Monschau - Monschauer KuK präsentiert Klassiker der Fotografie

Monschauer KuK präsentiert Klassiker der Fotografie

Von: Eckhard Hoog
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Sie präsentiert mit der neuen Ausstellung im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK) in Monschau mit Andreas Feininger einen Klassiker der Fotografie, der mit Aufnahmen für die Zeitschrift „Life“ weltberühmt wurde: KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmeier. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. Die Spitze des Chicago Tribune Towers, eines neugotischen Wolkenkratzers aus dem Jahr 1925, wirkt fast wie das Dach einer Kathedrale – wäre da nicht ganz oben dieser lange Fahnenmast mit dem US-Sternenbanner, der dem ganzen Ensemble eine seltsam fremdartige Note verleiht. Sakraler Baustil und Nationalflagge?

Andreas Feininger, der erst ein Jahr zuvor mit seiner schwedischen Frau in den USA angekommen war, muss bei dem Anblick 1940 einen symbolischen Ausdruck verheißungsvoller Erwartung empfunden haben. Die Aufnahme, an technischer Brillanz nicht mehr zu übertreffen, gehört zu der Ausstellung „Andreas Feininger – That‘s Photography“ im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK) in Monschau. Dessen Leiterin Nina Mika-Helfmeier präsentiert ab Samstag rund 130 meisterliche Fotografien Feiningers aus der insgesamt 271 Werke umfassenden Sammlung des Zeppelin-Museums Friedrichshafen.

Anmerkung extempore: In der Basis des Chicago Tribune Towers sind einzelne Originalsteine von den berühmtesten Bauwerken der Welt eingebaut, zum Beispiel der Chinesischen Mauer und: der „City Hall Aachen“ – dem Aachener Rathaus. Aber Andreas Feininger (1906-1999), dem Sohn des berühmten Malers Lionel Feininger, dem in Paris geborenen Juden mit amerikanischem Pass, wird solch ein Detail naturgemäß entgangen sein. Deutschland kannte er von seiner Kindheit in Berlin her, seiner Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau, wo er eine Tischlerlehre absolvierte, bevor er in Zerbst bei Dessau Architektur studierte und anschließend für drei Jahre in Hamburg als Architekturzeichner arbeitete.

Aber nicht als Baumeister hat Feininger, der nach der Machtergreifung durch die Nazis nach Schweden ging, unsterblichen Ruhm erworben, sondern als Pionier des modernen Bildjournalismus, als Klassiker und maßgeblicher Lehrmeister der Fotografie-geschichte des 20. Jahrhunderts.

Dabei war Feiningers Blickwelt eigentlich sehr begrenzt: Die Kamera richtete der Tüftler unter den Fotografen, der sich seine Objektive selber baute, auf die Großstadt, die Weltstadt – vor allem New York, deren Bild er mit seinen weltberühmten Fotostudien maßgeblich mitgeprägt hat.

Das Großartige im Kleinen

Das Großartige im Kleinen, Winzigen, fand er dagegen in der Schönheit von Naturphänomenen, die ein Mensch mit geringerer Sensibilität niemals wahrnehmen würde: Blätter und Blüten, Schneekristalle und Maiskolben, zarte Gräser in unbestimmbarer Umgebung – in atemberaubend ästhetischen Ma-kroaufnahmen schwarz-weiß verewigt und von einer erhabenen Aura umgeben, wie man sie sonst nur von Gemälden kennt.

Dabei ist sich Feininger im Kleinen wie im Großen dennoch treu geblieben: Sein Interesse galt ornamentalen Strukturen und monumentalen Größen, die selbst im Winzigen, vielfach vergrößert und maßstabslos, ihre Wirkung entfalten. Unverkennbar der Bauhausschüler: Klare Linien dominieren – seien es Abbildungen der Brooklyn Bridge oder die Langzeitaufnahme eines startenden Helikopters, dessen kreisender Rotor in der zeitlichen Dimension eine grafische Lichtspur hinterlässt. Das sind solch grandios komponierte Fotografien, dass man sich ihrer Faszination beim besten Willen nicht entziehen kann.

Selbst das Chaos einer offenbar vollkommen überbevölkerten Stadt wie New York fängt er in wohlkomponierten, nur auf den ersten Blick hin zufällig gewählten Momenten ein, wenn Menschen scheinbar gleichmütig unter einem Wust an Verbots- und Gebotsschildern dennoch unbeirrbar ihren Weg finden. Mit sicherem Blick klare Strukturen finden, selbst in der größten Unordnung – dafür steht Andreas Feiningers beeindruckende Fotografie. Jedes einzelne seiner Bilder ist ein fantastisches Kunstwerk. Perspektive, Kontrast, das Wechselspiel von Schärfe und Unschärfe – hier stimmt einfach alles, und das in Schwarz-Weiß. Da wirken seine originalen Leica-Kameras in der Monschauer Ausstellung wie Reliquien.

Als er im Februar 1999 starb, hinterließ er der Nachwelt 61 Fotobücher und Bildbände. Seine Philosophie pflegte er in einem Satz zusammenzufassen: „Diese Welt ist voller Dinge, die das Auge nicht sieht.“ Andreas Feininger konnte sie sehen.

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