„Monsieur Ibrahim“ im Aachener Das Da Theater

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Momo, Ibrahim und alle anderen: Marc-Andree Bartelt solo im Das Da Theater.

Aachen. Die große Herausforderung bei einem Stück wie „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ist es, die überall lauernden Kitsch-Stolpersteine weiträumig zu umfahren. Tom Hirtz ist das in seiner Inszenierung im Aachener Das Da Theater gut gelungen.

Er setzt auf Reduktion und Andeutung (Bühnenbild und Kostüm: Frank Rommerskirchen und Nadine Dupont) statt Paris-Klischees, auf Leichtigkeit statt Pathos. Dass der Abend trotzdem keinen rechten Spannungsbogen aufbauen kann, liegt weniger an der Inszenierung als an der Vorlage: Éric-Emmanuel Schmitts Stück, aus dem ein sehr erfolgreicher Roman und ein sehr erfolgreicher Spielfilm entstanden sind, ist eine gut gemeinte, letztlich aber reibungslose Parabel über Toleranz, Weisheit und Herzensgüte jenseits aller Religionsgrenzen. Und so kommt es auch rüber.

Hirtz hält sich eng an die Vorlage. Er erzählt die Geschichte als inneren Monolog des erwachsenen Momo, der sich an seine Kindheit erinnert, an seine Besuche bei den freundlichen Nutten, an seinen depressiven, abweisenden Vater, der sich schließlich vor einen Zug wirft, vor allem aber an Monsieur Ibrahim, den Kolonialwarenhändler, den sie alle nur den „Araber“ nannten, obwohl er das gar nicht war, sondern ein Moslem aus Anatolien. Der nimmt sich seiner an und weiht ihn fast beiläufig in das Geheimnis des Glücks ein.

Marc-Andree Bartelt spielt all diese Rollen, und wie das neue Ensemblemitglied des Das Da Theaters das meistert, ist bemerkenswert. Er trägt über pausenlose 80 Minuten hinweg das ganze Stück, spricht direkt ins Publikum, verwandelt sich im Handumdrehen, auch wenn ihm der Ibrahim dabei arg salbungsvoll gerät. Die Textmenge ist kein Problem für den Schlaks, der sich bei der Premiere nach spätestens knapp 20 Minuten frei gespielt hat.

Ein Theaterabend wie ein Vollbad nach einem anstrengendem Tag: wohlig, Geist und Seele wärmend, in den besten Momenten sogar anregend – aber irgendwie auch schläfrig. Viel Beifall.

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