Aachen - Mit viel Energie hoch zum Gipfel

Mit viel Energie hoch zum Gipfel

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
Eine leichte Enttäuschung zum
Eine leichte Enttäuschung zum Saisonstart: Lioba Braun konnte sich mit Strauss-Liedern nur schwer gegen das massiv aufspielende Aachener Sinfonieorchester unter Marcus Bosch

Aachen. Mit den Drei Orchesterstücken op. 6 von Alban Berg eröffneten Marcus Bosch und das Aachener Sinfonieorchester ihre letzte gemeinsame Konzertsaison im fast voll besetzten Eurogress. Hinter dem schlichten Titel verbirgt sich eine der komplexesten und schwierigsten Herausforderungen für ein Orchester.

Bosch betonte in allen drei Sätzen den hochexpressiven Zug der Musik, wenn auch auf Kosten struktureller Transparenz, die sich im Eurogress ohnehin kaum zufriedenstellend umsetzen ließe. Mit emotionaler Vehemenz wühlte sich Bosch durch die heikle Partitur, arbeitete Bergs Anspielungen an traditionelle Walzer- und Marsch-Formeln heraus und spitzte den Finalsatz katastrophisch zu. Unterstützt von einem spieltechnisch verlässlichen Orchester, das den Anforderungen weitgehend gerecht wurde.

Verständlich, dass Bosch diesen „K2” der Orchesterliteratur in seiner letzten Saison noch erklimmen wollte, quasi als Summe langjähriger erfolgreicher Arbeit mit „seinen” Sinfonikern. Und das Ergebnis gab ihm letztlich recht.

Probleme bereitete allerdings die Umstellung auf Richard Strauss völlig anders geartete „Vier letzte Lieder”. Dirigent und Orchester standen noch unter Hochspannung, als sie sich auf den abgeklärten Tonfall der altersmilden Strauss-Gesänge einlassen sollten. Dazu brauchten sie (zumindest am Sonntag) so viel Zeit, dass die ersten beiden Gesänge („Frühling” und „September”) zu nervös und laut gerieten und nahezu wirkungslos verpufften.

Solistin fehlt stimmlicher Glanz

Erst im Verlauf des „September” fanden die Musiker zur nötigen inneren Ruhe, so dass der Höhepunkt des Zyklus, „Im Abendrot” nach Eichendorffs gleichnamigem Gedicht, noch am besten gelang. Dennoch stellte sich eine leichte Enttäuschung ein. Der Stimme der bekannten Solistin Lioba Braun, einer allmählich ins dramatische Sopranfach wechselnden Mezzosopranistin, die in dieser Spielzeit in diversen Städten sowohl die Brangäne als auch die Isolde in Wagners „Tristan” singen wird, mangelt es an dem silbrigen Glanz und der Schwerelosigkeit, nach denen die anrührenden Gesänge verlangen. Zudem konnte sich die Sängerin vor allem in den ersten beiden Liedern kaum gegen das zu massiv aufspielende Orchester durchsetzen.

Nach der Pause setzte Bosch seinen Beethoven-Zyklus mit der „Fünften” fort. Ungewöhnlich viele Ungenauigkeiten und eine nicht immer ideale Balance zwischen Streichern und Bläsern trübten den Eindruck einer ansonsten in sich geschlossenen Interpretation, die viel Energie ausstrahlte und von Boschs sorgfältiger Phrasierung profitierte. Schade, dass die hintergründige Überleitung vom Scherzo zum triumphalen Finalsatz allzu nüchtern ausfiel, was den sportiven Charakter der Interpretation unterstrich.

Insgesamt ein etwas uneinheitlicher Abend, an dem sowohl der Dirigent als auch das Orchester noch nicht zu ihrer Idealform gefunden haben.
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