Minimalistische Rauminstallation im Neuen Aachener Kunstverein

Von: js
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Schwarz auf Weiß: Die Install
Schwarz auf Weiß: Die Installation verdeckt im oberen NAK-Raum die Fenster. Die Frau in Rot ist Künstlerin Lena Foto: Andreas Herrmann

Aachen. In die Nase dringt die Kunst zuerst. Es riecht nach Teer. Die Augen suchen mehr - und bleiben an hohen, schwarzen Platten hängen, die an die weißen Wände gelehnt sind oder auf dem Boden liegen. Mehr ist da nicht - auf den ersten Blick.

Nach der „Silver Show” zum Silberjubiläum öffnet der Neue Aachener Kunstverein (NAK) eine Black Box im White Cube. Genauer gesagt: Die Künstlerin Lena Henke drängt die Fragmente eines schwarzen Kastens an die Ränder der beiden übereinanderliegenden weißen Ausstellungsräume. Den Betrachter erwartet also keine klassische Skulptur, kein „schön hingehängtes Bildchen”, wie die 30-Jährige sagt. Er wird selbst platziert - in einen aufgesprengten (Kunst-)Sockel.

„Roh und pur und hart” präsentiert Lena Henke ihre Arbeit. Sie ermöglicht eine „krasse Raumerfahrung, die jeden zur Positionierung auffordert”, meint Stephanie Seidel, die gemeinsam mit Julia Jung auf die Absolventin der Frankfurter Städelschule aufmerksam wurde. Seidel und Jung sind während der Elternzeit von Dorothea Jendricke bis zum Sommer die Interims-Direktorinnen im NAK und setzen weiterhin darauf, junge, noch unbekannte Talente zu fördern. Sie glauben, mit Lena Henke eine Bildhauerin gefunden zu haben, „die mit dieser klassischen Männerdomäne sehr kraftvoll und ironisch umgeht”.

Zwei Wochen lang hat die Künstlerin die NAK-Räume zu ihrem Atelier gemacht und ihr eigenes Material produziert. Mit drei Helfern hat sie - geschützt durch Anzüge, Handschuhe und Masken - Epoxidharz angemischt. In der Industrie werden mit diesem Kunststoff zum Beispiel Computerchips festgeklebt. Und auch Kunst klebt damit prima: Teerpappe hat Lena Henke so auf Spanholzplatten tapeziert und das mit Pigmenten geschwärzte Epoxidharz mit Schrubbern aufgetragen, getropft, „gepollockt”.

Ihre minimalistische Raumin-stallation, die im oberen Stockwerk die Fenster verdeckt, regt an, genauer hinzuschauen. Zeichnungen sind zu entdecken, ein Spiel mit den Kontrasten Schwarz und Weiß, Innen und Außen, Kunst und Kunstkontext. Und eine Auseinandersetzung mit der Architektur. Die Installation wandert weiter nach Oldenburg und wird im dortigen Kunstverein ab Juni einen Raum erobern. Zersägt und wieder neu zusammengeleimt.

„Hang harder” heißt die Schau. „Härter hängen”, könnte man wörtlich aus dem Englischen übersetzen und an Lena Henkes körperlich harte Kunst-Arbeit denken oder sich von der schwarzen, glatten, glänzenden Oberfläche zu anderen Assoziationen verleiten lassen. Zu Lack und Leder, Fetisch und Sadomaso. „Vielleicht ist das Ganze auch ein bisschen pervers”, sagt die Künstlerin. Anfassen erlaubt? Die NAK-Direktorinnen schrecken vor dieser Frage etwas zurück. Lena Henke sieht das gelassener: „Meine Skulpturen werden auch immer angetatscht.”

Und die Künstlerin, die in Frankfurt und New York lebt, betont, dass „hang harder” im Slang auch so viel bedeutet wie „mit Freunden rumhängen”. Also: Samstagabend zur Party kommen!

„Hang harder” von Lena Henke im Neuen Aachener Kunstverein, Passstraße 29, wird am Samstag um 19 Uhr eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 22. April zu sehen. Geöffnet: dienstags bis sonntags 14 bis 18 Uhr.

Führungen werden angeboten am Mittwoch, 15. Februar, 18 Uhr, und am Sonntag, 11. März, 16 Uhr.

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