Marialy Pacheco: Kubanische Leidenschaft trifft auf modernen Jazz

Von: Sabine Rother
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De kubanische Pianistin Marialy Pacheco begrüßt auf der Bühne von Burg Wilhelmstein die Sängerin Lily Dahab. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Es ist diese Frische, die Freude am Musizieren und ihre Herzlichkeit, mit der sie das Publikum sofort erobert: Marialy Pacheco beim Sommerfestival auf der Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg.

Schlank, sportlich, hochgewachsen, feingliedrig und sehr akrobatisch auf abenteuerlichen Highheels. Rasch geht sie zum Klavier, greift in die Tasten und gleitet hinein in einen Strom der Gedanken, Gefühle, unerwarteten Wendungen und Variationen. Das ist ihre Musik, ihre Leidenschaft, ihr Leben.

Die Kubanerin verbindet modernen schnörkellosen Jazz mit der rhythmischen Wärme ihrer Heimat. Sie liebt diese Wurzeln, bezieht das kostbare Erbe in Kompositionen und Arrangements ein. Das strahlt ab auf alle Mitstreiter – den Bassisten Juan Camilo Villa Robles, der gern die Glut dieser Stücke im Hintergrund und bei schönen Soli schürt, Rodrigo Villalon am Schlagzeug, der sein jugendliches Ungestüm manchmal ein etwas zu laut nach vorn bringt, und den fabelhaften Trompeter Joo Kraus. Auf der Burg-Bühne erweist sich Kraus als grandioser und ebenbürtiger Partner der Pianistin. Weich und sensibel greift er Motive auf, verwandelt sie, ist stets mit Empathie an der Seite der Pianistin und zugleich ein Künstler mit großem Selbstbewusstsein.

Zwischendurch plaudert Marialy Pacheco charmant ein bisschen, beschreibt ihre Eindrücke, Vorlieben und schwärmt vom historischen Gemäuer, das sie zum ersten Mal erlebt und „sooo schön“ findet. Zum deutschen Komponisten Johannes Brahms hat die Kubanerin übrigens eine besondere Beziehung, horcht gern auf die Geschichte einer verlorenen Liebe in dessen 4. Sinfonie. Das Publikum staunt und erkennt die Tiefen, aus denen die Musikerin schöpft. Ein kubanisches Schlaflied, das allerdings alles andere als müde daherkommt, eröffnet den Abend.

Mit spürbarer Liebe zum Heimatland zieht sie traditionelle Motiven kubanischer Volksmusiker hinein in ihre klare Jazzsprache, um sie dort zu modifizieren. Sachlichkeit, die manchmal grüblerisch-tastende Ergründung eines Motivs wirkt bei ihr nie kühl oder distanziert. Dennoch verlangt sie konzentriertes Hinhören, ein Einfühlen in die sorgfältigen Entwicklungen einer Titel. Schmeichelnd setzt in solchen Momenten Joo Kraus‘ Trompete Glanzlichter. Marialy Pacheco überlässt immer wieder für einen Moment Bühne, um gleich danach wieder die musikalischen Fäden in die Hand zu nehmen.

Ihr Spiel ist mühelos, rasch und filigran. Die Ideen sprudeln, sie gibt sich – das Gesicht tief über die Tasten geneigt – ganz hinein in ihre Klanggemälde. Eindrücke werden zu Musik: Tokio zum Beispiel. Das Erleben dieser hektischen Stadt klingt auf in „Tokio call“, einer schnellen heißen Klangfolge. Und Humor hat sie auch. Als bei neueren Kompositionen Wind die Noten durcheinander wirbelt und ein Zuschauer auf die Bühne eilt, um zu assistieren, hat sie großen Spaß daran und greift unbeirrt in die Tasten.

Mit der argentinischen Sängerin Lily Dahab fügt Marialy Pacheco ihrem Konzert eine neue Farbe hinzu, wechselt spielerisch vom puristischen Teil des Abends zu träumerischer Sinnlichkeit, die Lili Dahab mit langem Kleid, rieselnden dunklen Locken und einer warmen, aufregenden Stimme verkörpert. Da schwingen die Hüften im sanften kubanischen Rhythmus - und diese leichte, weiche Bewegung setzt sich im Publikum fort.

Schön sind sie, diese Lieder in ihrer nicht überraschenden Tonalität, Nachtgespräche auf musikalischer Ebene - Kuba, Uruguay und Argentinien umarmen sich sanft. Zum Schluss gibt es als zweite Zugabe noch ein Solostücke, einen Höhenflug, Marialy Pacheco ganz persönlich, ganz virtuos. Die Zuschauer springen begeistert von den Plätzen. Viel Applaus.

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