Aachen - Ludwig Forum holt Grafik-Sammlung ans Licht

Ludwig Forum holt Grafik-Sammlung ans Licht

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Blick in einen erhabenen Ausstellungsraum: Das Ludwig Forum in Aachen präsentiert zum „Jahr der Grafik” bis zum 30. August die Ausstellung „Ludwigs Grafik 1”, unter anderem mit dieser Auswahl von Arbeiten Roy Lichtensteins. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Kunstwochenende steht in Aachen und Kornelimüns-ter ganz im Zeichen der Grafik. Als Beitrag zum „Jahr der Grafik”, an dem sich im deutschsprachigen Raum 130 Museen und Sammlungen beteiligen, 55 davon in NRW, öffnen auch das Ludwig Forum und die Kunst aus Nordrhein-Westfalen ihre Schatzkisten.

In der ehemaligen Reichsabtei in Kornelimünster schlägt man dabei ein ganz neues Kapitel der Künstlerförderung auf: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat in diesem Jahr zum ersten Mal einen Wettbewerb für Druckgrafik ausgelobt. Eine Fachjury wählte aus den zahlreich eingereichten Arbeiten Blätter von sieben Künstlern und einem Künstler-Duo aus.

Die Preise, dotiert mit jeweils 5000 Euro, was sich zu der beachtlichen Summe von 40.000 Euro summiert, übergibt am Samstag um 16 Uhr im Rahmen eines Festakts in der Reichsabtei Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse Brockhoff. Reichsabtei-Chefin Maria Engels nutzte die Gunst der Stunde und ergänzt die mit der Preisverleihung verbundene Präsentation der Siegerarbeiten um zahlreiche Grafiken aus den reichen Beständen des Hauses.

Das Ludwig Forum beginnt mit einer auf drei Teile angelegten Reihe „Ludwigs Grafik 1 - Von Warhol bis Pettibon” und zeigt rund 70 nordamerikanische Werke der Sammlung von den 60er bis zu den 90er Jahren.

All die Suppendosen, lila Kühe, Jackie-Kennedy-Porträts, die monumentalisierten Comic-Ausschnitte, Namen wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Robert Rauschenberg erinnern noch einmal an jene Zeit, als ein Aachener Schokoladenfabrikant Ende der 60er die New Yorker Kunstszene derart aufmischte, dass er innerhalb kürzester Zeit weniger als Peter Ludwig, denn als „Mr. More” bekannt wurde - derart unersättlich war er hinter jener Kunst her, die offenbar so ganz seinem eigenen Lebensgefühl entsprach.

Daraus wurde eine Sammlung mit tausenden von Werken. 2000 davon sind Grafiken, denen Forums-Chefin Brigitte Franzen und Annette Lagler mit weiteren Mitarbeitern nun wissenschaftlich zu Leibe rücken. Grafik, das ist eben wie überall auch hier so, steht zwangsläufig stets im Schatten all der spektakulären Gemälde und Großplastiken. Die Schublade ist meist ihr angestammter Platz.

Aber damit ist es jetzt erst einmal vorbei, sehr ansehnlich widmen sich die Räume im Untergeschoss einzelnen Persönlichkeiten wir Warhol und Lichtenstein oder geistesverwandten Künstlern wie Richard McLean, Richard Estes und Malcom Morley, die Ende der 60er ihren fotorealistischen Gemälden Druckgrafik-Versionen folgen ließen. In dieser Weise „gruppiert” finden sich auch die großen Gegenspieler der Pop Art unter dem Titel „Strukturen und Konzepte”: Sol LeWitt, Walter de Maria, Bruce Nauman und Robert Morris, die sich lieber im Zelebrieren einzelner Linien ergingen als zum Beispiel in grellbunten Abbildern von Rinderköpfen.

Einzelpositionen wie die von Nancy Graves, deren Namen man sonst mit Kamelen und Dromedaren verbindet, dokumentieren die große Begeisterung der amerikanischen Künstler jener Zeit für die Mondlandung, die sich am 21. Juli zum 40. Mal jährt: Die Künstlerin war offenbar derart fasziniert von Neil Armstrongs großem Schritt auf dem Erdtrabanten, dass sie in akribischer Manier farbige Landschaftskarten vom Mond zu Papier brachte.

„Ludwigs Grafik 2 und 3” sollen im Frühjahr und gegen Ende des Jahres 2010 stattfinden. Dann stehen die Themen Westeuropa, DDR, Osteuropa sowie Kuba, China und Taiwan an - gewissermaßen als grafisches Spiegelbild von Peter Ludwigs geo- und ethnografischen Sammelinteressen.

Die ehemalige Reichsabtei in Kornelimünster dokumentiert indessen das hohe Niveau der Grafik in NRW, namentlich von Christian Aberle (Köln), Manuel Graf (Düsseldorf), Alexander Esters (Neuss), Jan Schmidt (Köln), Gert und Uwe Tobias (Köln), Maki Umehara (Düsseldorf), Simon Halfmeyer (Düsseldorf) und Robert Elfgen (Bornheim).

Damit auch viele verschiedene Spielarten zeitgenössischer Druckgrafik, von der Computercollage und dem C-Print von Tänzern und Architekturen eines Manuel Graf über den perforierten Siebdruck einer fantastischen Urwaldlandschaft eines Simon Halfmeyer bis zur speziellen Kaltnadelradierungs-Technik eines Jan Schmidt, der mit einem an der Decke hängenden Akku-Schrauber Kurven und Linien auf die Platte zaubert. Und wem schließlich Namen wie Uecker, Richter, Polke, Nay, Götz, Graubner, Mields, Hartung oder Räderscheidt etwas sagen, der kommt im Umfeld der jungen Zeitgenossen grafisch in Kornelimünster voll auf seine Kosten.

Preise werden am Samstag verliehen

„Erster Grafikpreis des Landes Nordrhein-Westfalen”, Ehemalige Reichsabtei Kornelimünster, Abteigarten 6, 02408/6492. Preisverleihung und Ausstellungseröffnung: Samstag, 27. Juni, 16 Uhr. Dauer: bis 30. August. Geöffnet: Di., Mi. 10-13 und 15-17; Sa. 15-18, So. 12-18 Uhr; sowie nach Vereinbarung.

Dieter Ronte, Direktor des Kunstmuseums Bonn, hält am Sonntag, 28. Juni, um 15 Uhr einen Vortrag zur Ausstellung von Hans-Jürgen Schlieker.

„Von Warhol bis Pettibon” ist bis zum 30. August zu sehen


„Ludwigs Grafik 1 - Von Warhol bis Pettibon”, Ausstellung im Ludwig Forum, Aachen, Jülicher Straße 97-109, 0241/1807104. Eröffnung: Freitag um 20 Uhr, mit Brigitte Franzen (Bild rechts) und Annette Lagler. Bis 30. August; Di., Mi., Fr. 12-18; Do. 12-20; Sa., So. 11-18 Uhr. Katalog: 20 Euro. Öffentliche Führung: So. 12 Uhr.

Zum Rahmenprogramm gehören Sonderführungen und Workshops für Kinder und Jugendliche, Infos unter ludwigforum.de.
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