Und Regisseur Ren Zisterer versagt weder dem Ort noch dem Stück den nötigen Respekt.

Mit einem Minimum an Dekoration und Requisite (Ausstattung: Hyun Chu) und mit völligem Verzicht auf die Freimaurer-Symbolik sieht er das Stück als menschliches Drama im Spannungsfeld von persönlicher Liebe und moralischer Verantwortung. Der Gefahr, dass sich ein für Mozart ungewöhnlich steifer, vielleicht sogar pathetischer Ton einschleichen könnte, entzieht sich Zisterer durch eine liebevoll sanfte Personenführung, die auch Sarastro vom hohepriesterlichen Sockel holt.

Und Mozarts Musik in ihrer schillernden Vielfalt tut ein Übriges. Dezent spielt Zisterer mit liebgewonnenen Bildern: Papageno trägt einen Vogelkäfig, die Königin der Nacht präsentiert sich als „sternflammende” Königin, Monostatos ist schwarz wie ein Sarotti-Mohr, und selbst die Riesenschlange schlängelt sich über die Bühne.

Die wichtigsten Impulse gehen jedoch von der Personenführung un der feinen Lichtregie Nicol Hungsbergs aus. Und nicht zuletzt vom Raum, der stark in das Spiel mit einbezogen wird.

Leider ist das Orchester sehr weit in den Hintergrund gerückt, so dass sich Modestas Pitrenas zu einem robusten Dirigat animiert fühlte, das alles andere als Mozartsche Delikatessen bereit hielt. Die weit in den Zuschauerraum agierenden Sänger erhielten so eine überstarke Dominanz. Angesichts der insgesamt vorzüglichen vokalen Qualität ein Manko, mit dem sich allerdings leben lässt.

Eine wunderbar jugendliche und frische Pamina verkörpert Mojca Erdmann und Lothar Odinius bestätigt als Tamino seinen Ruf als Mozart-Sänger von Rang. Mit einer recht spitzen, aber koloraturgewandten Stimme gestaltet Jeanette Vecchione die Königin der Nacht, ein wenig farblos wirkt der Bariton Miljenko Turks als Papageno, und Stefan Kocáns Bass mangelt es als Sarastro ein wenig an Tiefenschwärze.

Ein interessanter Ausflug in einen ungewohnten Spielort auf hartem Holzgestühl. Aber Uni-Aulen sind ja nicht nur zum Vergnügen da.

Die nächsten Aufführungen von Mozarts „Zauberflöte” in der Aula der Kölner Universität am Albertus-Magnus-Platz: 18., 20., 22., 25., 27. und 29. Dezember.
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