Mariah Carey: „Power-Balladen” auf überfrachtetem Album

Von: Sebastian Döring, dpa
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Mariah Carey
US-Popstar Mariah Carey und Weihnachten sind unzertrennlich, wenn es um den Verkauf eines neuen Albums geht. Ihr 12. Studioalbum ist jetzt auf dem Markt - wie die Hälfte ihrer Alben fällt die Veröffentlichung in die umsatzstarke Vorweihnachtszeit. Foto: dpa

London. US-Popstar Mariah Carey und Weihnachten sind unzertrennlich, wenn es um den Verkauf eines neuen Albums geht. Ihr zwölftes Studioalbum „Memoirs Of An Imperfect Angel” (Erinnerungen eines nicht perfekten Engels) ist jetzt auf dem Markt - wie die Hälfte ihrer Alben fällt die Veröffentlichung in die umsatzstarke Vorweihnachtszeit.

Es ist Careys persönlichstes Album aller Zeiten, verspricht ihr Management. Die erste Auskopplung ist ein Cover, die insgesamt zwölfte Interpretation des Welthits „I Want To Know What Love Is” von der Rockgruppe Foreigner aus dem Jahr 1984.

Der vorab veröffentlichte Sommer-Clubhit „Obsessed” hat es in sich. Mit R&B-Rap antwortet Carey auf die Pöbeleien von US-Rapper Eminem. Er packt im Lied „The Warning” über eine angebliche, sechsmonatige Sex-Affäre mit Mariah aus. Wenn sie dies weiter bestreite, wolle er Fotos veröffentlichen. Sein Lied kommt offiziell im nächsten Jahr auf den Markt.

Carey fragt nun schon vorher: „Warum bist Du so besessen von mir? Junge, ich will es wissen - lügst, Du hättest Sex mit mir”. Sie glaubt, es liege am Cannabis-Konsum. Der Song sticht allerdings vom Rest der Platte heraus.

Bei der Einordnung des Musikstils von „Memoirs Of An Imperfect Angel” lag der „Engel” auf einem Verkaufstermin für Musik, Parfüm und Film kürzlich in London nicht ganz so perfekt. „Ihr könnt mit vielen Balladen rechnen, sexy Songs, Power-Balladen und dabei auf jeden Fall viel heiterem, heißem, schnellem Hip-Hop und Reggae.” Von all dem ist wenig bis gar nichts zu hören. Die Balladen sind eher melancholisch und langsam angelegt als heiter und schnell.

Sexy soll vor allem das Titelbild der CD sein. Es zeigt Carey in drei Posen im dünnen weißen Leibchen, mit dem die 40-Jährige zur kalten Weihnachtszeit ihre Rundungen zur Schau stellt. In ihrer Welt voll von Pink, Blink-Klunkern und Promi-Schi-Schi rücken die Verpackung und ihre Selbstverliebtheit in den Mittelpunkt.

„Auf jeden Fall viel” Hip-Hop und Reggae kann offensichtlich nur Carey auf der Platte hören. Sie arbeitete zwar mit Hip-Hop-Produzent Timbaland an einigen Liedern, die es aber nicht auf das Album schafften.

„Willkommen zum Tag meines Lebens” flüstert die R&B- Sängerin zum Auftakt in „Betcha Gon Know” ins Ohr der Hörer. Den Willkommensgruß wiederholt sie, damit jedem klar wird, dass es die nächsten 58 Minuten um sie geht. Die Platte wirkt mit zwei Melodie- Wiederholungen, einem Vorspiel und einer Überleitung überfrachtet.

Als „Power-Ballade” wird die Interpretation des Foreigner-Hits bezeichnet - als erste Auskopplung stets die Visitenkarte eines Albums. Behutsames Klaviergeklimper, Fingerschnipsen und gelegentlich vier simple Viertelnoten am Synthesizer betten hier Careys hallreichen Gesang.

Er schwankt unkoordiniert zwischen Geflüster und gepresstem Singen hin und her. Zum Ende hin gewinnt die Stimme an Zügen von Geschrei. Wenn Carey das für sie typische Mädchen-Kreischen im oberen Viertel der Tonleiter einsetzt, erdet sie ein Chor. Das macht das Lied aus Careys Sicht zur Gospel-Ballade.

Mit dem Album will Carey ihre Liebeserfahrungen preisgeben. Dabei geht es vor allem um Trennungen. „Jeder einzelne Song funktioniert wie ein vertrauliches Gespräch oder wie ein Tagebucheintrag.” Carey wendet sich mit diesem Album noch weiter von ihrem breiten Stimmumfang ab, der sie so beliebt machte, hin zum Sprechgesang.

In der Heimat der US-Amerikanerin blieben Careys „Erinnerungen” hinter den Erwartungen zurück. In der ersten Woche waren es mit knapp 170.000 Verkäufen ein Drittel weniger als beim Vorgänger.

Auch in Deutschland dürfte das Interesse an der neuen Platte des Weltstars, der bisher mehr als 200 Millionen Singles und Alben verkaufte, gering ausfallen. Einen Auftritt in der für den Musikumsatz wichtigen ZDF- Sendung „Wetten, dass..?” am vergangenen Samstag sagte sie kurzfristig ab.
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