Meisterkonzert: Solistin und Orchester ergänzen sich nahtlos

Von: Thomas Beaujean
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Meisterkonzert im Aachener Eurogress: mit Olga Scheps am Klavier und dem Orchestra della Svizzera italiana. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das vielleicht attraktivste der sechs Meisterkonzerte der neuen Saison stand gleich am Anfang: Mit dem Orchestra della Svizzera italiana und seinem Chefdirigenten Markus Poschner und der in Aachen bestens bekannten jungen Pianistin Olga Scheps gelang dem Management der Konzertserie im Eurogress ein Einstand nach Maß, zumal das Programm mit Beethovens Egmont-Ouvertüre und dem 3. Klavierkonzert c-Moll und Franz Schuberts großer C-Dur-Sinfonie äußerst gehaltreich war.

Poschner sorgte mit seinem in den Streichern recht klein besetzten Orchester für eine gespannte, auf unmittelbare Dramatik setzende Wiedergabe der Beethoven-Ouvertüre, mit einem schlanken, auf Spaltklang bedachten Klangbild, das allerdings auch den lyrischen Passagen genügend Raum ließ.

Olga Scheps wartete mit einer etwas überraschenden Interpretation des Soloparts des c-Moll-Konzertes auf. Ihr durchgehend kraftvolles, fast streng zu nennendes, nach vorne drängendes Spiel betonte sehr stark den heroischen Charakter des Werkes, ließ selbst im Largo kaum Raum für lyrische Entfaltung und war somit geprägt von einer klaren Stringenz, die dem Charakter des Werks durchaus entsprechen kann. Nahtlos ergänzten sich Solistin und das sensibel und klangschön reagierende Orchester. Klanglich differenzierter, aber ähnlich kraftvoll war ihre Zugabe von Chopins Etüde Nr. 23 a-Moll.

Poschners Interpretation der großen Schubert-Sinfonie mit ihren „himmlischen Längen“ hinterließ dagegen einen zwiespältigen Eindruck. Auf der Habenseite standen ein klar strukturiertes, transparentes Klangbild mit der Herausarbeitung von Nebenstimmen, die ansonsten höchst selten zu hören sind, teilweise berückend schöne Details, die für sich gesehen meisterlich konzipiert waren.

Auf der anderen Seite stand eine geradezu willkürlich zu nennende Behandlung der Tempi, die Poschner auf der Basis von sehr schnellen Grundtempi in allen vier Sätzen nach Belieben modifizierte und dies in einem Ausmaß, das teilweise in Hektik ausartete. Da war allzu viel zu hören, was nicht in der Partitur steht, was der Gesamtdisposition der ausladenden Sinfonie aber nicht gut tat. Die Zugabe war eine zauberhafte Wiedergabe einer Rossini-Ouvertüre.

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