Mai-Klassik-Festival überzeugt mit Programmauswahl und Niveau

Von: Thomas Beaujean
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Spieltechnische Perfektion, gepaart mit großer Spielfreude: Beim Mai-Klassik-Festival im Energeticon Alsdorf ergibt das erstklassige Kammermusik. Foto: Markus Bienwald

Alsdorf. Ein Blick in das Programmheft des Mai-Klassik-Festivals im Energeticon Alsdorf offenbart eine feines Händchen des künstlerischen Leiters Hans-Christian Schweiker für Programmgestaltung. Da ergänzen sich Bekanntes und nahezu oder völlig Unbekanntes auf eine aparte Weise.

Da stehen Namen wie Beethoven und Brahms neben Krommer, Kummer oder Rebecca Clarke. So war der erste Abend des dreitägigen, wohl wegen des Wetters ausnahmsweise nicht voll besetzten Festivals geprägt von feinen Kostbarkeiten, die auf den ersten Blick nicht zu erwarten waren.

Leider führte die Lust an diesen Preziosen zu einer Überlänge des Konzertes, die Sitzfleisch und Aufnahmefähigkeit des Publikums auf eine arge Probe stellte. Das war insofern zu bedauern, als die Wiedergaben der Stücke von einer Qualität waren, die den beteiligten Musikern das beste Zeugnis ausstellte. Franziska Hölscher und Esther Haffner (Violine), Herbert Kefer (Viola), Hans-Christian Schweiker und Othmar Müller (Violoncello), Martin Spangenberg (Klarinette) und Hyun-Jung Kim-Schweiker (Klavier) erwiesen sich als erstklassige Kammermusiker, deren spieltechnische Perfektion sich mit einer Spielfreude paarte, die auf das Publikum übersprang.

Luigi Boccherinis programmatisches Streichquintett C-Dur machte den Anfang. Eine Auswahl von sechs aus den „Acht Stücken für Klarinette, Viola und Klavier“ von Max Bruch verdeutlichte die stilistische Nähe zu Johannes Brahms, aber auch die hohe Qualität dieser im besten Sinne schönen Musik, die in Spangenberg, Kefer und Kim-Schweiker glänzende Interpreten fand.

Eine Entdeckung war ebenso das Klaviertrio von Rebecca Clarke von 1921. Stilistisch an den französischen Impressionismus anknüpfend, fand die nahezu vergessene englische Komponistin eine durchaus eigene Sprache, die eine Wiederbelebung ihrer Werke lohnend erscheinen lässt. Zumal dann, wenn die Wiedergabe dieser Musik so intensiv, engagiert und klanglich bestens abgestimmt gelingt wie durch Hölscher, Schweiker und Kim-Schweiker.

Im zweiten Konzertteil Anton Arenskys Streichquartett a-Moll für Violine, Viola und zwei Violoncelli. Die vier Musiker brachten das dunkle Timbre dieser Trauermusik auf den Tod des Freundes Peter Tschaikowsky auf eine bewegend schöne Weise zum Ausdruck. Insgesamt ein Abend voller Entdeckungen und Überraschungen.

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