Merode - Mit spanischer Kunst zu neuen Ufern

Mit spanischer Kunst zu neuen Ufern

Von: Eckhard Hoog
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Die ganze Vielfalt der spanisc
Die ganze Vielfalt der spanisch-lateinamerikanischen Kunst ist ab 20. April, dem Beginn der „Frühlingspromenade”, auf Schloss Merode bei Langerwehe zu besichtigen: Hier zeigen Schlossherr Prinz Louis-Charles (links) und sein Sohn Prinz Charles-Adrien einige Exponate aus der Sammlung Pro Arte y Cultura, die dauerhaft ein Domizil auf Schloss Merode finden soll. Foto: Sandra Kinkel

Merode. Im Kaminzimmer stapeln sich die Kisten und Kartons, Leinwand an Leinwand steht vor den meterdicken Mauern - Schloss Merode bei Langerwehe rüstet sich zum Hort der Kunst. Die jährliche „Frühlingspromenade” steht an, ein dreitägiges Fest rund um das alte Wasserschloss, das dieses Mal mit einem ganz besonderen Akzent aufwarten kann.

Präsentiert wird eine kostbare Sammlung aktueller spanischer und lateinamerikanischer Kunst, 105 Werke von 84 Künstlern. Da bleibt noch viel zu tun für Schlossherr Prinz Louis-Charles und seine Familie, vor allem für Charles-Adrien, dem die Veranstaltungen des Hauses übertragen sind.

Gerade ist er dabei, den Katalog vorzubereiten, Informationen über die beteiligten Künstler zusammenzustellen, ein Layout für das farbige Druckwerk zu kreieren, die Hängung der Werke zu planen und, und, und. Aber damit nicht genug: Der junge Prinz hat ambitionierte Pläne, Schloss Merode zu einem kulturellen Faktor für die ganze Region und weit darüber
hinaus zu etablieren.

Die Schäden der Feuersbrunst

Wir sitzen Prinz Charles-Adrien gegenüber vor einem lebensgroßen Porträt eines der Vorfahren der Merodes: „Henri Marie Chislain de Merode” weist die Beschriftung unterhalb des Bildes auf, „Marquis Westerloo, Prince de Rubempré”. Vier fette Zeilen weiter noch reicht die stolze Latte an Titeln des alten Herrn. Einige Meter höher liegt ein Teil der Decke frei, hässlich abgesprungen ist nicht nur der Putz.

Da fehlt ein ganzer Teil des Mauerwerks, dicke Risse ziehen sich ringsum durch die Wände - unverkennbar verbliebene Schäden nach der Feuersbrunst im Jahr 2000, die das Schloss zu 80 Prozent vernichtet hatte und nur dank des tatkräftigen Einsatzes der Feuerwehr und der mutigen Hilfe vieler Nachbarn bewältigt werden konnte.

Der ganze Turm ist zwölf Jahre später immer noch eingerüstet. Wann das Haus wieder vollständig hergerichtet sein wird? Der Schlossherr zuckt mit den Schultern: „Vielleicht 2020? Wer mag das wissen.”

Die „Frühlingspromenade” (20. bis 22. April) mit ihrer exklusiven Verkaufsausstellung - einem Mix aus Schmuck, Lifestyle-Artikeln, Gartenmöbeln, Accessoires und einer Antiquitätenschau mit internationalem Ruf - soll helfen, die nötigen Mittel zur Restaurierung des über 800 Jahre alten herrschaftlichen Gemäuers zusammenzubringen.

Einer der Höhepunkte des kulturellen, kulinarischen, musikalisch umrahmten Programms stellt dabei die Verleihung des Kunstpreises Merode dar, der jetzt zum dritten Mal vergeben wird. 34 internationale Kreative haben sich darum beworben - Prinz Charles-Adrien hofft, dass es im nächsten Jahr mehr sein werden. „Die Auszeichnung wird allmählich bekannt und auch als eine Art Sprungbrett anerkannt”, sagt er.

20 von den Bewerbern wurden ausgewählt, während der „Frühlingspromenade” ihre Werke in einem großen Zelt dem Publikum vorzustellen und selbst vor Ort letzte Hand anzulegen an die Arbeit zum vorgegebenen Thema Porträt, die den Preis einbringen soll. Eine prominente Jury - unter anderem besetzt mit Professor Ottmar Braun und der Direktorin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums, Renate Goldmann - werden das beste der eigens für diesen Tag angefertigten Werke auswählen, um am Sonntag, 22. April, um 14 Uhr die Auszeichnung feierlich zu übergeben.

Damit verbunden ist traditionsgemäß eine zweimonatige Ausstellung in den Räumen der in Aachen ansässigen Privatbank Merck Finck & Co. „Die Präsentation soll den Künstler in seinem Werdegang unterstützen”, sagt der Prinz, ein dynamischer junger Mann. Bruder Albert-Henri schaut kurz herein, auf Französisch wechseln beide ein paar Worte.

Albert-Henri arbeitet als Architekt in Brüssel, wo auch der Vater und Schlossherr seinen ganz normalen Lebensunterhalt verdient - er führt dort einen Verlag für Bücher und elegante Zeitschriften.

Kunst, das ist eines von drei Beinen, auf denen einmal ein „Mäzenat Merode” stehen soll. Nachhaltigkeit und Bildung, so plant es Charles-Adrien, sind die beiden anderen.

„Wir denken daran, zum Beispiel wissenschaftliche Symposien zu veranstalten zu ökologischen Themen wie erneuerbare Energien oder entsprechende Unternehmen vorzustellen”, erklärt der Prinz, ein sympathischer Ausbund an einnehmender Freundlichkeit. Aber das sind vorerst noch Zukunftsgesänge, zunächst gilt es erst einmal, die aktuelle Kunstausstellung zu stemmen.

Die Sammlung ist in den vergangenen Tagen auf Schloss Merode eingetroffen. Die Initiatorin lebt in Spanien: Doña Mayte Spínola aus dem Haus Marquese de Spínola.

Die Künstlerin, Sammlerin und Mäzenin ist eine entfernte Verwandte des Hauses Merode: „Im 15. Jahrhundert gab es eine Heirat zwischen den Familien”, erklärt Charles-Adrien. Mayte Spínola motivierte der Merode-Kunstpreis zu dem Plan, den Wiederaufbau des Schlosses mit einer Ausstellung jener spanisch-lateinamerikanischen Künstlergruppe zu unterstützen, die sie selbst ins Leben gerufen hat: die Vereinigung „Pro Arte y Cultura”. Ihr gehören rund 200 zeitgenössische Künstler an, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, spanischstämmige Kunst in der ganzen Welt bekanntzumachen.

Für Ausstellungen pflegen sie, jedes Mal eigens Kunstwerke anzufertigen. So sind auch alle 105 Exponate der Schau auf Schloss Merode extra dafür angefertigt worden.

Bis jetzt haben solche Ausstellungen in verschiedensten Ländern in Spanien, Lateinamerika und den USA stattgefunden. In Deutschland ist es nun ihr erster Auftritt. Viele der Beteiligten konnten ihre Werke bereits in den berühmtesten Museen der Welt präsentieren. Zu den klingenden Namen gehören Pedro Sandoval, Mayte Spínola, Vincente Verdú, Paloma Porrero de Chavarri, Juan Jiménez, José Louis Romeral, Peñuca de la Serna, Fernando Garrido, Antonio Moreno, Linda de Sousa, Carlos Alcázar, Rosa Gallego, Roberto Martín, Paloma Hi-nojosa, Álvaro Torroba, Manuel Ortega, Manuela Píco, Rosa Yague, Naiti Cañada, Rosa Serra und Cruiñas . . .

Das Spektrum ihrer Kunst ist weit gespannt: Porträts gehören ebenso dazu wie gewagte und provozierende Stillleben aus Pommes und Hamburgern einer unverwechselbaren amerikanischen Fast-Food-Kette, aber auch abstrakte Arbeiten, Landschaftsbilder - kurz: ein herrliches Panorama unterschiedlichster künstlerischer Positionen und damit unbedingt ein Erlebnisgewinn für den geneigten Kunstfreund.

Die Ausstellung soll auf Dauer dem Schloss vermehrt Publikum zuführen und ihr eigenes Domizil auf Merode bekommen. So entwickelt Schloss Merode peu à peu das Potenzial zu einem kulturellen Juwel in der Region - und die Feuersbrunst wirft damit am Ende doch noch ungeahnte Früchte ab...

Die „Frühlingspromenade” findet auf Schloss Merode vom 20. bis zum 22. April statt. Geöffnet: Freitag von 14 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.30 bis 19 Uhr.

Eintritt: Dauerkarte 15 Euro, Tageskarte zehn Euro, Kinder von zehn bis 16 Jahren und Menschen mit Behinderung drei Euro.

An der exklusiven Verkaufsausstellung (unter anderem Schmuck, Mode, Lifestyle-Artikel, Pflanzen- und Blumenzüchtungen, Gartenmöbel, Wohnaccessoires, kulinarische Köstlichkeiten, kostbare Antiquitäten) nehmen 100 internationale Händler teil. Zum Rahmenprogramm gehören eine Oldtimerausstellung, Weinproben, Kinderanimationen. Präsentiert wird die spanische Kunstsammlung Pro Arte y Cultura.

Anfahrt: Das Schloss Merode ist über die A4, Abfahrt Eschweiler-Ost, zu erreichen. Von dort der Beschilderung Weisweiler folgen, dann Richtung Langerwehe. Ab Weisweiler der B264 folgen Richtung Düren, bis Merode auf der rechten Seite beschildert ist.

Am 26. August soll übrigens im Rahmen der Festspiele Nideggen im Park von Schloss Merode wieder ein großes Konzert stattfinden. Wer kommt, steht allerdings noch nicht fest.

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