Mies van der Rohe: Ein Klassiker, der in die Zukunft weist

Von: Hermann-Josef Delonge
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Architekt, Designer, prägende
Architekt, Designer, prägender Vertreter der Moderne: Das war Ludwig Mies van der Rohe. Eine Tagung anlässlich seines 125. Geburtstages in seiner Geburtsstadt Aachen schlägt die Brücke in die Gegenwart und selbst in die Zukunft. Collage: Harald Krömer, Stock/Raimund Müller

Aachen. Ein Klassiker. Einer, der die Architektur seiner Zeit maßgeblich geprägt hat - und mit dem sich alle Architekten nach ihm auseinandersetzen mussten, ob sie ihn mochten oder auch nicht. Einer, der mit seiner Arbeit und seiner Arbeitsweise nachhaltig prägend war. Ein Klassiker eben. Und den soll man „neu denken”?

Genau das will ein international absolut hochkarätig besetztes Symposium, das vom 25. bis 27. Oktober in Aachen stattfindet - der Stadt also, in der Ludwig Mies van der Rohe vor 125 Jahren, am 17. März 1886, als Sohn des Steinmetzmeisters Michael Mies und seiner Frau Amalie, einer geborenen Rohe, geboren wurde. „Re-thinking Mies - Mies neu denken”: Ist das notwendig?

Wir werden sehen, sagen Prof. Klaus Klever, Aachener Architekt und Vorstandsmitglied des Fördervereins „Aachen Fenster - Raum für Bauen und Kultur”, und Axel Sowa, Professor für Architekturtheorie an der RWTH Aachen, die die Tagung maßgeblich vorbereitet und organisiert haben. Und sie stellen klar: Mies ist kein Säulenheiliger, niemand für einen Gipskopf in einer Ahnengalerie. Es geht ihnen um das Vermächtnis dieses prägenden Architekten - und um die Verpflichtung, es immer wieder zu aktualisieren und zu überprüfen, um es für die Gegenwart und die Zukunft nutzbar machen zu können.

Dafür haben sie Männer und Frauen nach Aachen eingeladen, die zu den wesentlichen Köpfen für die Entwicklung der aktuellen Architektur zählen: Theoretiker und Praktiker, Konstrukteure und Designer, Wissenschaftler und Künstler. Jawohl, auch Künstler, denn das Symposium will sich Mies von mehreren Seiten her nähern. Welche Neuinterpretationen sind möglich und nötig? Welche Bezüge lassen sich zu zeitgenössischer Kunst und Kultur herstellen? Ein „transdisziplinärer Diskurs” soll entstehen, der sich nicht in einer Laudatio auf Leben und Werk von Mies erschöpfen soll.

Klingt sehr fachspezifisch, soll es in Teilen aber auch sein. Es gibt allerdings ein Rahmenprogramm (siehe Box), und nicht alle Vorträge und Diskussionen richten sich nur an Fachleute. Außerdem: Wenn Leute wie Alberto Campo Baeza, Cecil Balmond, Junya Ishigami, Werner Sobek, Bernard Tschumi, Christoph Asendorf, Barry Bergdoll, Beatriz Colomina und Phyllis Lambert, um wirklich nur einige zu nennen, über Mies diskutieren, dann geschieht das zwangsläufig auf einem sehr hohen Niveau. Aachen kann sich glücklich schätzen, dass ein derart besetztes - und nur durch Unterstützung von Sponsoren mögliches - Symposium hier stattfindet. Dass dafür der Krönungssaal des Rathauses neben der Citykirche St. Nikolaus zur Verfügung steht, ist nur folgerichtig.

Der rote Faden in allen Vorträgen und Diskussionen soll die Suche nach spezifischen Positionen einer Moderne, für die Mies paradigmatisch steht, im 21. Jahrhunderts sein, sagen Sowa und Klever. Das also bedeutet „neu denken”. Sie schwärmen von der Modellhaftigkeit von Mies Architektur, von seiner Suche nach Universallösungen, die losgelöst vom örtlichen Kontext Bestand haben.

Mies habe sich immer mit den Grundfragen der Architektur auseinandergesetzt: Wie organisiert man Raum? Wie örtliche Begrenzung? Was ist Transparenz? Oder, ganz elementar: Wie muss ein Gebäude auf dem Boden stehen? Damit stehe er für eine Kultur des Bauens, die heute nicht mehr so gefragt sei - und für das Bemühen, immer einen architektonischen Ausdruck zu finden für die technischen Möglichkeiten der Zeit.

Mies, der Philosoph, Mies, der Querdenker, Mies, der Visionär, Mies, der Praktiker: Ansätze für eine spannende Bestandsaufnahme seines Werks gibt es genug. Am Ende des Symposiums wird dann vielleicht die Frage beantwortet sein, ob die Fundamente von Mies Denkgebäude auch in Zukunft tragfähig sind. Für Klever und Sowa dürfte die Antwort, bei aller Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung, schon jetzt klar sein.

Übrigens: Die Frage nach ihrem Mies-Lieblingswerk beantworten sie nach einigem Widerwillen dann doch. Klever: der Barcelona-Pavillon, gebaut für die Weltausstellung 1929. Sowa: ein Schuhschrank aus der Villa Tugendhat, entdeckt bei einem Bekannten. „Eine konstruktive Meisterleistung, obwohl ,nur ein kleines Möbelstück”, sagt Sowa. Typisch Mies eben.

Rahmenprogramm zur Tagung mit Fotografie, Theater und Musik

Es ist ein Mammutprogramm, mit dem die Tagung „Rethinking Mies - Mies neu denken” vom 25. bis 27. Oktober in Aachen aufwartet. Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen, Performances: Das Symposium nähert sich dem Phänomen Mies van der Rohe von mehreren Seiten und ist dabei bemüht, nicht nur hochwissenschaftlich an das Thema heranzugehen. Kunst und Kultur sollen dabei eine besondere und herausragende Rolle spielen.

So wird bereits am Vorabend der Tagung, also am Montag, 24. Oktober, um 19 Uhr die Ausstellung „dreimal Mies” in der Citykirche St. Nikolaus an der Großkölnstraße in Aachen eröffnet. Sie nähert sich Mies und seinen Arbeiten über dem Weg der Fotografie.

So sind schwarz-weiße Architekturfotografien von berühmten Bauten Mies van der Rohes in Deutschland und Amerika zu sehen, die der in Berlin geborene Architekturhistoriker und MoMA-Kurator Ludwig Glaeser (1930-2006) in den 70er Jahren aufgenommen hat. Die Architekturfotografin Heidi Specker hat sich mit Farbaufnahmen Mies Haus Lemke in Berlin genähert. Die gebürtige Niederländerin Corine Vermeulen schließlich porträtiert in ihrer Fotoreportage die Menschen, die in der von Mies geschaffenen Siedlung am Lafayette Park in Detroit leben.

Am Dienstag, 25. Oktober, gibt es ab 20.30 Uhr in St. Nikolaus die Theaterperformance „NEUNundEINS” des Bewegtbildtheaters von Martina Roth und Johannes Conen nach dem Roman „Die Wellen” von Virginia Woolf.

Und am Mittwoch, 26. Oktober, ist dann ab 20.30 Uhr der Theoretiker, Musiker und Komponist Christopher Dell in einem Solokonzert im Space des Ludwig Forums an der Jülicher Straße zu erleben. Dell gehört zu den führenden Vibraphonisten Europas und hat zahlreiche Jazzpreise gewonnen.

Detaillierte Infos zu der von Prof. Axel Sowa (rechts) und Prof. Klaus Klever federführend organisierten Tagung und zu den Anmeldeformalitäten auf der Internetseite.

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