Melody Gardot und ihre grandiose Band verzaubern die Philharmonie Köln

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
Musik mit Gänsehautgarantie:
Musik mit Gänsehautgarantie: Melody Gardot, hier ein Foto vom Tourauftakt im Berliner Tempodrom. Foto: Imago/ducks

Köln. Auf ihrem dritten Album „The Absence”, das im Mai erschienen ist, posiert sie hingegossen auf einem Felsen und zeigt sehr viel Haut. Die Frau jedoch, die an diesem Abend die Bühne der Kölner Philharmonie betritt, hat mit dieser verführerischen Schönen auf den ersten Blick so gar nichts gemein.

Das wallende Blondhaar ist unter einem schwarzen Turban verborgen, die lang bewimperten Augen hinter dunklen Brillengläsern, der kurvenreiche Körper verhüllt.

Aber um eine Erotik zu erzeugen, die so knisternd ist wie ein Kaminfeuer und so elektrisierend wie Starkstrom, muss Melody Gardot keine nackten Tatsachen präsentieren. Für die Gänsehaut, die sich vom ersten Stück an, dem a cappella gesungenen Traditional „No More My Lord”, einstellt, braucht es allein ihre Stimme. Die 27-Jährige, die nach einem schweren Unfall den Gesang als Rettungsanker entdeckte, formt die Töne zu Kostbarkeiten aus dunklem Rauch und schwerem Honig, brüchigem Samt und schimmerndem Kristall. Traumwandlerisch sicher fügt sie Silben aneinander, zerdehnt sie oder lässt sie in leise nachhallendem Wispern ausklingen.

Mit ihrer grandiosen Band, bestehend aus zwei Schlagwerkern, einem Gitarristen, einem Saxofonisten und dem wunderbaren Berliner Kontrabassisten und Cellisten Stephan Braun, verzaubert sie bei ihrem einzigen Konzert in NRW die so gut wie ausverkaufte Philharmonie. Der gut 90-minütige Abend changiert zwischen Sehnsucht und Lebenslust, präsentiert Souvenirs von Gardots musikalischer Entdeckungsreise rund um den Globus, die sie auf „The Absence” verarbeitete, und Glanzstücke des vorherigen Albums „My One And Only Thrill” (2009). Die Reise geht nach Brasilien („La Mira”) und Portugal („Lisboa”), gerät mitreißend und melancholisch, ergreifend („The Rain”) und tanzbar („Iemanja”).

So gut die Songs von „The Absence” auch ankommen, ganz und gar ist das Publikum bei der Sängerin und Geschichtenerzählerin an dem Punkt, wenn in intimer Dreierbesetzung mit „Baby Im A Fool” oder „Who will Comfort Me” eine atmosphärische Dichte erzeugt wird, die kaum noch auszuhalten ist. Niemand beschwört Begehren, Enttäuschung und Leid(enschaft) schöner und glaubwürdiger als „La Gardot”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert