Marcus Bosch: Das „Projekt Festspielstadt“ als Erfolgsgeschichte

Von: Pedro Obiera
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Seine Karriere begann am Theater Aachen: Hermann Schneider inszeniert Verdis „Macbeth“ in Heidenheim. Zur Spielzeit 2016/17 wird er Intendant am Landestheater Linz. Foto: Falk von Traubenberg
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Macbeth geht über Leichen: Antonio Yang in der Inszenierung von Verdis Oper bei den Heidenheimer Opernfestspielen. Foto: Jochen Klenk
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Probe der Stuttgarter Philharmoniker am 17.06.2014 im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart mit Dirigent Marcus Bosch. Foto: Thomas Niedermueller

Heidenheim/Aachen. Eine schweißtreibende Angelegenheit, die Premiere von Giuseppe Verdis Oper „Macbeth“ bei über 30 Grad auf der Freilichtbühne von Heidenheim. Auch wenn die Darsteller teilweise in Latex-Kostümen schwitzen mussten, ging alles gut.

Die Erfolgsgeschichte der Heidenheimer Opernfestspiele hält damit an. Das Festival in Stadt an der Brenz existiert zwar schon seit 51 Jahren. Dass es seit fünf Jahren an überregionaler Bedeutung gewinnen konnte, ist Marcus Bosch zu verdanken, der in der Stadt an der ostwürttembergischen Grenze zu Bayern geboren wurde.

Der ehemalige Aachener Generalmusikdirektor, der seit 2011 mit großem Erfolg als Chef des Staatstheaters und der Staatsphilharmonie Nürnberg wirkt, stellte das Festival mit einem reichhaltigen Rahmenprogramm auf neue, größere Füße und nutzt die malerische Kulisse der Burgruine des Schlosses Hellenstein für Opernproduktionen, die mittlerweile auf internationales Interesse stoßen.

Mehr Geld, mehr Programm

Erfolge, die dazu führten, dass die Stadt die Zuschüsse für das „Projekt Festspielstadt“ erhöhte und sich auch das Land an den Aktivitäten beteiligt. Damit kann Bosch im nächsten Jahr neben der zentralen Opernproduktion in der Schlossruine (geplant ist Puccinis „La Bohème“) auch eine Reihe mit Opern des jungen Verdi im Festspielhaus starten. Den Auftakt will er mit Verdis „Oberto“ wagen.

Der Qualitätsschub ist der klugen Besetzungspolitik Boschs zu verdanken. Er mobilisiert Spitzenkräfte seines Nürnberger Stammhauses, engagierte die Stuttgarter Philharmoniker und konnte für den „Macbeth“ den großartigen Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn gewinnen. Seine Verbundenheit mit Aachen gab er nie auf. In diesem Jahr steht zwar nur Woong-jo Choi aus dem Aachener Ensemble als grandioser Banco auf der Bühne, aber hier waren schon Regisseur Michael Helle und Bühnenbildner Detlev Beaujean am Werk, und Konzertmeister Marijn Simons leistet Bosch als Assistent treue Dienste.

Auch der Regisseur des „Macbeth“ ist in Aachen kein Unbekannter. Hermann Schneider startete hier seine Karriere als Regieassistent in der Ära von Klaus Schultz in den späten 80er Jahren und gab dort auch 1990 sein Regie-Debüt mit „Hänsel und Gretel“. Danach leitete er das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein, wurde vom Platz weg zum Intendanten in Eisenach ernannt, nahm eine Professur in Weimar auf, ist derzeit Intendant des Mainfranken Theaters in Würzburg und wechselt zur Spielzeit 2016/17 in gleicher Funktion an das mit einem 50-Millionen-Etat doppelt so große Landestheater Linz.

In Aachen habe er viel gelernt, bekennt Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich war bei den maßstabsetzenden Inszenierungen von Willy Decker, etwa der ‚Ariadne auf Naxos‘ und dem ‚Rosenkavalier‘, dabei. Und auch die ‚Lulu‘ oder Henzes ‚Junger Lord‘ hatten Niveau. Dafür bin ich jetzt noch dankbar.“ Und im Opernstudio der Rheinoper konnte er modernes Musiktheater von Karl Amadeus Hartmann bis Manfred Trojahn und John Cage ausprobieren.

Flexibilität war auch bei seiner Arbeit in Heidenheim gefragt. Die zerklüftete Kulisse der Schloss-Ruine passt zwar prächtig zum düsteren Macbeth-Stoff. Aber die Tiefe der Spielfläche ist begrenzt. Keine idealen Voraussetzungen für eine große Choroper. Eine Schlüsselstelle nehmen in Schneiders Inszenierung die schwarz gekleideten Hexen ein, die nicht nur die Begierden Macbeths und seiner Lady vergiften. Auch die Kinder Bancos und Macduffs samt ihrer Väter schielen nach der Macht. Am Ende schießt nicht nur Macbeth auf seine Landsleute. Malcolm, der Sohn des ermordeten Königs Duncan, der als „Befreier“ aus dem Exil zurückkehrt, ersticht zur Sicherheit Bancos Sohn.

Die Zukunft sieht auch nach dem Terrorregime Macbeths düster aus. Pfiffig der Einfall, die Kammerzofe der Lady und die Oberhexe personell zu verschmelzen, wodurch das Gift der Begierde noch intensiver in die Venen der Protagonisten fließen kann. Die räumlichen Verhältnisse erfordern ein ausführliches Spiel im Vordergrund, so dass Schneider die Personenführung detaillierter ausführen kann als in Freilichtaufführungen üblich. Der Chor kann sich über fünf Etagen des Bühnengerüsts von Stefan Brandtmayr verstreuen.

Bosch strebt einen recht trockenen, präzisen und scharfen Orchesterklang an, straff geführt und ohne romantische Weichzeichnung. Ein Klang, der zur Härte des Stoffs passt und sich als sängerdienlich erweist. Antonio Yang singt den Macbeth robust sowie konditions- und ausdrucksstark. Ihm gleichwertig Melba Ramos als Lady Macbeth mit einigen Schärfen in der Höhe, was freilich Verdis eigenen Vorstellungen von der Rolle gar nicht ungelegen sein muss.

In der Partie alterniert sie mit Morenike Fadayomi von der Deutschen Oper am Rhein. Vorzüglich die Ensembleleistung der restlichen Partien, vor allem Woong-jo Choi als Banco und Isabel Blechschmidt in der aufgewerteten Rolle der Kammerzofe können überzeugen. Ein Sonderlob verdienen die Chöre, neben dem Philharmonischen Chor Brünn die „Eleven des Neuen Kammerchors“ sowie die Kinder des Schiller-Gymnasiums Heidenheim.

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