Ludwig Forum: Von Lenin bis Andy Warhol

Von: Eckhard Hoog
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Ausstellung „Interieur x Exterieur“ im Ludwig Forum: (von links) Kuratorin Vanessa Roder, Sammlerin Gabriele Koenig und Direktor Andreas Beitin bei der Vorbesichtigung. Foto: Harald Krömer

Aachen. Innen und Außen, das waren für Ludwig Mies van der Rohe zwei verschmolzene Seiten der einen architektonischen Medaille – zusammengeführt durch eine gläserne Haut seiner Gebäude.

Einen inspirierenden Eindruck davon geben seine Collagen aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), die gegenwärtig noch bis zum 12. Februar 2017 im Aachener Ludwig Forum zu sehen sind. Da lag es nahe, die gewaltige Sammlung Ludwig nach entsprechenden architekturbezogenen Werken zu durchforsten. Herausgekommen ist dabei die Ausstellung „Interieur x Exterieur“, die zeitlich mindestens parallel zur Mies-Schau in zwei Räumen präsentiert wird, wahrscheinlich aber noch viel länger. Vorbereitet hat sie die Kuratorin Vanessa Roder.

Bei der zweigeteilten Schau von architektonischen Innen- und Außenansichten wird ganz nebenbei auch offenbar, was die Ludwigs so alles in Osteuropa eingekauft hatten: zum Beispiel ein riesiges „Lenin-Triptychon“ von Oleg Vukolov aus den Jahren 1987/1988, das den Blick in das Arbeitszimmer des kommunistischen Politikers Lenin richtet – in Form einer heroisierenden, anbetungswürdigen kirchlichen Altarform. Da verblasst das eigentliche Thema von „Innen und Außen“ doch ziemlich.

Ironischer Ansatz

Erheblich erfreulicher der ironische Ansatz des New Yorker Malers Ben Schonzeit bei seinem Blick in einen barocken Musikraum, so wie ihn sich die Amerikaner vorstellen – über und über angefüllt mit blümelantem Kitschkram. Vom Gedenk- und Repräsentationsraum bis hin zur intimsten Privatsphäre wird der Bogen architektonischer Innenansichten gespannt – bis hin zu den zwei Nackten von Philip Pearlstein von 1989.

Das „Exterieur“ erscheint in Form eines Paradebeispiels baulicher Außenansicht: die Straßenschluchten New Yorks von Rudolf Schoofs (1983). Andy Warhol entdeckte 1976 den schlafenden Obdachlosen in einem Hauseingang und hielt die Szene mit seiner Kamera fest. Dem Fotorealisten Richard Estes gelang es 1969, unfassbar detailreiche Spiegelungen in den Glasscheiben einer Broadway-Adresse malerisch wiederzugeben.

Fotografien aus der Sammlung von Gabriele Koenig ergänzen die Ausstellung um Wohnzimmer-Ansichten aus der DDR – mit Stehlampe, Waldbildern auf der Tapete, Sofa und zwei Sesseln alles verblüffend einheitlich gestaltet: schöner wohnen im Plattenbau. Da freut sich das Spießerherz . . .

Statt einer Eröffnung findet heute um 18.30 Uhr eine erste öffentliche Führung statt.

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