Aachen - „Messe+“: Aachens Chordirektorin setzt auf den großen Klang

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„Messe+“: Aachens Chordirektorin setzt auf den großen Klang

Von: Pedro Obiera
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Voluminös: der Sinfonische Chor mit dem Sinfonieorchester beim „Messe+“-Konzert in Aachen. Foto: Stephan Rauh

Aachen. Die Aachener Theater- und Konzertsaison geht in wenigen Tagen zu Ende, und Elena Pierini, seit Beginn des Jahres neue Chordirektorin und Kapellmeisterin am Theater, mobilisierte den Sinfonischen Chor Aachen sowie das Sinfonieorchester zu einem anspruchsvollen Chorkonzert, mit dem sie die verdienstvolle Reihe „Messe+“ in der voll besetzten Aachener Citykirche St. Nikolaus fortsetzte.

Von einer Messe erklang zwar nur ein Bruchstück; das allerdings in der ausladenden, fast halbstündigen Version von Antonio Vivaldis „Gloria“ in D-Dur RV 589. Auch wenn die vielseitige Musikerin Pierini in unterschiedlichen Funktionen reiche Erfahrungen außerhalb ihrer italienischen Heimat, vor allem in den USA, sammeln konnte, hörte man der Interpretation die besondere Vorliebe für dieses Werk ihres Landmanns an.

Elena Pierini liebt den großen, voluminösen Klang, den sie in und mit Vivaldis „Gloria“ zum Leuchten bringen kann: kraftvoll, dynamisch, etwas theatralisch, wirkungsvoll. Dass sie sowohl den durch den Opernchor verstärkten groß besetzten Sinfonischen Chor als auch das Sinfonieorchester nur selten zu feineren Piano-Nuancen animierte, störte in diesem festlichen Umfeld kaum. Ebenso wenig wie der starke Nachhall in der Nikolauskirche.

Johann Sebastian Bachs frühe Passions-Kantate „Christ lag in Todesbanden“ BWV 4 konnte sich unter diesen Umständen weit weniger überzeugend entfalten. Die filigranen polyphonen Strukturen verwischten zu einem groben Klangbild, die teilweise von den Solisten gesungenen Choralpartien gingen zum größten Teil unter. Ein Werk, das keine große Besetzung verträgt, zumindest nicht in einem nachhallstarken Raum.

Auf der überzeugenden Linie des Vivaldi-Vortrags bewegte sich dagegen die Vorstellung eines kurzen „Dixit Dominus“ des allenfalls noch durch einige Klavierwerke bekannten Venezianers Baldassare Galuppi in der originellen Besetzung für Frauenchor, Solisten und Streicher, mit dem das Konzert begann und mit dem Elena Pierini früh ihre vitalen, klangfreudigen Akzente setzte.

Das Sinfonieorchester Aachen bewältigte seine Aufgaben mit der nötigen Flexibilität, verließ aber, ebenso wenig wie der Chor, nur selten deftig tönende Forte-Gefilde. Dass die Solo-Partien auf neun Choristen übertragen werden konnten, und das auf sehr ordentlichem Niveau, zeugt vom Potential des Chores, der sich in der kommenden Saison u.a. in Verdis „Requiem“ und gewiss auch als Verstärkung in Wagners „Tannhäuser“ bewähren darf.

Viel Beifall für einen interessanten musikalischen Schlusspunkt der Saison.

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