Mit viel Tempo, Witz und wilden Jagden

Von: Sabine Rother
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Turbulente Inszenierung: Philipp Manuel Rothkopf als „C. R. MacNamara” und Julia Brettschneider als „Fräulein Ingeborg” in Franz Molnárs Komödie „Eins, Zwei, Drei” nach Billy Wilders Film, die am Wochenende in den Kammerspielen des Theaters Aachen Premiere hatte. Foto: Carl Brunn

Aachen. Ein turbulenter Abend, randvoll mit Witz und Satire, mit bitteren Realitäten, skurrilen Verdrehungen, Situationskomik, scharfen Attacken und Szenen, bei denen man ab und zu auch mal tief in die Klamaukkiste griff: Elina Finkel hat für die Kammerspiele des Theaters Aachen Franz Molnárs Komödie „Eins, Zwei Drei”, das Stück zum gleichnamigen Film von Billy Wilder, inszeniert.

Auf der von Doey Lüthi frech im nostalgischen Coca-Cola-Design mit leicht abgewetzten Pappkameraden und einer für schnelle Wechsel unverzichtbaren Drehtür (ein Coca-Cola-Deckel) ausgestatteten Bühne tummelt sich ein messerscharf agierendes, spielfreudiges Ensemble, wobei Doey Lüthi auch für die typgerechten Kostüme gesorgt hat.

Jede Gestalt wird zur Zeichnung ihrer Identität - von der Karikatur bis zum blonden „Fräuleinwunder”. Im 1929 uraufgeführten Molnár-Werk geht es um die Liebe zwischen einer Konzernerbin und einem jungen Kommunisten.

Den Stoff griff der Filmemacher 1961 mit Genuss auf - nun wurde der Konzern zu Coca-Cola und die Tochter des großen Bosses zum unbedarften Mädchen, das hinter dem Rücken der Berliner Gastgeber (Papas Geschäftsführer) einen wilden Kommunisten heiratet - eine Katastrophe, geschäftlich und gesellschaftlich.

Der tragische Bau der Mauer 1961 sorgte damals dafür, dass Wilders Film heftig floppt. Erst 1985 kam das Werk so richtig ins Kino - ein gigantischer Erfolg.

Elina Finkel schafft es, die plakativen Charaktere brillant herauszuarbeiten. Wie eine Filmemacherin am Set hält sie die Episoden fest im Blick, wobei sie Wilders Drehbuchanweisung „molto furioso” als ernsthaften Auftrag übernommen hat.

Halsbrecherisch ist das Tempo, man spricht sehr „nach vorn”, fast so extrovertiert, als würde eine Filmkamera laufen. „Eins, Zwei, Drei” (also zackzack) rauscht schon die nächste Szene ins Bild, wenn vom Schauspieler der vorangegangenen Aktion noch die Fersen zu sehen sind.

Die Szenenwechsel klappen, geschickt setzt Elina Finkel einfachste Mittel wie farbiges oder schwankendes Licht im Dunkel (Technik: Pascal Moonen) und Musik ein, um Atmosphäre zu schaffen.

Gegen Ende hätte man das Chaos auf der Bühne bremsen dürfen, aber „molto furioso” gilt wohl auch auf der Zielgerade. Das Publikum ist hellwach, was nicht nur an der von Coca-Cola spendierten Erfrischung (samt Kühlschrank) in der Pause lag. Der Applaus ist verdient und leidenschaftlich.

Weitere Aufführungen: 22. und 29. September; 7., 9., 13., 17., 21., 23. Oktober; 7. und 14. November; 5. und 27. Dezember, 7. Januar 2010.

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