Aachen/Basel - „Meine Tochter Anne Frank“: Gutes öffentlich-rechtliches Fernsehen

„Meine Tochter Anne Frank“: Gutes öffentlich-rechtliches Fernsehen

Von: Bernd Mathieu
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Die Hauptakteure in der ARD-Dokumentation „Meine Tochter Anne Frank“ (von links): Rosalie Ernst (Schwester Margot Frank), Götz Schubert (Vater Otto Frank) und Mala Emde (Anne Frank). Foto: dpa, Imago/stock&people
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Buddy Elias (89), der Vetter von Anne Frank. Er lebt mit seiner Frau, der Schauspielerkollegin Gerti Elias, in Basel.

Aachen/Basel. Beide sind in Frankfurt am Main geboren, er 1925, Anne 1929. Sie erleben nur wenige gemeinsame Jahre. Als die Familie von Buddy Elias nach Basel umzieht, wo der Vater die Schweizer Vertretung einer Firma übernimmt, trennen sich ihre Wege – fast. Anne Frank besucht ihren Vetter während der Ferien in Basel. Sie behalten Kontakt, und später schreibt sie ihm Briefe, gratuliert ihm zum Geburtstag, bis plötzlich keine Post mehr ankommt.

Buddy Elias, der im Juni 90 Jahre alt wird, hat sich die ARD-Dokumentation „Meine Tochter Anne Frank“ natürlich genau angesehen. Niemand kann das so wie er, aus diesem ganz speziellen Blickwinkel. Der Film ist ein Stück seiner eigenen Familie, seiner eigenen Lebensgeschichte. Er selber hat sich als Zeitzeuge in der Doku geäußert.

„Ein sehr guter, ein wirklich perfekter Film, eine schöne Beschreibung, ich habe nichts zu kritisieren“, sagt Buddy Elias am Mittwochabend in unserem Exklusiv-Gespräch. Er ist voll des Lobes für Mala Emde, die die Rolle seiner Cousine spielt: „Sie macht das sehr gut, herausragend gut. Es ist für jede junge Schauspielerin schwierig, diese Rolle zu spielen, aber sie hat mich total überzeugt.“

Regisseur Raymond Ley hatte von vornherein eine grundsätzliche Zielsetzung: „Ich will nicht die zur Ikone stilisierte Über-Anne zeigen.“ Das gelingt ihm – und ganz besonders der faszinierenden Mala Emde. Die 18-jährige Schauspielerin präsentiert in einem seriösen Kontext ganz großes Kino.

Mit Annes Vater Otto hat Buddy Elias oft gesprochen – über die Katastrophe seiner Familie und immer wieder natürlich über Anne. „Otto sagte zu mir: Ich habe das Kind gar nicht richtig gekannt, bis ich ihr Tagebuch gelesen habe. Für mich ist es einfach unglaublich, was sie als Kind geschrieben hat.“

Und wie spielt Götz Schubert den Otto Frank, Herr Elias? „Auch sehr gut, da gibt es ebenfalls nichts zu kritisieren.“

Dann wieder der Wechsel in unserem Gespräch. Wir sprechen nicht über den dargestellten, sondern über den „richtigen“ Otto Frank. Zunächst habe Otto nicht daran gedacht, das Buch zu veröffentlichen. Zu intim seien ihm manche Passagen des Tagesbuchs vorgekommen. Buddy Elias: „Und als er anders darüber dachte, war kein Verleger interessiert.“ Und so wurden in der Erstauflage, die 1947 doch gedruckt wurde, nur 1500 Exemplare produziert. Heute liegt die Gesamtauflage bei fast 30 Millionen in über 60 Sprachen. “

„Meine Tochter Anne Frank“: ein beeindruckendes Stück öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Das findet Buddy Elias, der Schauspieler, und davon konnte man sich Mittwochabend überzeugen.

Das ARD-Dokudrama ist eine herausragende Produktion. Die Mischung aus Spielszenen, Interviews, Zeitzeugen und historischen Aufnahmen, zum Beispiel mit dem Einmarsch deutscher Truppen, gelingt. Elias: „Alles perfekt, keine Kritik.“

Fröhlich und vergnügt

Buddy Elias mag eine solche Darstellung fernab von allem Mythischen. „Als ich die ersten Auszüge des Tagebuchs las, merkte ich, wir alle haben sie gar nicht gekannt.“ Und was war das, was er nicht gekannt hat? „Ich habe Anne als fröhliches, vergnügtes Mädchen kennengelernt, immer sehr freundlich, ein guter Spielkamerad. Die Tiefe ihrer Gedanken kannte ich nicht, die habe ich erst im Tagebuch entdeckt.“

Die unbändige Lebens- und Entdeckerlust Anne Franks wird in dem Film schön herausgestellt. Der Teenager mit seinen Träumen, seiner Lebendigkeit: Dieser Alltag im Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht schiebt die historische Ikone völlig zur Seite. Das gelingt zum einen, wie erwähnt, wegen der exzellenten Mala Emde, aber zum anderen auch wegen Götz Schubert, der Otto Frank, den einzigen Überlebenden der Familie, großartig darstellt.

Fünf Briefe hat Otto Frank nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Auschwitz nach Basel geschickt. Seine Hoffnungen, geschrieben in dem ersten Brief an seine Mutter auf KZ-Papier aus Auschwitz mit der Datumszeile 23. Februar 1945, haben sich nicht erfüllt: „Man muss hoffen, sie gesund zurück zu sehen.“ Das Wortlaut-Interview mit Buddy Elias lesen Sie in unserer Freitagausgabe.

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