Michael Rische: „Nur am Instrument arbeiten genügt nicht“

Von: Alexander barth
Letzte Aktualisierung:
11173900.jpg
Ein erfolgreicher Pianist in seinem Element: Michael Rische am Steinway-Flügel der Aachener Musikhochschule. Foto: Harald Krömer

Aachen. Nach dem Studium folgt der Sprung ins Haifischbecken namens Berufsleben – das gilt für Maschinenbauer wie für Pianisten gleichermaßen. Letzteren, und damit auch allen anderen Studierenden der Musikhochschule in Aachen, nimmt sich der Pianist und Hochschuldozent Michael Rische an.

Seit einigen Jahren vermittelt er angehenden Profimusikern in einem regelmäßigen Seminar das nötige Rüstzeug, um die ersten Schritte im Musikgeschäft unfallfrei zu gehen.

„Das Studium bereitet im besten Fall auf so ziemlich alles vor – außer darauf, wie man sich am Markt behauptet“, sagt Rische und zählt auf: „Die jungen Musiker müssen wissen, wie man mit Konzertveranstaltern verhandelt, ein gutes Repertoire plant oder mit Medien kommuniziert. Die Konkurrenz ist riesig, und da geht es tatsächlich ums Überleben.“ Um dem Missstand entgegenzuwirken, hat Rische am Mutterstandort der Hochschule in Köln das neue Fach etabliert. Alle 14 Tage besuchen rund 50 Hörer seinen besonderen Berufsvorbereitungslehrgang mit dem Titel „Selbstmanagement“, auch Studierende aus Aachen sind regelmäßig dabei.

Der gebürtige Leverkusener, der bereits im Alter von 28 Jahren eine Klavierklasse übernahm, kennt aus seiner langjährigen Arbeit als Dozent die Fallstricke des Geschäfts. Dennoch wirbt der weitgereiste Konzertpianist im Seminar „von Herzen“ für eine Musikkarriere. „Es ist das Tollste, was ich mir vorstellen kann.“ Über allem steht für ihn eine recht simple Formel: „Ich versuche den Studierenden gleich klar zu vermitteln: Nur am Instrument arbeiten genügt nicht. Wie in jedem anderen Beruf geht es auch um die Existenzsicherung. Es wäre fatal, die Augen davor zu verschließen. Festanstellungen sind selten; es führen also viele Wege in eine breitgefächerte freiberufliche Arbeit als Musiker.“

Dabei fallen auch vermeintlich banale Pflichtaufgaben an, erklärt Rische und zählt Fragen auf, die in seinem Seminar in Sachen Selbstmanagement eine Rolle spielen: „Welche Steuerregeln sind für mich relevant? Wie kann ich von Verwertungsgesellschaften profitieren? Ganz wichtig: Wie stelle ich ein Programm zusammen, mit dem ich mich bei Veranstaltern empfehlen kann?“ Wie in vielen anderen Berufen gäbe es auch für Musiker Fördermöglichkeiten. Meisterkurse und Stipendien seien zwei Stichworte in diesem Zusammenhang. „Ich kann den jungen Leuten nicht sagen, wie man Karriere macht“, gibt Rische zu bedenken. „Aber ich kann helfen, Fehler zu vermeiden.“

Auch technische Fertigkeiten abseits des In-struments seien heute unerlässlich, erklärt Rische. Wie passend, dass dieser Bereich sein persönliches Interesse kreuzt. „Die Möglichkeiten der Notenschreibung am Computer haben sich kolossal entwickelt“, sagt Rische. „Ich finde es fast fahrlässig, wenn man diese Möglichkeiten nicht nutzt.“

Es sind vor allem die vielen unausgesprochenen Regeln und Gesetze des Musikgeschäfts, die der Wahl-Aachener seinen Schützlingen näher bringen will. „Das meiste ist einfach nicht bekannt. Und man kann es auch nicht voraussetzen. Woher soll ein junger Instrumentalist etwa wissen, dass es heute fast überall üblich ist, dass Solokünstler vor einem Konzern dem Publikum in freier Rede das Programm erklären? Oder dass Studioerfahrung ein Kriterium darstellt, um überhaupt ins Blickfeld für CD-Produktionen zu rücken?“

Auch als Interpret will Rische Vorbild sein. Mehr als ein Dutzend Tonträger und internationale Gastspiele sprechen eine deutliche Sprache. „Ich will mich da gar nicht zu wichtig nehmen. Aber vielleicht steht mein Werdegang ja beispielhaft für einen Weg in die professionelle Musikkarriere.“

In diesen Tagen widmet sich Rische einem erklärten Lieblingsfeld seiner Arbeit. Am Freitag beginnt in Aachen die Konzertreihe „Aix Piano“. Der Pianist ist nicht nur künstlerischer Leiter, sondern auch Protagonist des Eröffnungsabends. Einmal mehr geht er dabei seiner Leidenschaft für die unbekannteren Werke bedeutender Komponisten nach.

Michael Risches Aufmerksamkeit gilt seit längerem der Arbeit von Carl Philipp Emmanuel Bach, zweitältester männlicher Spross von Johann Sebastian Bach. „Ich möchte dem Publikum immer wieder etwas Besonderes bieten, abseits der viel gehörten Klassiker. Es gibt darüber hinaus noch unzählige Perlen, auch von den großen Komponisten, die gehoben werden wollen.“ Ein Ansatz, den er auch seinen Studierenden gerne mit auf den Weg gibt. Denn: „Sich abgrenzen vom Mainstream – das ist es doch, was viele insgeheim ohnehin wollen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert