Würselen - Michael Horbach aus Würselen: Fotos aus einer fremden Welt

Michael Horbach aus Würselen: Fotos aus einer fremden Welt

Von: Marco Rose
Letzte Aktualisierung:
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Zeigt erstmals wichtige Teile seiner Sammlung: Michael Horbach. Foto: Marco Rose

Würselen. Wer Kunst sammelt, den interessieren oft große Namen. Denn sie versprechen Aufmerksamkeit und womöglich Wertsteigerung. Michael Horbach dagegen hat sich noch nie dafür interessiert, ob die von ihm erworbenen Fotografien als Geldanlage taugen.

Den aus Würselen-Broichweiden stammenden Sammler treibt etwas anderes um: Sehnsucht. Nach Gerechtigkeit, nach Menschlichkeit, nach Wahrhaftigkeit, nach Würde. Diese Sehnsucht hat viele Facetten. Sie findet sich in dem Antlitz eines Menschen, dem Gesicht einer Landschaft, dem Detail eines Körpers. Mehr als 1200 Fotos umfasst seine Sammlung, nahezu ausnahmslos in Schwarz-Weiß, oft sozialkritischer Natur.

Horbach – Wahl-Kölner, 1950 geboren, Gründer einer bundesweit agierenden Finanzberatung sowie einer nach ihm benannten Stiftung – sammelt gänzlich gegen den Trend. In Südamerika durchforstet er auf Märkten die Stände einheimischer Fotografen. Hierzulande interessieren ihn oft ausgerechnet jene Fotos, die bei den Auktionen großer Häuser keine Gebote erhalten haben. „Ich will entdecken. Mich hat nie interessiert, was gerade ‚in‘ war“, sagt er.

Der Kampf ums Überleben

Erstmals gewährt der bekennende Rheinländer nun einen umfassenden Einblick in seine Sammlung. Hans-Michael Koetzle, Kurator und Autor populärer Fotografie-Fachbücher, hat dazu 115 Fotos aus diesem reichen Fundus für das Buch „Anhelo – Sehnsucht“ und die gleichnamige Ausstellung ausgewählt. Es ist eine Entdeckungsreise in eine Welt, in der Menschen täglich ums Überleben kämpfen. Eine Welt, in der Wasser und Nahrung knapp sind, Krieg, Leid und Flucht die Menschen zeichnen. Eine Welt, in der die Menschen trotz aller Widrigkeiten ihre Würde und ihren Stolz behalten haben.

Der mallorquinische Fotograf Pep Bonet etwa hat Szenen eingefangen, die einerseits schwer zu ertragen sind und dennoch oft auch eine positive Botschaft vermitteln: zum Beispiel Kriegsversehrte aus Sierra Leone, die trotz fehlender Gliedmaßen ausgelassen am Strand Fußball spielen. Da sind die eindringlichen, faszinierenden Porträts von Flor Garduño (Mexiko) oder Marcos Zimmermann (Argentinien), die dokumentarischen Fotos von Jan Garup aus Somalia, das beinahe epische Bild, das Starfotograf Sebastião Salgado 1978 an einem Wasserspeicher in der senelagesischen Steppe aufnahm.

Und immer wieder Kuba! Es ist das Sehnsuchtsland des vermögenden Volkswirtschaftlers Horbach, der mit seinen Initiativen für ein gerechteres Steuersystem bereits bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Doch das berühmte Porträt von Ché Guevara, fotografiert von Alberto Korda, das Horbach sein Eigen nennt und bereits in seinen Kunsträumen in Köln ausstellte, bleibt diesmal im Depot. Stattdessen hat Kurator Koetzle eine ganze Reihe von zeitgenössischen kubanischen Fotografien ausgewählt, unter anderem jene von Alfredo Sarabia junior, dessen Werke Horbach, dem Arbeitersohn, besonders am Herzen liegen. „Eine gerechte Welt ist möglich“, lautet sein Lebensmotto. Die ergreifenden Fotos aus einer vermeintlich nicht entwickelten Welt sollen diese humanistische Botschaft unterstreichen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juli zu sehen in den Kunsträumen der Horbach-Stiftung in der Kölner Südstadt, Wormser Str. 23. Öffnungszeiten: mittwochs und freitags von 15.30 bis 18.30 Uhr, sonntags von 11 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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