Modern Dance trifft auf Stammestänze

Von: Grit Schorn
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Eine Performance, bei der die Kulturen verschmolzen: Im Programm „Itutu” präsentierte das Festival „Schrittmacher” im Ludwig Forum Aachen die Zusammenarbeit der amerikanischen Choreografin Karole Armitage und ihrer Compagnie Armitage Gone! Dance mit dem österreichischen Komponisten Lukas Ligeti und der westafrikanischen Electronica-Band Burkina Electric. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Alte Riten und neue Rhythmen verschmelzen zu einem pulsierenden Gesamtkunstwerk, dessen suggestiver Kraft sich niemand entziehen kann. Und auch nicht will, wie der rauschende Beifall am Ende beweist.

Vieles und vielerlei hat sich hier im Ludwig Forum zusammengefunden, zu einer überwältigenden Performance in der vollbesetzten Mulde. Interkulturell und interdisziplinär verknüpft, präsentiert sich das Programm „Itutu” (was in der Yoruba-Sprache „cool” bedeutet) als glänzende Zusammenarbeit zwischen der bekannten amerikanischen Choreografin Karole Armitage, ihrer Compagnie Armitage Gone!

Dance, dem österreichischen Komponisten Lukas Ligeti und der westafrikanischen Electronica-Band Burkina Electric.neu: Von der spanischen „Ensalada” angeregt, einer Gattung des 16. Jahrhunderts, die sakrale und profane Bilder miteinander verwob und verschiedene Rhythmen und Sprachen vermengte. wird hier unbefangen Altes und Neues gemixt. Ende von neu. Afrikanische Stammestänze scheinen in Modern Dance zu münden, und selbst das klassische Ballett wird zitiert.

Gesang und Rhythmik vermischen sich mit Folklore-Anklängen aus Burkina Faso und mit Electronica aus der westlichen Clubszene, während die innovativen Kompositionen und Mixturen von Lukas Ligeti und anderen eine virtuose „Klangbrücke” schaffen.neu: Der Sohn des großen György Ligeti benutzt wie der Vater musikalische Cluster, eine Mischform von Klang und Geräusch - kongenial unterstützt und inspiriert von Burkina Electric.

So gelingt eine expressive zeitgenössische Ausdrucksform aus verschiedenen Ethnien, aus neuen und auch sehr alten Tanzstilen sowie neuen Musikklängen und Rhythmen. Nahtlos verbindet die internationale Choreografin Karole Armitage all dies zum Gesamtkunstwerk. Die Amerikanerin ist bekannt für ihre Zusammenarbeit mit so berühmten Künstlern wie Jeff Koons oder Filmregisseur James Ivor bis hin zu Ikonen wie Madonna oder Michael Jackson. ende von neu

Nicht nur Temperament und kreatürliche Bewegungsfreude werden hier unter Beweis gestellt, sondern ebenso großes Können und hohe Disziplin. Der dunkle Kontinent leuchtet hell, wenn die Afrikanerin Mai Lingani schön und stolz wie eine Stammespriesterin die Truppe anfeuert, antreibt und den Abend zu einem großen Fest der Kulturen werden lässt. Mit der Aura einer Miriam Makeba hält sie singend und tanzend alle Fäden in der Hand, Heilerin, Zauberin und „Königin der Herzen” zugleich. Jedes einzelne Mitglied der Compagnie steckt voller Möglichkeiten und Überraschungen.

Verführung und Verlockung kippen in animalisches Begehren oder wilde Aggression. Heiter verspielte Szenen wechseln zu Einsamkeit und Verlorenheit, münden auch jäh in ein verzweifeltes existenzielles Ringen. Künstler aus Afrika, Asien und der Alten wie der Neuen Welt präsentieren unter Beifallsstürmen ihre grandiose „Körper-Arbeit”, die in Karole Armitages kraftvoller Choreografie zu einem unwiderstehlichen Reigen der Kulturen wird.

Die nächsten Veranstaltungen im Rahmen des 15. Schrittmacher-Festivals findet am 2./3. und 10. März im Aachener Ludwig Forum (space) statt. Das movingtheatre.de präsentiert dabei sein Stück „Deadalus/Dreams. Beginn 20.30 Uhr. Tickets siehe Hinweis auf dieser Seite. Am Dienstag, 2. März wird zudem im Theater Heerlen das niederländische Gotra Ballet mit seiner der Produktion „Finding Frequency” auftreten. Beginn ist 20.30 Uhr.
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