Aachen - Mord, Gier, Härte: Im Drama „Wassa Schelesnowa“ geht es zur Sache

Mord, Gier, Härte: Im Drama „Wassa Schelesnowa“ geht es zur Sache

Von: Sabine Rother
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Fasziniert von Gorki: Ewa Teilmans inszeniert für das Theater Aachen „Wassa Schelesnowa“. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mord, Gier, schwächelnde Männer, raffinierte Frauen, denen das Mitgefühl längst abhanden gekommen ist: Mit dem Drama „Wassa Schelesnowa“ von Maxim Gorki (1868-1936) präsentiert Regisseurin Ewa Teilmans im Großen Haus des Aachener Theaters erneut eine Entdeckung. Premiere ist am Sonntag, 8. Mai.

Mit dem mit Zuckerguss überzogenen Muttertag am Premierendatum hat das, was die russische Unternehmerin und Mutter Wassa in aller Härte ausübt und auch selbst erfahren soll, allerdings nichts zu tun.

Gorki selbst musste kurz vor seinem Tod 1935 auf Druck des Regimes die ursprüngliche Fassung zu einem angepassten, recht faden Werk umschreiben. Ewa Teilmans schüttelt den Kopf. „Wir spielen die Originalfassung, das, was Gorki 1910 geschrieben hat. Das ist sehr spannend, die andere Version ist für mich völlig uninteressant.“

Wassa Schelesnowa, eine Frau Anfang 40, gespielt von Elke Borkenstei, hat in dieser Version zwei Söhne (Simon Rußig und Steffen Weixler) – beide Taugenichtse – sowie eine Tochter (Marie Hacke), die das Haus verlassen hat, weil sie einen „unpassenden“ Mann wollte, später allerdings noch eine wichtige Rolle spielen wird. Zu Beginn des Stücks warten alle auf den Tod des Vaters, der zwei Akte lang stirbt und von dem man sagt, er habe ein ziemlich „liederliches Leben“ geführt.

Teilmans spielt mit russischen Accessoires und der Nähe zur Gorki-Zeit, will aber kein betont „russisches Flair“ auf der Bühne. „Das Stück passt gut nach Aachen, weil es auch hier Unternehmerfamilien gibt, die seit Generationen bestehen”, betont die Regisseurin. Für sie ist „Wassa Schelesnowa“ kein grundsätzlich russisches Stück, sondern ein Beispiel dafür, dass sich historische Prozesse stets wiederholen. „Menschen machen eine Menge durch, aber sie lernen nicht dazu“, stellt die Regisseurin fest.

Gorki ist für Ewa Teilmans eine außergewöhnliche Persönlichkeit, ein spannender Mensch. „Ich wollte schon lange etwas von einem russischen Autor auf die Bühne bringen”, gesteht sie. „Nun ist es ausgerechnet Gorki und ein Werk, das inhaltlich das schwere und zugleich facettenreiche Leben dieses Menschen spiegelt.“ Fest steht für Ewa Teilmans: „Es ist kein Revolutions-, sondern ein Familienstück, das zeigt, wie Macht funktioniert und wie sich die Mikrozelle Familie gesellschaftlich auswirkt. Treibende Phänomene sind Gier und Angst vor Verlust.

Der Besitz wird mühsam gehätschelt, der Firma wird alles untergeordnet, ihr werden die Opfer gebracht.“ Und wenn zum Schluss drei Frauen übrig bleiben und das Regiment führen, sei das nicht etwa ein Zeichen von Emanzipation oder Menschlichkeit. „Sie sind das System“, sagt die Regisseurin. „Alles hat eine Außenwirkung auf die Gesellschaft. Wenn in der Familie Brutalität herrscht, überträgt sich das“, ist Ewa Teilmans überzeugt. Im dritten und letzten Akt will sie vermitteln, dass niemand dem „System Familie“ entfliehen kann – einem Raum mit unsichtbaren Mauern.

Damit das Ensemble dies frühzeitig verinnerlichen konnte, waren bei allen Proben immer alle dabei – ob sie nun in den jeweiligen Szenen an der Reihe waren oder nicht. „Nur so lässt sich erahnen, wie es ist, wenn Leute über 20 Jahre miteinander gelebt haben und inzwischen regelrecht miteinander verklebt sind, nicht mehr fort können”, erläutert die Regisseuren. „Wassa Schelesnowa“ – ein heutiges Stück und nicht einfach ein russisches Historiendrama.

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