„Má Vlast“ beim Sinfoniekonzert: Selbst die „Moldau“ fließt zäh

Von: Pedro Obiera
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Symbiose von Musik und Malerei: Das Aachener Sinfonieorchester interpretiert Smetanas Zyklus „Má Vlast“, im Hintergrund sind Emil Ciocoius zu sehen. Foto: Andreas Steindl
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Mit einer fast mediterranen Leichtigkeit: Der Aachener Maler und seine Impressionen zu Smetanas Tondichtung. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eigentlich ist der sechsteilige Zyklus „Má Vlast“ als Liebeserklärung an Bedich Smetanas böhmische Heimat zu verstehen, auch wenn die deutsche Übersetzung „Mein Vaterland“ stärker nationale Akzente betont.

Gleichwohl: Was Kazem Abdullah mit dem Aachener Sinfonieorchester im Rahmen des 5. Sinfoniekonzerts im wiederum ausverkauften Eurogress hören ließ, erinnerte eher an eine Kampfansage, die wesentliche Fassetten der Musik unterschlug.

Pathetisch breit, klanglich fett und dynamisch unkontrolliert grell wollte selbst die „Moldau“ nicht so recht in Fluss geraten und kroch eher zäh gen Prag vor sich hin. Für jedes Forte zog Abdullah gleich alle dynamischen Register, so dass kein Raum für wirkungsvolle Entwicklungen und herausstechende Höhepunkte blieb.

Zugleich verbaute sich der Dirigent damit die Chance, die Teile der einzelnen Symphonischen Dichtungen organisch zu verknüpfen. Die duftiger instrumentierten Teile in den stärksten Stücken, also der „Moldau“ und „Aus Böhmens Hain und Flur“, ließen jede klangliche Transparenz vermissen, die tänzerischen Elemente jeden Charme. Verbissenheit fegte jeden böhmischen Tonfall weg.

Und die Banalitäten der schwächsten Teile des Zyklus‘, der nachkomponierten Hussiten-Elogen „Tábor“ und „Blanik“, kehrte Abdullah damit so schonungslos heraus, wie es der vollständig ertaubte Komponist nicht verdient hat. Stücke, die für das böhmische Nationalbewusstsein von Interesse sein mögen, aber keinen qualitativen Bestand gegenüber den ersten vier Teilen haben.

Die Aachener Sinfoniker strichen mit vollem Einsatz und bliesen aus allen Rohren, konnten sogar noch trotz des orchestralen Kanonendonners mit einigen klanglichen Delikatessen aufwarten, so etwa mit einem schönen Harfensolo zu Beginn des Eröffnungsteils „Vyšehrad“.

Vielleicht hätte Abdullah ein wenig intensiver die Gemälde des in Aachen ansässigen Künstlers Emil Ciocoiu verinnerlichen sollen, der interessante Impressionen zu den sechs Tondichtungen geschaffen hat, die das Konzert optisch begleiteten und von Video-Designer Luca Fois in Bewegung gesetzt wurden, so dass auch die Details der Werke erkennbar wurden.

Ciocoiu, der seine Werke vor dem Konzert im Foyer präsentierte, hat keine fetten Ölschinken geschaffen, sondern geradezu impressionistisch, teilweise pointilistisch hingetupfte Bilder in überwiegend hellen Farben. Selbst realistische Andeutungen der Burgen und Städte atmen eine fast mediterrane Leichtigkeit. Angesichts der bleischweren musikalischen Interpretationen vermochten sich Ton und Bild leider so wenig mischen wie Öl und Wasser und liefen beziehungslos nebeneinander her. Schade für Smetana, schade auch für den Künstler.

Das Publikum quittierte den interessanten multimedialen Versuch mit begeistertem Beifall. Bleibt zu hoffen, dass Kapellmeister Justus Thorau für Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ im Juni ein besseres Händchen zeigen wird.

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