Meisterkonzert: Solist Isang Enders beeindruckt das Publikum

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Es war eine ziemlich abenteuerliche Idee des neuen Managements der Meisterkonzerte, dem Publikum in einem vorweihnachtlichen Konzert in der Abonnementsreihe die sechs Suiten für Violoncello-Solo von Johann Sebastian Bach zu präsentieren.

Bei aller schier unerschöpflichen Fantasie des Meisters bieten die Suiten in ihrer nahezu gleichen Abfolge von stilisierten barocken Tanzsätzen recht wenig stilistische Gegensätze. Und durch die Reduktion auf ein Soloinstrument wird diese Darbietung für ein eher an Orchesterkonzerte gewöhntes Publikum zu einem harten Stück Brot. Und so trat das ein, was im Grunde vorherzusehen war: So schwach besetzt hat man den großen Saal des Eurogress in einem Meisterkonzert noch nicht erlebt.

Dabei war das Konzert in zwei Abteilungen gegliedert, deren ausgiebige Pause mit gastronomischen Angeboten aufwartete. Mochte der Sinn eines solchen Unternehmens noch so zweifelhaft sein, so war die Präsentation der Werke durch den jungen Cellisten Isang Enders, der die Suiten gerade auf CD eingespielt hat, unanfechtbar. Der wunderbare Ton seines Vuillaume-Cellos, die stupende Spieltechnik mit unfehlbarer Intonation auch bei den zahlreichen Doppel- und Mehrfachgriffen bieten nahezu ideale Voraussetzungen für eine adäquate Umsetzung von Bachs Intentionen.

Dabei wirken seine Interpretationen eher nachdenklich und reflektierend, vor allem in den langsameren Sätzen wie den Sarabanden, für die er sich sehr viel Zeit nimmt. Durch kleine Tempomodifizierungen, die das Ausführen der Mehrstimmigkeit auf einem Soloinstrument erfordert, und durch eine differenzierte Phrasierung formt er sinnstiftende Zusammenhänge.

Andererseits bleibt nicht zuletzt durch häufig verzögerte Auftakte die Motorik der schnellen Tanzsätze etwas auf der Strecke.

Enders geht es bei aller bogentechnischen Souveränität nicht um vordergründige Vitalität, sondern um größtmögliche Auslotung der Individualität eines jeden Satzes. Dass er dabei sämtliche Wiederholungen der jeweils zweiteiligen Sätze spielt, versteht sich hierbei fast von selber.

Die Konzentrationsleistung des in einem Lichtkegel einsam neben einem Weihnachtsbaum auf der großen Bühne sitzenden jungen Mannes in einem ansonsten abgedunkelten Raum ist dabei ebenso bewundernswert wie seine intelligente Gestaltung.

Das Publikum zeigte sich denn auch beeindruckt und spendete freundlichen Applaus.

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