Mit Taktgefühl und Sinn fürs Geschäft

Von: Jenny Schmetz
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Nachfolger gesucht: Wer überni
Nachfolger gesucht: Wer übernimmt den Taktstock beim Aachener Sinfonieorchester ab 2012? Foto: Stock/Südraumfoto

Aachen. „Der ist ja leider bald weg”, hört man schon jetzt manchen Konzert- oder Opernbesucher in Aachen seufzen, wenn Generalmusikdirektor (GMD) Marcus Bosch den Taktstock hebt. Dabei wird der erfolgreiche Dirigent erst in der Spielzeit 2011/12 zusätzlich zu seinen Aachener Aufgaben GMD am Staatstheater Nürnberg sein, bevor er 2012 komplett dorthin wechselt.

Dennoch: Auch wenn die Aachener noch fast zwei Jahre ihren charismatischen Lockenkopf am Pult erleben dürfen, hat die Diskussion um die Nachfolge des 40-Jährigen längst begonnen.

Mehr als 100 Bewerber

Gesucht wird eine Persönlichkeit, die in der Lage ist, „das hohe Niveau des Orchesters künstlerisch zu erhalten und weiter zu entwickeln”. So stand es in der Stellenausschreibung, die auf den Internetportalen des Deutschen Bühnenvereins und http://theaterjobs.de veröffentlicht wurde und in Fachzeitschriften wie „Die deutsche Bühne” und „Das Orchester” zu lesen war. Zudem wurde bei Künstler-Agenturen und per Mundpropaganda nach einem geeigneten Kandidaten gefahndet.

Das erste Ergebnis: Nach dem Bewerbungsschluss Ende August haben mehr als 100 Anwärter ihr Interesse am GMD-Posten bekundet. Der Verwaltungsdirektor des Aachener Theaters, Udo Rüber, meint, dass die hohe Zahl der Bewerber für die Qualität des Orchesters spricht: „Aachen ist in der Musikszene ein gutes Pflaster - auch dank Marcus Bosch.”

Allerdings musste sich Bosch selbst im Jahr 2001 schon gegen mehr als 150 Konkurrenten durchsetzen. Damals bewarb sich nur eine einzige Frau. Diesmal sind es immerhin schon „einige wenige”, sagt der Vorsitzende des Theater-Betriebsausschusses, Hubert Bruynswyck (CDU). Obwohl Bewerbungen von Frauen laut Ausschreibung „ausdrücklich erwünscht” waren.

Wichtiger als das Geschlecht wird in Zeiten drohender Etatkürzungen aber wohl das Geschäft sein. Also: das Geld. So wird vom neuen GMD laut Anzeigentext „Verständnis für die wirtschaftlichen Notwendigkeiten eines budgetierten Theater- und Musikbetriebs” erwartet. Und: „persönliches Engagement auf dem Gebiet der Drittmittel- und Sponsorenakquise”. Gerade da hat Bosch sich als besonders geschickt und umtriebig erwiesen. Veranstaltungen wie die Kurpark Classix hätte es ohne ihn gar nicht gegeben, rühmt Rüber nicht nur den Klassik-, sondern auch den Vermarktungskünstler Bosch.

Weitere Punkte im Anforderungsprofil: „ein ausdrückliches Interesse an der Pflege zeitgenössischer Musik”, spartenübergreifendes Arbeiten und besondere Aufmerksamkeit für die Jugend.

Nun steht erst einmal das Sichten der über 100 Bewerbungsmappen an. Eine Gruppe um Aachens Kulturdezernent Wolfgang Rombey, Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck und Bosch selbst soll das übernehmen. Bis zum Frühjahr 2011 wird eine erste Auswahl angepeilt. Eine noch zu bildende Findungskommission mit Vertretern der Verwaltung, des Theaters und des Orchesters soll dann mit Hilfe externen Sachverstands noch einmal „sieben”. Die Kandidaten der Endauswahl werden voraussichtlich ab Herbst 2011 zu Probedirigaten eingeladen und an ihren Wirkungsstätten gerne auch unangemeldet besucht, erläutert Bruynswyck das Verfahren. Er und der Verwaltungsdirektor halten es für realistisch, dass die Bosch-Nachfolge bis Ende des kommenden Jahres entschieden ist.

Trotz aller Erfolge, trotz aller Wehmut, trotz aller Lobeshymnen für Bosch: Man sollte auch die Chance des Neuanfangs sehen. Das gibt der grüne Kulturexperte Hermann-Josef Pilgram zu bedenken: „Wir wollen keinen Klon von Herrn Bosch.”

Zurzeit ist der GMD in der Schweiz, um die Basler Premiere der Oper „Maldoror” am 14. Oktober vorzubereiten. Die Koproduktion wurde im vorigen Jahr bereits in Aachen gezeigt. Manchmal wäre ein Bosch-Double vielleicht doch hilfreich.
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