Meisterkonzert: Olga Scheps interpretiert Beethoven

Von: Sabine Rother
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Jura hätte sie auch interessiert: Die Pianistin Olga Scheps gastiert beim Meisterkonzert in Aachen. Foto: Uwe Arens/Agentur

Aachen. Vater Ilja Scheps ist Pianist und Professor für Klavier an der Musikhochschule in Aachen, die Mutter ist auch Pianistin – und Tochter Olga? „Nein, sie haben mir keinen Druck gemacht“, lacht Olga Scheps. Heute ist sie 30 Jahre alt, spielt in der Riege der weltweit erfolgreichsten Pianisten ganz vorn und kann sich gut erinnern: „Es waren immer Menschen da, die ich fragen durfte und die richtig beurteilen konnten, ob ist auch wirklich Talent habe. Das war ideal.”

Im ersten Aachener Meisterkonzert der neuen Saison wird Olga Scheps Solistin beim Klavierkonzert c-Moll von Ludwig van Beethoven sein. Begleitet wird sie vom Orchestra della Svizzera Italiana unter der Leitung von Markus Poschner. „Das ist mein Lieblingsklavierkonzert“, schwärmt sie. „Es hat alles, was man sich wünschen kann: den starken, stolzen Beethoven, den Meister wunderschöner Melodien, die wie Opernarien klingen, und einen dritten, extrem virtuosen Satz.“

Namhafte Dirigenten hat Olga Scheps schon getroffen, darunter Lorin Maazel, Yakov Kreizberg und Ralf Weikert. Auf Markus Poschner ist sie gespannt – ihn kennt sie noch nicht. „Aber der Saal im Eurogress ist mir vertraut, dort habe ich schon gespielt”, betont sie. Tatsächlich ist sie für das Aachener Publikum wahrlich keine Unbekannte mehr.

An der Musikhochschule Köln hat Olga Scheps als Stipendiatin der „Deutschen Stiftung Musikleben“ und der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ bei Pavel Gililov studiert. In Alfred Brendel, dem großen Meister, hat sie seit ihrem 15. Lebensjahr einen Förderer gefunden, der ihr Potenzial erkannt hat: Emotionalität, Ausdrucksstärke und pianistisches Können. 1992 war die Familie nach Deutschland gekommen.

Wie war das für ein Mädchen, das in Moskau geboren wurde? „Ich kam in die Grundschule und war das einzige Kind in der Klasse, das kein Wort Deutsch verstand“, erinnert sie sich. Der Sprung ins kalte Wasser ist ihr nicht gerade leicht gefallen, aber sie hat sich durchgesetzt und ganz schnell die Sprache der neuen Wahlheimat gelernt.

Dass der Berufsweg ans Klavier und auf die Bühne führen sollte, war nicht von Anfang an klar. „Ich habe mich auch sehr für Jura interessiert und tatsächlich an ein Studium gedacht“, erzählt die Musikerin. „Ich habe ein gutes Gedächtnis, das braucht man für Jura, aber natürlich gleichfalls für das Musizieren.“

Olga Scheps hat als Künstlerin ihre eigene, sehr persönliche Vorstellung von Musik, wobei sie zurzeit Werke der Klassik und Romantik bevorzugt. „Russische Schule“? Sie zögert: „Die Welt der Klaviermusik ist so groß, ich empfinde ganz unterschiedliche Einflüsse. Überall spielt man anders, das ist großartig.“ Sie sammelt beständig neue Impulse, um ihren persönlichen Horizont zu erweitern.

Bei allen technischen Raffinessen ist ihr wichtigstes Ziel die Freiheit in der Interpretation. Sie steht zu ihren Gefühlen, will sie zeigen. „Ja, ich bin extrovertiert beim Klavierspiel. So lebe ich auch. Ich sage immer, was ich denke.“

Jedes Musikstück ist für Olga Scheps die Aufforderung, dem Publikum die Emotionen und Gedanken zu vermitteln, die sie beim Spiel bewegen. Nicht ohne Grund nennen Kritiker sie eine „Klangpoetin mit Kraft und Seele“. Auch in der Kammermusik liebt sie es, aufmerksame Partnerin ihrer Kollegen zu sein – etwa im Danish String Quartet und im Danel Quartet.

Mit ihrem Debüt-Album „Chopin“ hat sie den Echo-Klassik gewonnen. Chopin bleibt für sie interessant. So hat sie die posthum herausgegebenen Etüden des Komponisten auf die Bühne gebracht. Ihr nächster Auftritt? In Köln, auf der Domplatte – ein weiteres Experiment, auf das sie sich freut.

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