Meisterkonzerte: Melancholischer Abschiedsabend

Von: Thomas Beaujean
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Charmant: Katja Riemann las Schubert-Briefe beim Meisterkonzert mit dem Casal-Quartett im Eurogress. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das war es dann wohl. Am Wochenende flatterte den Abonnenten der Meisterkonzerte im Eurogress Aachen ein Schreiben ins Haus, das das vorläufige Ende der Konzertreihe Meisterkonzerte verkündete. Eine Entscheidung, die viele Musikfreunde nach dem hoffnungsvollen Neubeginn erstaunte.

Man wolle zwar versuchen, sie in der Saison 2018/2019 wiederzubeleben, so hieß es, aber das stehe wahrlich in den Sternen. Irgendwie passte das vorläufig letzte Konzert der Reihe im Eurogress mit all seinen Problemen und Widrigkeiten zu der allgemeinen Situation. Widrigkeiten, die der Bratscher des Casal-Quartetts, Markus Fleck, auf launige Art und Weise schilderte.

Erkrankter Musiker

Das Hauptproblem für das Ensemble: Der Primarius des Quartetts war in letzter Minute unter ziemlich dramatischen Umständen ausgefallen. Man schaffte es dann aber tatsächlich, einen Ersatz zu finden, was bei einem Streichquartett normalerweise ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Man fand ihn in der russisch-belgischen Geigerin Tatiana Samouil, in St. Petersburg gebürtig und in Brüssel lebend. Um 16 Uhr des Konzerttages traf man sich zu einer Probe.

Und es funktionierte auf geradezu atemberaubende Weise. Tatiana Samouil und die restlichen Musiker des Quartetts Rachel Späth, Violine, Markus Fleck, Viola, und Andreas Fleck, Violoncello, harmonierten blendend und vermittelten den Eindruck, als ob sie schon ewig zusammen spielen würden. Da war dann doch zu spüren, dass Tatiana Samouil als Primaria des Malibran Quartetts eine geübte Kammermusikerin ist.

Fast ein Glück

So konnte man es fast schon ein Glück nennen, dass das Quartett nicht einen kompletten Kammermusikabend bestreiten musste. „Schubertiade“ hieß der Titel der Veranstaltung und beinhaltete Briefe und Zeitungsnotizen von und um Franz Schubert und die in die jeweilige Zeit passende Streichquartettmusik. Für die Rezitation war die beliebte Schauspielerin Katja Riemann zuständig, die mit viel Engagement, Charme und Einfühlungsvermögen Briefe von Schubert an seine Freunde und von seinen Freunden an ihn vortrug. Musikalisch eingerahmt war die Veranstaltung von zwei Liedern aus der „Winterreise“ in einem Arrangement für Streichquartett.

Ansonsten waren einzelne Sätze im ersten Teil aus frühen und mittleren Quartetten Schuberts zu hören, ein Satz aus einem Mozart-Quartett, und im zweiten Teil ein Satz aus dem „Rosamunde“-Quartett und drei Sätze aus dem Quartett „Der Tod und das Mädchen“.

Nach der Schilderung der unglücklichen Zusammenhänge um das Zustandekommen der Veranstaltung war das Publikum natürlich besonders auf die musikalischen Darbietungen gespannt.

Die vier Musiker boten ein Quartettspiel von höchster Delikatesse, dynamisch sehr weit gespannt, vom vibratolosen Pianissimo bis zum intensiven Fortissimo, aber klanglich immer warm und beseelt.

Abgedunkelter Eurogress

Dass das in dieser Formation in dieser spieltechnischen Perfektion überhaupt möglich wurde, grenzt fast an ein Wunder. Die Veranstaltung, die den Hörern den Komponisten Franz Schubert auf eine berührende Art näher brachte, hätte einen intimeren Rahmen verdient gehabt als den abgedunkelten Eurogress.

Viel Beifall des Publikums zum Abschluss, in den sicherlich auch eine Portion Wehmut gemischt war.

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