Moderner Tanz erklärt sich selbst

Von: Sarah Siemons
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Beklemmend: Die Dansgroep Amsterdam beim Schrittmacher Festival. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das 14. Schrittmacher Festival trägt zwar den Untertitel „tanz und tanzARTiges von heute”. Doch dem Titel ist auch das Wort „modern” beigefügt - eine Anspielung auf den Modern Dance des vergangenen Jahrhunderts. „Das war der Moment, in dem sich der Tanz befreit hat und ohne Geschichten zu erzählen begann, den frei gewordenen Raum mit sich selbst zu füllen”, erklärt Rick Takvorian, Gründer des Tanzfestivals im Ludwig Forum.

Davon bekamen die 300 Zuschauer bei der Festival-Eröffnung in der Forums-Mulde eine Kostprobe der Sonderklasse.

Es bedarf keiner weiteren Erklärung, warum ein halb nackter Mann in einem Plexiglaszylinder steckt, während ein weiterer Tänzer sich vor ihm krümmt und windet. Die Performance lässt Freiraum zur Interpretation, der Tanz folgt den eigenen Impulsen. Dieses „Duet in plexiglazen koker” war das fünfte Stück des Abends der Dansgroep Amsterdam, die in Aachen insgesamt sechs Choreographien zeigte.

Die Kompanie, eine Fusion der Choreographen Krisztina de Châtel und Itzik Galili, hat ihre Werke eigens für das Aachener Publikum konzipiert. Die Tänzerin Myrthe van Opstal bezog bei ihrem „Solo in perspectief” die vier Säulen der Mulde mit in ihre Performance ein. Nicht nur deshalb war es ein ganz besonderer Abend im Ludwig Forum. Die Compagnie feierte zu Ehren des Festivals Weltpremiere, erst Ende März wird sie in Amsterdam mit ihrem Programm starten.

Mit „Varieties op een thema” ließ der Tänzer Massimo Molinari das berühmte Solo von de Chântel, das ihren urbanen Stil verkörpert, wiederaufleben. In „Chameleon” zeigte Galili mit vier Tänzerinnen die vielen Facetten der Frau mit erschreckender Komik und bittersüßer Kritik an unserer Gesellschaft. Das trickreich eingesetzte Licht, die Musik von John Cage, Philip Glass oder Sergej Prokofiev und die spartanischen und dennoch aussagekräftigen, schwarz-weißen Kostüme bilden einen in sich schlüssigen Rahmen des Modern Dance.

Lang anhaltender Applaus der begeisterten Premierengäste, der auch nach zehn Minuten noch nicht abebben wollte.
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