Makellos: Russisches beim Aachener Kammerkonzert

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Tief in die Schatzkiste russischer Kammermusik griffen zehn Mitglieder des Aachener Sinfonieorchesters für das zweite Kammerkonzert der Saison im gewohnt ausverkauften Spiegelfoyer des Theaters.

Die Beschäftigung mit der russischen Kammermusik des späten 19. Jahrhunderts ist für Hörer wie Musiker gleichermaßen reizvoll, ließen sich die osteuropäischen Musiker doch wenig von den westlichen Giganten Beethoven und Brahms beeinflussen und beschritten sehr persönliche und originelle Wege.

Anton Arenskys Streichquartett a-Moll op. 35 in der ungewöhnlichen Besetzung für Violine, Viola und zwei Violoncelli, geschrieben als Verbeugung vor dem verstorbenen Tschaikowsky, vereinigt religiösen Ernst, emotionale Tiefe und folkloristisch gefärbte Lebensfreude in idealer Balance, wobei das Klangbild durch die Bevorzugung der tiefen Streicher zwar abgedunkelt wird, aber erstaunlich transparent bleibt. Das ist gewiss auch ein Verdienst der Aachener Musiker, die sich aller drei Stücke des Konzerts auf nahezu makellosem Niveau und mit spürbarer Begeisterung annahmen.

Einen Einblick in seine desolate Verfassung gewährt Michail Glinka, der „Vater der russischen Nationalmusik“, in seinem Trio Pathétique für Klarinette, Fagott und Klavier, das ein wenig spröder wirkt, aber in seiner eigenwilligen Textur besonders deutlich unterstreicht, wie intensiv russische Musiker persönliche Befindlichkeiten in ihre Musik einfließen lassen. Und das setzten mit gebotener Eindringlichkeit und Spielkultur David Kindt (Klarinette), Konrad Werner (Fagott) und die Pianistin Galina Ryzhikova vorbildlich um.

Einen charmanten, leicht salonhaft angehauchten Schlusspunkt setzte man mit Alexander Glasunows Streichquintett in A-Dur op. 39 in der Schubert-Besetzung mit zwei Violoncelli. Ein in seiner Art einzigartiges Meisterwerk, das melodische Eleganz, blitzenden Esprit und tänzerische Vitalität meisterhaft vereinigt und die Streicher des Aachener Sinfonieorchesters zu einer ebenso runden Leistung animierte.

In seiner Zusammensetzung, aber auch in seinem durchweg hohen Spielniveau eins der besten Konzerte der Kammermusikreihe seit längerer Zeit. Das Programm wird heute Abend um 20 Uhr im Spiegelfoyer wiederholt.

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